\V e rner W rage: Das Wattenmeer zwischen Irischen und Friedrichskoög.
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Unterlauf und Mündung.
Im Unterlauf der größeren Priele sind die Erscheinungen ähnlich wie bisher besprochen. Als be
sondere Bildung aber treten hie und da die sogenannten „Löcher“ auf. Diese Löcher, die wir schon im
allgemeinen Teil kennen lernten, stellen vertiefte und oft auch verbreiterte Stellen des Priellaufes dar.
Während man oberhalb und unterhalb den Priel bei Hohlebbe meist bequem d(irdischreiten kann, ist dies
in den Löchern nicht mehr möglich. Ihre Tiefe schwankt, wie schon erwähnt, wohl zw ischen ein und zwei
Metern im Durchschnitt. Ihre Länge mag im allgemeinen etw a 50 bis 150 m betragen. Unterhalb des Lochs
wird der Priel meist wieder flach und nimmt seine gewöhnliche Breite an.
Eine Ausnahme bildet das sogenannte Irischen-Loch, das östlich von der Südspitze der Arische der
Schwemmsandplate liegt. Dieses Loch ist zunächst bedeutend länger als die Löcher, die ich auf dem Nord
hang der Marner Plate sah. Vor allem aber ist es zumFi iedrichskooger Strom (Neufahrwasser) hin offen und
dient daher in seinem unteren Teil, wo es ziemlich tief ist, als eine A rt natürlicherSchntzhafen. Aehnliehe
Löcher finden sich auch am südlichen und nördlichen Lude der östlichen Legde,
Eine w ichtige Erscheinung an und in diesen Löchern sind die Miesmuschelbänke. die aber auch, wie
wir gesehen haben, in anderen Prielen und sogar auf der Walt fläche sich finden können. Auch am Rand
von Wattströmen kommen sie vor.
Wir wollen diese Bänke uns ein wenig genauer ansehen.
Die Miesmuschel bevorzugt tiefer gelegene Stellen mit einer gewissen Strömung. Sie findet diese vor
wiegend eben in und am Rande von größeren Prielen, von Wattströmen und in den erwähnten Löchern.
Dort braucht sie aber einen Ort, wo sie sich mit ihrer Byssusdvüse festspinnen kann. Dazu dient ihr. w ie
Richter nachgewiesen hat, oft Card ¡um. die Herzmuschel. So kann also i in Watt über einer Cardiumschichl
eine Miesmuschelbank entstehen.
Wenn ich eben sagte, daß Mytilus eine gewisse Strömung bevorzuge, so ist das mit einer Einschränkung
zu verstehen. Die Strömung darf nämlich nicht zu stark sein, vor allem nicht in der Zeit der Entstehung.
Daher sagt auch Krüger mit Recht: „Eine Miesmuschelbank kann sich immer nur auf Schlick, also im
stillen Wasser bilden. Ist sie aber einmal vorhanden, so kann sie dem Strom widerstehen."
Daß Miesmuschelbänke zur Verschlickung neigen und den Schlick in erhöhtem Maße festhalten und
zur Ablagerung bringen und auf diese Weise das Watt erhöhen, ist eine bekannte Erscheinung. Krüger
und Richter weisen ebenfalls daraufhin. Auch ich fand Miesmuschelbänke nur im Schlickwatt. mit einer
Ausnahme, die im nächsten Abschnitt besprochen werden wird. Tm Watt hinter Hörnum (Sylt) lagen un
mittelbar neben Sandwatt Miesmusthelbänke, aber diese selbst und ihre nächsteUmgebnng waren schlickig.
Allzu große Verschlickung oder gar Versandung verträgt aber eine Miesmuschelbank nicht; sie stirbt
dann ab.
Nach Richter kann sich über einer völlig verschickten Miesmuschelbank dann unterUmstänclen wieder
Cardium ansiedeln, so daß wir mehrere Schichten übereinander haben (vergl. S. 65).
Der äußerliche Eindruck der Miesmuscbelbänke in meinem Gebiet war etwa folgender:
Ich fand, daß sich die Tiere in großen Mengen mit ihren Byssusfäden aneinander gesponnen hatten.
Die Schalen der toten Tiere bleiben meist in der Bank, jedenfalls zu einem großen Teil, und dienen als
Fixpunkt zum Anspinnen junger Tiere. Oft aber werden auch Schalen trotzdem losgespült. Gelegentlich
wird wohl auch eine Cardium mit festgesponnen: im allgemeinen aber fand ich, daß die Bänke,
wenigstens oberflächlich, fast rein aus der Miesmuschel, Mytilus etlule, bestanden.
Die Schalen der Tiere waren oft dicht mit einem feetsitzendeu Krebs, der Seepocke (Balanus), besetzt.
Daß die Bänke einer reichen Kleintierfauna als Unterschlupf dienen, ist ja verstand lieh. Ich zeige im An
schluß an diesen feil eine Aufnahme einer Miesmuschelbank. an der auch der Besatz mit Seepocken zu
erkennen ist. Ich habe diese Aufnahme allerdings im Watt hinter Sylt gemacht; aber die Vl iesmuschelbänke
im Watt von Frischen und Friedrichskoog unterscheiden sich äußerlich in nichts von dieser Bank (mit Aus
nahme der schnür- oder st rieh förmigen Bänke im Römisch I ick watt).
Wir kommen nun zu einer anderen Form, die ebenfalls im Unterlauf der Priele und in der Nähe der
Löcher eine Rolle spielt, zu den M. u sc h e I s c h w e m m s a n d b ä и к e n. Wie wir gesehen haben,
w erden die Schalen von Mya. Cardium und Mytilus (auch Scrobieularia und Tel Ihm) vom Priel aus
gewaschen und in bestimmter Weise verfrachtet. Mitunter tritt aber an günstigen Stellen eine Anhäufung