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№ e r n e r W rage: Das Wattenmeer zwischen 'Frischen und Fricdrichskoop.
folgender Anblick: Am Rand befand sieb Sandaufschüttungswatt, ähnlich wie an der Südküste der Marner
Plate, nur vielleicht noch ein wenig höher (etwa I m). Nach Westen lagerten sich Brandungssandbänke
vor dieses Gebiet, das einen Streifen von wechselnder Breite (20 bis 50 in) darstellte. Hinter dieser Rand
zone fand ich niedriges, sehr feuchtes Mischwatt mit ovalen Rippein und vereinzelten Arenieolahäufehen.
Das Sandaufschüttungswatt war an mehreren Stellen von Prielen durchbrochen, die aber, sobald man
in das niedrige Mischwattbecken kam, meist verliefen. Auch diese Priele stellen also gewissermaßen
nur Durchbruchsrinnen dar: aber es handelte sich hier im Vergleich zu den großen Durchbruchsprielen
des Trischener Beckenwatts um sehr kleine Gebilde. Sie mündeten meist mit einem kleinen vorgeschobenen
Delta in den Friedrichskooger Strom. Im Brandungssandbankgebiet paßte sich der Priel dem Lauf der
Bänke an. (Das Bild, das ich am Nordufer der Mittelplate hatte,entspricht etwa derSkizze der Beckenquelle
im Sonderabschnitt über Priele.)
Das Randsc-lilickvvatt.
Das Randschlickwatt ist das Gebiet, das auf T. 2. Sk. 2. nordöstlich vom Beckenwatt liegt. Wir
haben es hier mit einem außerordentlich interessanten Gebiet zu tun, das wohl das reinste Schlickwatt ist,
das ich angetroffen habe.
Mit welchen Schwierigkeiten man aber bei der Durchforschung dieses Geländes zu tun hat. mag die
Tatsache zeigen, daß man auf weite Strecken 50 bis 40 cm tief einsinkt, oft auch noch darüber. An einem
Priel bin ich sogar bis an den Leib in den losen Schlick gesunken.
Der Umstand, daß an beiden Tagen, die ich in dieser Landschaft war. ich in Lebensgefahr geriet, läßt
mich mit besonderer Achtung an dieses Wattengebiet denken. Dennoch habe ich keine Mühe gescheut, um
soweit wie irgend möglich in dies Gelände vorzudringen.
Wenn wir uns dieser Landschaft von Osten, also vom Wattrückengebiet der Marner Plate her. nähern,
so gelangen wir zunächst an einen großen Priel, der in den Flachstrom mündet und wohl die Legde mit
gebildet hat, die die westliche Grenze des Wattrückens darstellt. Ls beginnen dann die Pricken. die am
Llackstrom bis zu seiner Mündung aufgestellt sind. Die letzten davon stehen bereits auf dem Sand
aufschüttungswatt, das wir schon kennen lernten.
Gleich hinter der großen Prielmündung kommt man aus Mischwatt allmählich in ein ganz besonders
locker gelagertes Schlickwatt von dunkler Farbe, das so weich ist, daß man durch dasselbe, ohne eigent
lichen Widerstand zu finden, hindurchtritt (Bodenprobe: Glas 55). Seine Oberfläche war im allgemeinen
glatt und zeigte nur eigenartige Hohlformen, die wohl durch Auswaschung zu erklären sind. Es waren
nach Norden offene, flache Gruben, die ich in Sk. 18. T. 11, links schematisch dargestellt habe. Diese Gruben
waren verschieden groß. Ihre durchschnittliche Länge mag etwa einen Meter betragen haben, die Breite
im V erhältnis der Skizze. Ebenso schwankte der Wert für die Tiefe: im Höchstfall betrug er etwa 10
bis 15 cm.
An dem Ufer im Flackstrom fand ich sonderbare Sandbankbildungen, die vielleicht durch Flutstrom (?)
zu erklären sind. Ich habe sie auf Skizze 18 rechtsangedeutet. Im Verhältnis zu den Gruben habe ich sie
etwas zu klein dargestellt. Die Strombänke (siehe Sonderabschnitt) haben mit diesen Bänken eine gewisse
Aehnlichkeit. nur ist der Steilabfall nach der entgegengesetzten Seite gekehrt und der Winkel mit der
Wattfläche, der bei den Strombänken meist 90 Grad beträgt, ist hier sehr spitz und stromaufwärts (in be
zug auf den Ebbestrom) geöffnet. Das Hintcreinauclcrliegen mehrerer Bänke, wie ich es auf der Skizze dar
gestellt habe, ist aber für beide Formen charakteristisch. Ich lasse die Möglichkeit offen, ja. möchte es fast
für wahr schein lieh halten, daß in diesem Gebiet beide Formen Vorkommen. Vielleicht liegen die spitz
winklig aufwärts gerichteten Bänke höher und die Strombänke tiefer.
Gehen wir nun in nordwestlicher Richtung weiter am Ufer des FJackstromes entlang, so durchqueren
v ir bald einen Priel, der an dem gegenüberliegenden Ufer eine steile Abbruchkante geschaffen hat. Uebcr
den Schlickschichten dieser Kante aber sehen wir staunend eine Sandbank aufgehäuft. Auf der Sandbank
fand ich viele Schalen von Mya und Cardium.
Weiter nach Nordwesten senkt sich die Sandbank etwas und wird dann plötzlich wieder von dem
weichen, losen Schlick überdeckt. Zuerst ist diese Schlickschicht noch ganz dünn, man kann sie mit dem
Fuße wegschaben, allmählich aber wird sie tiefer und tiefer, bis man wieder 50 bis 40 cm tief einsinkt.
Nach einiger Zeit kommt wieder ein Priel, und wieder ist am jenseitigen Ufer eine steile Schlickabbruch