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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 44 (1916)

Ann. d. Hydr. usw., XXXXIV. Jahrg. (1916), Heft IV. 
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Über die Sauerstoffverhältnisse der Nordsee. 
Von Dr. phil, Johan Gehrke. 
Einleitung. 
Die ersten Untersuchungen über den Sauerstoffigehalt des Nordseewassers 
wurden bekanntlich auf der „Pommerania‘-Expedition Juli/September 1872!) 
von Prof. Oscar Jacobsen ausgeführt. Er schreibt: „Als allgemeineres Ergebnis 
Jäßt sich hervorheben, daß im südlichen Teile der Nordsee, wo bei durchweg lang- 
samen Abdachungen die größten Tiefen kaum über 50 m hinausgehen, der Sauer- 
stoffgehalt in der Tiefe entweder gar nicht oder nur sehr wenig unter den der Ober- 
fläche hinabstieg. — Eine sehr merkliche Verringerung der Sauerstoffmenge beginnt 
erst in solchen Tiefen, wo auch in der Konzentration und Temperatur der oberen 
und der unteren Schichten wesentliche Verschiedenheiten auftreten.“ Dieses Haupt- 
ergebnis ist durch sämtliche spätere Untersuchungen bestätigt worden, und bereits 
Oscar Jacobsen betrachtete den im Meere stattfindenden, organischen Sauer- 
stoffverbrauch als Ursache der Untersättigungen. 
Die nächsten. Gasanalysen in der Nordsee wurden Mai/Juli 1882 auf der 
„Drache‘“-Expedition?) angestellt; dabei fanden jedoch, was den Sauerstoff und 
den Stickstoff betrifft, keine absoluten Bestimmungen, sondern nur Messungen 
von deren gegenseitigem Verhältnis statt. ; 
Schließlich hat seit 1890 Prof. Otto Pettersson eine ganze Reihe von 
Untersuchungen über den Sauerstoffgehalt des Wassers im Skagerrak?) angestellt, 
Das Hauptergebnis dieser Untersuchungen war, daß die tiefen Wasserschichten 
in dem offenen Skagerrak stets mehr oder weniger untersättigt sind, und daß eine 
größere Untersättigung oft in dem isolierten Bodenwasser‘ in den schwedischen 
Fjords angetroffen wird. Ferner wurde in einer einzelnen Sommerserie eine be- 
deutende Übersättigung in gewissen oberen Teilen der mittleren Schichten des 
Skagerrak festgestellt. 
Alle diese Untersuchungen tragen jedoch den Charakter orientierender 
Vorarbeiten; erst durch die internationalen Expeditionen ist aus den verschiedenen 
Jahreszeiten ein so umfassendes Material zusammengetragen worden, daß man 
nunmehr den jährlichen Verlauf der Sauerstoffverhältnisse in großen Teilen 
der Nordsee und des Skagerrak in ihren Hauptzügen kennt. Das Material findet 
sich veröffentlicht in „Conseil permanent international pour l’exploration de la mer: 
Bulletin trimestriel des resultats acquis pendant les croisieres periodiques . . .‘, Ab- 
teilung C; es wurde aber bisher noch keiner Bearbeitung unterzogen. Eine solche 
soll im folgenden versucht werden. 
Die deutschen Messungen sind von Prof. Ernst Ruppin, die schwedischen 
auf Veranlassung von Prof. Otto Pettersson ausgeführt worden; ferner sind 
einige holländische Analysen von Dr. W. E. Ringer und einige kontinuierliche 
Serien bei Helgoland von Dr. A. C. Reichard*) angestellt worden. In umstehender 
Karte sind die Stationen angeführt, an denen das zu vorliegender. Bearbeitung 
benutzte Material hauptsächlich gesammelt worden ist. 
1) Jahresbericht der Kommission zur wissenschaftlichen Untersuchung der deutschen Meere in 
Kiel für die Jahre 1872, 1873. Berlin 1875, S. 43 bis 58. 
2?) Die Ergebnisse der Untersuchungsfahrten S. M. Knbt. »Drache« in der Nordsee in den 
u 1881, 1882 und 1884. Veröffentlicht von ‚dem Hydrographischen Amt der Admiralität. 
Berlin 1886. ; 
3) Grunddragen af Skageracks och Kattegats Hydrografi; Kongl. Sv. Vet.-Akademiens Handl,, 
Bd. 24, Nr. 11; Stockholm 1891. — De hydrografiska förändringarne inom Nordsjöns och Ostersjöns 
omräde under tiden 1893—1897; Kongl. Sv. Vet.-Akademiens Handl., Bd. 29, Nr, 5; Stockholm 1897. 
4) Hydrographische Beobachtungen bei Helgoland in den Jahren 1893 bis 1908, Arbeiten der 
deutschen wissenschaft]. Kommission für die internat, Meeresforschung; B. Aus der biolog. Anstalt 
auf Helgoland, Nr. 16. 
Ann. d. Hyrdr. usw. 1916, Heft IV.
	        
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