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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 48. Bd. Heft 5.
Ausbaggerung und Geradelegung von Prielen.
Sind für die Sdiiffakrt bedeutsame Priele zu flach oder zu gewunden, so müssen sie geradegelegt oder
ausgebaggert werden. Im Vorland wird der Priel gerade gegraben; im Wattgebiet aber werden sog.
„Stromleitungswerke“ zu Hilfe genommen. Diese Stromleitungswerke sind eigentlich weiter nichts als die
beim Kulturwatt beschriebenen Buschdämme. Krüger erwähnt ebenfalls die Herstellung der Strom
leitungswerke aus „Buschbunden mit Steinbelastung“, die mit Draht an eingeschlageiien Pfählen befestigt
werden. Ob im Friedrichskooger Gebiet auch Sinkstücke zur Stromleitung verwendet werden, kann ich
nicht sagen. Die Stromleitungswerke wirken derart, dafl sie die Gleit- und Prallhangbildung und damit
die mäanderförmige Krümmung des Priels weitgehend unterbinden. Dadurch werden auch die W asser-
massen zur Reinhaltung des sonst bald verflachenden Bettes gezwungen.
Dennoch sind an einzelnen Stellen Baggerungen nötig. Während der Zeit meines Besuches wurde der
Trischener Hafenpriel gerade ausgebaggert. Dies geschah mit einem kleinen Saugbagger. Das ausgebag
gerte Material wurde durch eine auf Schwimmern ruhende Rohrleitung bis zu einer Stelle befördert, an der
es entleert werden konnte. Dieser Bagger unterschied sich also etwas von den Baggern, die Krüger für das
Oldenburger Seegebiet angibt. Dort wird das Baggergut in den Laderaum der Bagger gepumpt, der mit
Bodenklappen versehen ist. Nach Füllung fährt der Bagger dann an eine geeignete Stelle und ent
leert sich.
Im Friedrichskooger Gebiet sind der Hafenpriel von Trisdien und der von Friedrichskoog die land
schaftlich deutlich zutage tretenden Beispiele für eine derartige Tätigkeit des Menschen, (Yergl. hierzu die
Lichtbilder aus dem allgemeinen Teil.)
Das Bollwerk von Irischen und der Hafen von Friedrichskoog, die uns bereits aus dem allgemeinen
Teil bekannt sind, sollen hier als eine der Schiffahrt dienende Umgestaltung des Menschen gleichfalls er
wähnt werden.
Bauten zum Schlickgewinn.
Eine hohe Bedeutung für den landschaftlichen Charakter mancher Wattgebiete haben die Bauten zum
Schlickgewinn. Es sind dies zunächst einmal die Buschdämme und die Soden dämme, die ent
weder senkrecht zum Ufer in gerader Linie vorstoßen oder aber noch Querdämme tragen. Ebenso bedeu
tungsvoll wie diese Bauten sind die Grüppen, die sowohl zur Entwässerung (vor allein im Vorland)
wie zur Anlandung dienen. Nach Krüger kommt dem wallartigen Aushub, den wir wie alle diese Erschei
nungen ja im einzelnen sdion kennen lernten, eine besondere Bedeutung für die Anschiickung dadurch zu.
daß er die im flachen Wasser oft kleinen Wellen bricht.
Diese Bauten dienen nicht nur dem Schlickgewinn, sondern sie verhindern auch unter Umständen den
Abbruch, wozu die Küste, wenn ungeschützt, vielleicht neigen würde. Reine Abbruchschutzbauten sind die
künstlichen Steinböschungen, die vor zu starker Abbruchkante angelegt werden.
Im einzelnen verweise ich auf den allgemeinen Teil. Eine gute Darstellung dieser Verhältnisse für das
Oldenburger Gebiet gibt Krüger. Das gilt für den ganzen Abschnitt über den Einfluß des Menschen.
Bauten zum Sandgewinn.
In noch höherem Grade dienen die Bauten zum Sandgewinn gleichzeitig als Sdnitz des bedrohten
Landes, als das bei den eben erwähnten Anlagen zur Schlickgewinnung der Fall ist.
Im Friedrichskooger Gebiet wirken die Buschdämme vor der Friedrichskoog-Spitze in diesem Sinne.
Wir sahen aber schon, daß sie den Abbruch des Landes nicht wirksam genug auf halten konnten und durch
Eisfluten stark verbogen und beschädigt waren.
Landschaftlich von viel größerer Bedeutung sind die Bauten auf frischen. Sie gliedern sich ihrer Wir
kung und ihrem Bau nach in zwei Gruppen, in Buhnen und Reisig zäune.