\V e r n e r Wr a g e : Das Wattenmeer zwischen Frischen und Friedrichskoog.
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Die W a 11 r ii c k e n I a n d Schaft ist durch zwei Einzellandschaften im Gebiet dieser Arbeit ver-
»retcn. Ein Blick auf Sk. 2. T. 2. zeigt alles -weitere. Das Wattrückengelände gliedert sich in den
Küsten w attrücken des Hohen Ufers und in den freien Watt rücken der Marner Plate.
Betrachten wir zuerst den Küstenwattrücken.
Der Küstenwattrücken.
Die Sk. II. T. 8, und das schematische Querprofil 12, das auf der Kartenskizze 2 durch den
Strich Q 1 angedeutet ist, helfen uns bei dem Verständnis der vorkommenden Formen.
Die Grenzen dieses Gebietes, das auf den Seekarten den Namen „Hohes Ufer” trägt, sind folgende:
Nach Norden: Der Flackstrom. der bis zu der Friedrichskooger Spitze reicht.
Nach Süden: Der Friedrichskooger Hafenpriel.
Nach Osten: Das Kulturwatt und Vorlandwatt von Friedrichskoog.
Nach Westen: Der Friedrichskooger Strom und der freie Wattrücken der Marner Plate.
Die Abgrenzung zur Marner Plate ist durch eine Senke gegeben, die während der Ebbe trocken
läuft, bei Flut aber den Schiffen als Verbindungsweg nach Büsuni oder Meldorf dient und daher durch
Pricken gekennzeichnet ist. Derartige schiffbare Senken werden Gatt oder auch Legde (nach Krüger)
genannt.
betrachten wir jetzt Boden beschaffen heit und Oberfläche nf o r m e n. Im Westen hat
der Wellengang und vielleicht auch die Strömung des Friedrichskooger Stroms ein mehrere Meter breites
Sandaufschüttungswatt geschaffen, das anscheinend nach Osten verlagert worden ist. Unter ihm tritt näm
lich in dünnen Lagen terrassenförmig dunkler, fossiler Schlick zutage. DieOberiläche. des Sandaufschüttungs
wattes fand ich glatt. Dieser Streifen reinen Sandwatts geht nach Osten in etwas niedriger gelegenes,
festes Mischwatt über, das als Oberflächen formen Rippein und Arenicolahäufchen zeigt. Das Mischwatt
hebt sich gleichmäßig bis zur Wasserscheide, die vorwiegend sandigen Charakter hat. Von der Wasser
scheide senkt sich das Gelände bis zu einer Senke, die etwas westlich vom Kulturwatt liegt. In dieser
Senke fließen die Hauptpriele des Gebietes in nordnordwestlicher Richtung und münden in den bei Hohl
ebbe teichartigen Anfang des Flackstroms vor Friedrichskoog-Spitze. Diese Hauptpriele, die also in der
selben Richtung wie die Wasserscheide laufen, d. h. parallel zur Küste, empfangen von Osten die Aus
flüsse lind Priele der Kulturwattfelder, von Westen verschiedene Priele von der W asserscheide her. Diese
Nebenpriele sind durchweg sehr flach und führen zur Hohlebbezeit überhaupt kein W asser mehr. Die
Hauptpriele laufen im Oberlauf leer und im Unterlauf sind sie so flach, daß das W asser kaum bis ans
Knie reicht. Wichtig ist der Verlauf der Hauptpriele parallel zur Küste und zur Wasserscheide. Darin
liegt ein bemerkenswerter laudschaftskundlieber Unterschied zum freien W attrücken. Aber auch praktisch
ist die Kenntnis dieser Tatsache von größter Wichtigkeit, und es hat gerade in unseren Gebiet, -wie mir von
einem Fischer berichtet wurde, schon einen Fall gegeben, der ein Menschenleben als Opfer der Unkenntnis
dieser Verhältnisse gefordert hat.
Das Mi sch watt westlich der Wasserscheide ist vorwiegend sandig. Das Gebiet östlich der Wasserscheide
aber besteht vor allem aus schlickigem Mischwatt. Als Oberflächenformell treten auch hier Rippein und
Arenicolahäufchen auf. Es sei bei dieser Gelegenheit auf Untersuchungen von Richter hingewiesen, nach
denen die landläufige Meinung, Arenicola grabe eine U-Röhre, falsch ist, Nach Richter gräbt Arenicola
auch abzweigende Seitengänge, so daß mitunter ein ganzes Netz von Gängen entsteht. Es handelt sich
nach ihm keineswegs um ein seßhaftes Tier, sondern um ein Wesen, daß neben seiner Grabtätigkeit auch
sich schwimmend im Wasser bewegen kann.
Dort, wo das Mischwatt etwas schlickiger wurde, fand ich auch die bereits erwähnten Schlupflöcher
und mitunter Schneckenkriechspuren.
Ueber die Erscheinungen an den Prielen wird in dem Sonderabschnitt gesprochen werden.
Tch lasse nunmehr zuerst eine Aufnahme folgen, die über den Oberlauf einer der Hauptpriele hin
weg in Richtung auf die Wasserscheide hin photographiert ist.