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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 48. Bd. Heft 5.
Strande handelt, können wir diesen Ansdruck gebrauchen. Im eigentlichen Wattgebiet, wo diese Muschel
pflaster, wie Wetzel diese Bildung auch nennt, oft in form von Banken auftreten, reden wir aus morpho
logischen Gründen besser von Muschelschwemmsandbänken. In dem Schill vor dem Dünenwal], vor allem
an der nördlichen Seite desselben, zeigen die Muscheln bräunliche Flecke. Auf diese kommen wir später
noch zurück.
Auf dem Slidflügel der Schwemmsandplate gesellen sich zu den Myenschalen die Schalen der Mies
muschel (Mytilus). Diese Schalen nehmen aber gerade nach Süden zu und sind am zahlreichsten an der
südlichsten Spitze zu treffen, wo der Friedrichskooger Strom am Ufer vorbeistreicht. Das mag daran
liegen, dal! von den grollen Miesmuschelbänken, die im Frischen-Loch liegen, die Schalen hierher gespült
werden.
Nach Osten zu senkt sich das Gelände der Schwemmsandplate dann wieder allmählich und über
schüttet als Pseudosandwatt das Misch- oder Schlickwatt des Wattbeckens, das zum Teil als Tnselschutzwatt
eine besondere Ausbildung zeigt, im Süden tritt dieses Watt in der Form eines Kulturwatts auf.
In bezug auf das flutfreie Gelände ist die Plate ziemlich starken Veränderungen ausgesetzt. Von dem
Besuch Trischens im April dieses Jahres kann ich mich nicht an die starke \ erbreitung des ganz locker ge
lagerten Sandes auf dem Nordflügel erinnern. Bei dem späteren Besuch im August war der Nordflügel der
Plate oft fast ganz bei Flut unter Wasser: unmittelbar vor dem Dünenwall sogar bis an die Westseite hin-
durchgehend (vergl. Sk. 2. T. 2). Allerdings war das Wasser auf dem ganzen mittleren Gebiet nur
wenige Zentimeter tief. Ging man dann durch das flache Wasser, so sank man in den darunter befind
lichen Schwemmsand etwa 10 cm tief ein, und der lockere Sand ließ, dann jedesmal wie ein Schwamm
zahllose Luftblasen entweichen. War dann Tiefebbe gekommen, so entwässerte dieser hochgelegene,
feuchte Sand nach Osten zum ßeckenwatt durch zahllose kleine, flache l'.rosionsrinnen. Dieses bei Flut unter
Umständen ganz flach überschwemmte Gebiet ist auf der Kartenskizze 2 besonders hervorgehoben.
Es darf hier also noch bemerkt werden, daß wir es bei der Bildung des lockeren Schwemmsandes mit
einer Erscheinung zu tun haben, die keineswegs immer vorhanden ist, sondern in hohem Maße von den
Wetter Verhältnissen abhängig ist.
Wichtig für das Gebiet der Schwemmsandplate ist die Zone der ßrandungssandbänke. Sie soll später
in einem Sonderkapitel eingehend behandelt werden. Zwischen den Brandungssandbänken befinden sich
oft mehr oder weniger bedeutende Senken, die unter Umständen regelrechte Priele bilden. Behrmann
nennt diese Bildungen „Brandungsrinnen", Krüger „Strandpriele“. Ich halte eine Verbindung beider Aus
drücke für treffender und habe schon früher diese Form als Brandungspriel bezeichnet.
An der Landseite der größeren Brandungspriele von Trischen, die etwa von der Mitte des Dünenwalls
ein großes Stück nach Norden hin reichen, und überhaupt im Brandungsbankgebiet des ganzen Nord-
Hügels der Plate, finden sich Bänke fossilen Schlicks. Sie treten teilweise terrassenartig auf; diese Ter
rassen sind oft ganz schmal, mitunter aber mehrere Meter breit. An einzelnen Stellen mögen die hinter
einander liegenden Streifen eine Breite von 20 bis 50 m erreichen. Als ich im Frühjahr 1929 auf Trischen
war, waren diese Bänke zum Teil nur an der Oberfläche freigespült; im August dagegen zeigten diese
fossilen Schlickbänke vielfach eine scharfe Abbruchkante, die stellenweise eine Höhe von 40 cm erreichte.
Gleichzeitig stellten diese Bänke sog. „Myenbeete" dar (vergl. Richter, Wetzel). Im einzelnen werden
diese Erscheinungen im Abschnitt über „fossilen Schlick" besprochen werden. Das Auftreten einer Ab
bruchkante und die Art der Freispülung oder Bedeckung ist in hohem Maße von der Witterung abhängig.
Es folgen einige Bilder aus dem besprochenen Gebiet. Die Aufnahmen über das Gebiet der Bran-
dungssandbänke und über die Schlickbänke sollen in den Sonderabschnitten gebracht werden.