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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — -t8. Bd. Heft 5.
Das sturmflutfreie Gelände Trischens beträgt einschließlich der Dünen etwa 100 ha.
Die den Koog betreffenden Angaben verdanke ich Herrn Bielfeldt. '.Frischen,
An den Koog schließt hinter dem Deich und im Süden K n 11 u r w a I t an. das im äußeren Land-
schaftsbild sehr weitgehend dem Kulturwatt von Friedrichskoog, das ja im einzelnen beschrieben wurde,
ähnelt, in manchen Feinheiten aber, da es ja aus einem Inselschutzwatt hervorgegangen ist, gewisse Ab
weichungen aufweist. So ist es hinter dem Deich besonders schlickig; im Süden aber zeigt es interessante
Wechsellagerungen von Sand und Schlick, die durch die Nachbarschaft der Schwemmsandplate hervor
gerufen sind.
Im übrigen soll cs hier wegen der erwähnten Achnlichkeit mit dem Friedrichskooger Kulturwatt
nicht näher besprochen werden.
Das natürliche Inselschutzwatt.
Im Norden liegt hinter der Schw emmsandplate kein Kulturwatt mehr, sondern natürliches Inselschutz
watt. Dieses Watt zeigt gleich hinter dem Schwemmsandwall die bereits erwähnte Erscheinung des ge
schichteten Watts, das hier meist in der Form eines Pseudosandwatts auftritt. Genau diese gleichen
Schichtbild ungern erwähnt Krüger vom Watt hinter Wangeroog. wie denn überhaupt zwischen den ost
friesischen Inseln und I rischen viele Parallelen bestehen, worauf auch schon Wetze! hinweist. Als Ober
flächenformen bemerkte ich hier und da Wellenfurchen. Die Tierw elt war sehr gering. Ich fand aber
K riechspuren, die. wie ich einw andfrei feststellen konnte, von Corophium, dem bereits an anderer Stelle
erwähnten kleinen Schlickkrebs, stammten. Corophinm, der. wie auch vor allem Richter feststellte, ein
reiner Schlickw attbewohner ist, fand sich hier also in einem Watt, das oberflächlich einem Sandwatt
glich. Der Ausdruck ..Pseudosandw att" kann also unter Umständen für biologische Notizen von Wert sein.
Hinter dem Pseudosandwatt ging das Gebiet nach Osten in mehr oder weniger schlickiges Misch
watt über, das teilweise zu regelrechtem Schlickwatt wurde. Dieses Schlickwatt zeigte an der Oberfläche
eine gelblichgraubraune Färbung: aber schon in einer l iefe von wenigen Zentimetern wurde der Schlick
fast blauschwarz. Ich habe auf den Grund dieser Verfärbung bereits hingewiesen.
An einzelnen Stellen im Mischwatt fiel mir hier das Fehlen von Arenicola und überhaupt die gering
entwickelte Tierwelt auf. Da, wo das fnselschutzwatt aber als Sdilickwatt auftrat, fand ich zahlreiche
durch die Tierwelt hervorgernfene Oberflädienformen. so vor allem viele Arenieolahäufchen. außerdem
die erwähnten Schlupflöcher. Audi die eigentümlichen I lichter, die durch die Ivlaffmusdiel, Mya arenaria,
erzeugt werden, fielen mir auf. Das Tier selbst lebt vergraben im Sand und Schlick und spielt daher im
lebenden Zustand im allgemeinen in der Landschaft keine Rolle, obwohl es sicher weit verbreitet ist (vergl.
Absdmitt über die Priele). Das Tier macht sich auch dadurch bemerkbar, daß es bei sinkender Kbbe
aus seinem Sipho springbrunnenartig einen Wasserstrahl bis zu einem halben Meter Höhe aussendet.
Unvergeßlich ist mir eine Fahrt im letzten Abenddämmern auf dem lrisdiener Hafenpriel, den ich mit der
fallenden Ebbe im Faltboot heruutertrieb. Dauernd schossen rechts und links vom Priel diese geheimnis
vollen Springbrunnen aus dem Schlick, und deren leises Zischen und Plätschern war der einzige Ton,
der die erhabene Stille der im rötlichen Abendlidit schimmernden, unendlichen W attenwelt unterbrach.
Diese Myen, die ich meist in einer Tiefe von 20 bis 30 cm fand (Richter spricht sogar von 30 bis 40 cm), haben
nach Richter nicht die Fähigkeit, sich wieder cinzugraben, wenn man sie einmal ausgegraben hat. Daraus
folgert er mit Recht, daß sie sich anscheinend auch bei zu großem Sehlickfall oder im Falle der Ueber-
sandung nicht wieder befreien können und zugrunde gehen müssen. Dieser Fall tritt beim W andern von
Prielen, an den Ufern von Wattströmen und zur offenen See hin öfter ein. Wird später die Schlickschidit.
die sie begraben hat, wieder abgespült, so finden wir auf der Wattfläche oder auf dem Boden eines Priels
alte Schlickschichten, in denen die Muscheln dicht an dicht w ie im Leben senkrecht im Schlick stecken. Wir
können an solchen Myenbeeten. wie sie Richter genannt hat, erkennen, in wie großer Zahl diese Muscheln
oft im Watt leben. Tritt eine Ueberdeckung der Schliekschicht durch Sandmassen ein, so finden wir das