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Full text: 48, 1929/1930

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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 48. Bd. Heft 5. 
Bei größeren Prielen Jag die Sandschicht des St romstrichs oft in dünner Lage über Schlick. Diese 
Entdeckung ist zuweilen mit Unannehmlichkeiten verknüpft. Durchschnittlich ist nämlich der Boden da, 
wo Sand liegt, fest und gut zu begehen; deshalb suchte ich ihn dann auch in diesen Prielen auf, um un 
angenehm enttäuscht zu werden. 
Die Sandschicht auf dem Boden der Priele zeigte oft Wellenfnrchen in der Form von Stromrippein und 
war häufig von großen Mengen von Muschelschalen erfüllt. Ich fand oft auf dem umgebenden Watt keine 
einzige Myaschale, während der Boden des Priels ganz davon bedeckt war. Vor allem traten auf diese 
Weise die Schalen von Mya, Cardium und Mytilus auf. Ueber die Verfrachtung von Muschelschalen durch 
die Strömung von Prielen liegen Beobachtungsergebnisse von R. Richter vor. Die Verfrachtung ist vor 
allem für Mya interessant, weil Mya zwei verschiedene Schalen besitzt. Die eine Schale trägt einen so 
genannten ..Ligamentlöffel". Im Priel fand Richter nun in ausgesprochen linienhafter Anordnung die 
löffellosen Myaschalen. Fanden sich auch Löffel schalen, so war ein Myabect nahe. 
Die Herkunft und das Vorhandensein dieser Schalen gerade im Priel ist nach dem im allgemeinen 
Teil (hi selsdiutzwatt) über die Lebensweise dieser Muscheln Gesagten ohne weiteres verständlich. 
Vereinzelt fand ich im Priel auch kleine Päckchen von lebenden Miesmuscheln. Sie scheinen unter Um 
ständen durch die Strömung rollend verfrachtet zu werden (vergl. ähnliche Beobachtungen bei Richter). 
Zuweilen werden die Muschelschalen auch vom Priel, sofern er groß und stark genug ist. an be 
stimmten Stellen in der Form von Muschelschwemmsandbänken aufgehäuft. Sie werden gleich heimUntcr- 
lauf behandelt werden. 
Interessant sind auch die Erscheinungen, die bei der Einmündung von Nebenprielen eintreten. Fließen 
gleichartige Priele ineinander, so bilden sich beim Zusammenfluß charakteristische Sandzungen und Ab 
lagerungen (zum Teil auch von Schlick) aus. Bei größeren Prielen entstehen nach Philippsen auf diese 
Weise gefährliche Kolke. 
Kleinere Priele münden in größere oft durch ein vorgeschobenes Delta, das sich halbkreisförmig in 
den Hauptpriel vorschiebt. Audi Barren und Sandbankbildungen kommen an den Einmündungen vor. 
Einige Bilder sollen folgen. 
ßild 65. Größerer Priel im Wattrücken des Hohen Ufers. Sandiger, gerundeter Prallhang mit flachen Erosionsrinnen.
	        
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