Werner Wr a g e : Das Wattenmeer zwischen Trischen und Friedrichskoog.
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II. Hauptteil.
Besprechung einiger Oberflächenfornien.
Erscheinungen an natürlichen Prielen.
Die Prieldefinition gegenüber clem Wattstrom wurde bereits gegeben. Es handelt sich also um natür
liche, flußartige Entwässerungsrinnen, die zur Zeit der tiefsten Ebbe entweder völlig oder nahezu leer
laufen (mit Ausnahme der Löcher). Es sollen in diesem Abschnitt nur diejenigen Erscheinungen betrachtet
werden, die im eigentlichen Wattgebiet, das vom Menschen nicht beeinflußt ist, zu finden sind. Aus
genommen sind die ßrandungspriele.
Pseudoquellen.
Wenn hier von Quellen geredet wird, so sind darunter keine Quellen in dem Sinne zu verstehen, wie
wir sie etwa auf clem Festland finden. Es sind vorwiegend „morphologische“ Quellen, in nur geringem
Maße physiologische. Sie sind der Ursprungsort der Prielform, nicht aber Ursprung der Wassermasse;
denn die Priele entstehen durch den Wechsel der Gezeiten (daher ..Pseudoquellen").
Dem Ursprung nach können wir unterscheiden:
1. Priele, die die Fortsetzung von Festlandsgewässern bilden. Hierzu könnte man z. ß. den Fried
rich skooger Hafenpricl rechnen.
2. Priele, die ihren Ursprung im Vorland haben. Wir haben sie im allgemeinen Teil beim Vorland
kennen gelernt, ihr im Watt liegender Unterlauf ist entweder durch Buschdämme usw. in be
stimmte Bahnen gelenkt (siehe Kulturwatt), oder er gleicht natürlichen Prielen.
3. Priele, die im Watt selbst ihren Ursprung haben.
Die ersten beiden Gruppen werden hier nicht behandelt werden, wohl aber die dritte.
Die Priele, die im Watt selbst ihren Ursprung haben,können zwei verschiedene Quell formen aufweisen.
Aderquellen.
Eine Aderquelle zeigen diejenigen Priele, deren Ursprungsort durch blutaderähnlich verästelte und
feinverzweigte Rinnsale gekennzeichnet ist. Sk. 21 A, T. 13, zeigt ein schematisches Bild einer solchen Quelle.
Die Krümmung und die Anordnung des Geäders schwankt. Sie richtet sich nach der Bodenbeschaffenheit,
dem Material (ob vorwiegend Sand oder Schlick) und clem Gefälle. Charakteristisch ist meist das schnelle
Anwachsen und die Verbreiterung der Rinnen. Im Schlick kommen im allgemeinen die Formen schärfer
und besser heraus als im Sand; doch kommen auch Abweichungen von dieser Regel sehr oft vor, vor allem
dann, wenn der Sand fester gelagert ist oder durch tonige Beimengungen eine festere Beschaffenheit er
halten hat.
Die Adcrquelle ist die in unserem Gebiet überwiegende Ursprungsform.