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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — -*8. ßd. Heft 5.
Wattin s e 1 eine wirkliche Insel, so ist das Wattgebiet gleichzeitig Sau m w a 11. Ein Küsten watt
dagegen kann sowohl als W a 11 r ü e k e n (Hohes Ufer) als auch als Sau in watt auftreten.
Eine dritte Unterscheidungsmöglichkeit ist ebenfalls von \\ ichtigkeit; ob nämlich die Watten vom
Lande oder Inseln beeinflußt sind oder nicht. Wir können danach V orla n d watt e n . f r e i e W a 11 e n
und In s e 1 \v a 11 e n (wohl zu unterscheiden von Wattinseln) feststellen.
Der Begriff der V orla n d w a 11 e n wurde schon geklärt.
Was unter f r e i e n W a 11 e n zu verstehen ist, dürfte ebenfalls ohne weitere Definition klar sein.
Der Begriff der Insel w a 11 e n bedarf aber einer näheren Erklärung. Es handelt sich um Watten, die
in ihrer Ausgestaltung und ihrem Charakter von einer Insel abhängig sind, genau wie die Yorlandwatten
vom festen Lande. Das Inselwatt kann wiederum als 1 n s e 1 a n g r i f f s w a 11 und I nselsch u t z w a t t
in Erscheinung treten. An einem Beispiel mögen die Verhältnisse klargemacht werden. Ebenso wie ein
Küstenwatt als Saumwatt auftreten kann, von diesem Saumwatt aber nur ein kleiner Teil (eben der, der
unmittelbar vom Vorland beeinflußt ist) Vorlandwatt ist, so ist von einer Wattinsel, die als Saumwatt um
eine Insel auftritt, nur meist ein kleiner Teil Inselwatt, das meerwärts als Angriffsinselwatt und land
wärts als Inselschutzwatt auftreten kann. Eine Insel aber braucht durchaus nicht immer auf einer Watt
insel zu liegen (oft liegt sie an der Spitze einer Wattzunge z. B. Irischen, Mellum): aber immer tritt bei
einer Insel Inselwatt in irgendeiner Form auf (oft nur als Inselschutzwatt ausgebildet). Ich hoffe durch
diese Beispiele gezeigt zu haben, in welcher Weise sich diese Begriffe durchkreuzen und welche Ausdrucks-
möglichkeit durch Zusammenstellung erreicht werden kann.
Zu den bisher erwähnten drei Methoden kommt aber noch eine vierte, die Unterscheidung nach dein
Material. Wir müssen hier im wesentlichen drei Begriffe aufstellen, das Schlick watt. das Misch-
w a 11 und d a s S a n d w a 11. Als hierher gehörender Anhang müssen die S c- h i c h t w a 11 e n betrachtet
werden, die aber anscheinend nur im Inselschutzwatt hie und da auftreten.
Zunächst das S c h 1 i c k w a 11 ! Hier können wir wiederum das halb flüssige Schlickwatt
vom zähen und festen Schlickwatt unterscheiden. Das halbflüssige Schlickwatt ist eine ganz
junge Form. Wir finden sie beispielsweise am Gleithang größerer und kleinerer Priele, mitunter auch als
Neubildung durch Ostwindwetterlage am Außenstrand von Inseln. Letzteren Fall beobachtete ich auf
Trischen; Krüger berichtet dasselbe von Wangeroog (Westwindwetterlage vernichtet diese Bildungen am
Außenstrand natürlich bald wieder). Das zähe Schl ick watt ist nach seiner Beschaffenheit genau so w'ie
das vorige bereits durch seine Bezeichnung definiert. Es hat größere Verbreitung im allgemeinen als das
halbflüssige und auch das feste Schlick watt. Es findet sich im Inselschutzwatt, in der Umgebung größerer
Priele und Wattströme, in Anwachsvorlandwatten usw. Es kann unter Umständen übrigens ziemlich tief
sein. In der Nähe der Flackstrommündung sank ich einmal bis an den Leib in den zähen Schl ick, ohne Gr und
zu erreichen. Nur durch Heranziehen meines leichten Bootes und dadurch, daß ich mich darauf stützte,
gelang es mir. wieder herauszukommen. Das feste Schl ick watt bietet diese Gefahr nicht. Es befindet sich
meist im Abbau und ist so fest, das man ohne einzusinken es beschreiten kann. Dafür ist es im allgemeinen
ziemlich glitschig. Es kommt ebenfalls in der Nähe von Prielen und Wattströmen vor, vor allem am Prall
hang. Oft tritt es als fossiler Schlick auf (siehe Spczialabschnitt), oder in der Form der sogenannten Mya-
beete (vergl. Richter, Wetzel). Auch das Abbruch watt um Südfall, das die letzten Spuren Rungholts zeigt,
scheint nach den Beschreibungen hierher zu gehören.
Nun zum Misch w a 11 ! Die Notwendigkeit der Einführung dieses Begriffes werden w ir in dieser
Arbeit noch kennen lernen. Wir wollen darunter ein Watt verstehen, das an der Oberfläche ein Gemisch
von Schlick und Sand zeigt, also sandiger Schlick oder schlickiger Sand. Man kann das Mischwatt bequem
begehen ohne einzusinken; die Oberfläche ist auch meist nicht glitschig. Das Misch watt ist im allgemeinen
auch heller als das Schlickwatt. Je nach dem Ueberwiegen einer Komponente ähnelt es bald mehr dem
Schlickwatt und bald mehr dem Sandwatt, ln beide geht es unter Umständen auch über. Sobald man tiefer
als bis zum Knöchel in Sdilick einsinkt, soll in der vorliegenden Arbeit von Schlickwatt gesprochen
werden. Es handelt sich dabei natürlich nur um den Uebergang in das halbflüssige und vor allem in das
zähe Schlickwatt; das feste Schlickwatt ist durch seine meist sehr dunkle Färbung und charakteristische
Lagerung genügend gekennzeichnet. Die Grenze zum Sand watt ist mehr durch das Auge gegeben. Solange
sich im Watt die Schlickkomponente deutlich bemerkbar macht, soll von einem Misch watt gesprochen
werden. Es erweist sich als praktisch, vor allem auch in der vorliegenden Arbeit, gelegentlich eine Unter