W e r n c r \V r a ji c : Das Wattenmeer /wischen Trisehen und Friedrichsknog.
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Myabect 171 der Form fossilen Schlicks, wenn die Sandmassen ihren Raub hinter sich wieder frei geben
(vergl. Abschnitt über fossilen Schlich: dort auch Bilder von Myabeetcn).
Es sei hier auch an einige andere Muscheln erinnert, die ebenfalls in ungeheuren Mengen im Watt
leben, und von deren Vorhandensein man im Verhältnis zu ihrer Masse wenig merkt. Es handelt sich um
Serobieularia. die Pfeffermuschel. Tellina, die Tellsmuschel, und vor allem um Cardium, die Herzmuschel.
Diese Muscheln leben auch meist verborgen im Schlick: haben aber die Fähigkeit, sich etwas besser fort
zubewegen. Vor allem gilt das von Tellina, die ich im Schlickwatt von Cuxhaven ganze Schnörkel und
Kringel in die Oberfläche des Schildes zeichnen sah. Dabei bewegte sich das Tier mit einer für seine
Größe erstaunlichen Geschwindigkeit fort. Von Cardium erzählt Richter, daß dieses Tier im Schlick
oberhalb der lebenden Myen eine zweite lebendige Bank bilde, so daß gewissermaßen zwei verschiedene
Tierarten in zwei Stockwerken übereinander verborgen im Wattenschlick leben. Landschaftlich in Er
scheinung treten diese Tiere meist erst nach ihrem lode. Ihre Schalen werden dann freigespült und
an bestimmten Stellen in Form von Muschelschwemmsandbänken aufgehäuft. Das gilt natürlich auch von
den Schalen der Myen. die allmählich aus den Myabeeten ausgewaschen werden.
Die trichterartigen Löcher nun, die sich oberhalb der Siphonen der lebenden Myen befinden, und
die im Wattrückengebiet gar nicht in den \ ordergrund traten, fielen mir hier dadurch auf. daß sie oft von
ganzen Klumpen der Stranclschnecke. Litorina. erfüllt waren. Die Oberfläche des Schlicks war auch überall
mit den charakteristischen Kriechspuren dieser 1 iere bedeckt. Auch in den Löchern von Arenicola. die
sich in einiger Entfernung von den Häufchen finden, sah ich hier oft diese lebenden Litorinaklumpen. Ich
bringe hinter diesem Abschnitt ein Lichtbild, das derartige Litorinaklumpen und die typischen Kriech
spuren dieser Tiere zeigt: ich habe es aber im Inselschutzwatt von Hörnum (Sylt) aufgenommen.
Im Inselschutzwatt von Irischen beobachtete ich auch Pflanzen. Vereinzelt traten das Seegras Zostera
und die langen, grünen, bandartigen Lappen einer Alge (Lnteromorpha) auf. Ganz vereinzelt, doch ohne
jede Bedeutung, hatte ich sie auch im Watt rückengebiet getroffen. In diesem Gebiet aber finden sie sich
immerhin in einer Zahl, daß sie erwähnt werden müssen. Dieses spärliche Vorkommen aber steht in
keinem Verhältnis zu der reichen Vegetation, die wir z. ß. im Inselschutzwatt von Sylt finden. Ich denke
da an die Seegraswiesen hinter Hörnum und an die interessanten V egetationszonen im Königshafen, die
Nienburg in außerordentlich anschaulicher Weise in seiner Arbeit ..Zur Oekologie der 1' lora des Watten
meeres“ (Wissenseh. Meeresuntersuchungen Bd. XX) beschrieben hat. Woraus sich dieser Unterschied er
klärt. vermag ich nicht zu sagen. Ich zeige zum Schluß dieses Abschnittes zum Vergleich und der Voll
ständigkeit halber ein Bild von dem Rand einer Seegraswiese im Watt hinter Hörnum (Sylt). Ich habe
diese Aufnahme am Uebergang der Seegraswiese in Sandwatt gemacht, wo die Vegetation schon äußerst
gering ist. V erglühen mit dem vereinzelten Pflanzenvorkommen im Lrischener Inselschutzwatt aber stellt
die Aufnahme einen reinen Urwald dar. Uebrigens sollen bei ßiisum auch dichte Seegraswiesen Vor
kommen.
Erwähnen möchte ich noch, daß ich clie Schlammschnecke, llydrobia. die WetzeI anführt, bei Trisehen
auch nur vereinzelt fand, während sic im Syltcr Inselschutzwatt im Spülsaum oft ganze Bänke bildet.
Die Gebiete im Trischener fnselschutzwatt, die Schlickwatt waren, zeigten im allgemeinen keine
Rippein. Ich möchte aber ausdrücklich betonen, daß diese Aeußerung auf keinen Fall so aufgefaßt werden
darf, als hielte ich Rippein im Schlick für nicht möglich. Wie ich teilweise schon an Lichtbildern gezeigt
habe, treten Rippein ebenfalls im Schlick auf (vergl. denSonderabschnitt undTrusheim.Natur und Museum,
Heft I, Bd. 59). ln diesem Gebiet aber fehlten zur Zeit meiner Untersuchung meist Rippein. Dagegen
fiel mir clie außerordentlich interessante Tatsache auf, daß in diesem sehr feuchten Gebiet die Nässe nicht
völlig regellos verteilt war, sondern sich an Stellen sammelte, clie zweifellos ganz ungewöhnlich flache
Niederungen darstellten. Das Interessante daran war aber, daß diese Niederungen eine gewisse Regel
mäßigkeit zeigten. Sie verliefen nämlich alle in zwei Richtungen, die aufeinander senkrecht standen. Sie
durchkreuzten sich also in auffällig geordneter Weise*. Diese Richtungen waren ungefähr SW -NO und
NW—SO. Schematisch habe ich das dadurch entstehende Bild in Sk. 17, T. 12, dargestellt. Ganz so scharf
wie auf der Zeichnung tritt diese Erscheinung selbstverständlich nicht hervor. Sie ist aber deutlich und
einwandfrei zu erkennen. Die Breite der Niederungen, die ja nur durch clie größere Feuchtigkeit zu
erkennen sind, ist recht unregelmäßig: mag aber im Durchschnitt etwa 1 m betragen.
Einige Bilder aus dem besprochenen Teil folgen.