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Volltext : 48, 1929/1930

¥e  r  n  e  r  W  rage:  Das  \\  attenmeer  zwischen  Trischen  und  Friedrichskoog.

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wart)  und  R.  Richter  (Flachseebeobach  tungen  usw.).  Nach  Wetzel  geht  die  blausohw  arze  Färbung  auf
Schw  efeleisen  zurück,  das  durch  Verbindung  von  im  Schlick  vorhandenen  mineralischen  Eisenverbindungen ­
  mit  Schwefelwasserstoff  entstanden  ist.  Dieser  Schwefelwasserstoff  entsteht  seinerseits  wiederum
durch  die  lätigkeit  von  Bakterien,  die  den  organischen  Detritus  des  Schlicks  zersetzen.  Die  entstandene
blauschwarze  Verbindung  ist  aber  nur  unter  Luftabschluß  beständig.  Bei  Berührung  mit  Luft,  die  ja  an
der  Oberfläche  des  Schlicks  beim  täglichen  Trockenlaufen  eintritt.  geht  eine  sofortige  Umwandlung  des
Sulfids  in  das  braune  Ferrihydroxyd  (Brauneisenerz)  vor  sich.  So  erklärt  sich  also  auch  die  bräunliche
Schicht  an  der  Oberfläche.  Richter  erwähnt  den  Geruch  blauschwarzer  Sande  nach  Schwefelwasserstoff
und  berichtet  interessante  Einzelheiten  über  die  Verzögerung  der  Verwesung  einer  in  ihnen  befindlichen
llaileiche.  (Flachseebeobachtungen  usw..  XIII,  Verzögerte  Verwesung  im  meerischen  Grundwasser.)
Hier  iim  Friedrichskooger  Kulturwatt  bemerken  wir  übrigens,  wenn  wir  die  an  frisch  ausgestochenen
Griippen  geschaffenen  Profile  studieren,  daß  diese  blauschwarze  Schicht  meist  ziemlich  dünn  ist.  An  dem
Seitenpriel,  zu  dem  sich  die  Griippen  senken,  hat  man  oft  ein  Profil  von  über  einem  halben  Meter.  Da
kann  man  dann  oft  die  Beobachtung  machen,  daß  die  Schlickschicht  im  Friedrichskooger  kulturwatt  nicht
sehr  dick  ist  und  von  vorw  iegend  sandigen  Schichten  unterlagert  wird.  Dazu  paßt  auch  eine  Bemerkung
des  alten  Dithmarscher  Domänenrats  Möllenhoff,  die  Schütte  in  seiner  ..Entstehung  der  Seemarschen"
niedergelegt  hat:  ..Lbisere  Köge  (Friedrichskoog  usw.)  sind  nicht  aufgeschlickt,  sondern  aufgesandet."
Außerdem  bemerken  w  ir  an  diesen  frischgeschaffenen  Profilen  noch  eine  andere  Schichtung,  die  aus
Lagen  gröberer  und  feinerer  Sedimente  besteht.  Es  wird  hier  eine  Art  .,Gezeitenschichtung"  im  Sinne
von  Richter.  Schwarz  und  Trusheim  vorliegen.  Da  es  sich  hier  um  eine  ziemlich  unregelmäßige,  auch  aus
verhältnismäßig  groben  Lagen  bestehende  Schichtung  handelt,  glaube  ich  jedoch,  daß  vor  allem  die  Gezeiten ­
  mit  stürmisch  bewegtem  Wasser  für  ihre  Bildung  in  frage  kommen.  Es  wäre  also  vielleicht  eine
Art  ..Sturmflutschichtung",  wie  sie  Richter  besonders  für  das  Vorland  annimmt  (vergl.  die  Aufnahmen
von  der  Abbruchkante).  Gewöhnliche  Gezeitenschichtung  in  dünnen,  verhältnismäßig  gleichmäßigen
Blättchen  konnte  ich  an  durch  Priele  geschaffenen  Aufschlüssen  an  der  Nordseite  der  Marner  Plate  usw  .
feststellen.  Darüber  später  mehr.
Nun  zur  Wirkungsweise  der  beschriebenen  Griippen.  ln  der  Literatur  fand  ich  fast  nur  allgemeine
Angaben.  R.  Hansen  (Küstenänderungen  in  Süderdithmarschen)  sagt  darüber  folgendes:  ..—  da  die
Gräben  so  angelegt  sind,  daß  sie  das  Flutwasser  möglichst  lange  aufhalten,  also  den  Abfluß  verlangsamen, ­
  so  setzt  sich  in  ihnen  viel  Schlick  ab."  Philippsen.  der  in  seinem  ,.Wattenbuch"  einen  besonderen
Abschnitt  den  Landgew  innungsaibeiten  gewidmet  hat.  erwähnt  auch  das  Griippenverfahren.  Er  schreibt
ebenfalls,  daß  die  Gräben  ..quer  zur  Richtung  des  Flutstroms  laufen",  und  weiter:  ..In  den  Gräben  bildet
sich  ruhiges  Wasser,  wo  «ich  der  Schlick  ansammeln  kann.  Es  dauert  nicht  lange,  so  ist  die  Masse  in  den
Gräben  ebenso  fest  wie  das  Watt  selbst,  und  man  wirft  neue  Gräben  aus.”
Es  sei  gestattet,  noch  einiges  über  die  Wirkungsweise  der  Griippen  zu  sagen.  Das  Flutwasser  dringt
in  diese  tiefgelegenen  Gräben  schnell  ein  und  verläßt  sie  erst  spät  wieder.  Es  verw’eilt  in  ihnen  also
w  esentlich  länger  als  auf  der  übrigen  Wattfläche.  Außerdem  w  ird  durch  dieses  System  von  Gräben  erreicht,
daß  die  zerstörende  Kraft  von  Strömung  und  Wellen  in  sehr  hohem  Grade  abgeschw  ächt  wird.  Diese  beiden
Gründe  w  irken  zusammen  und  verursachen  einen  außerordentlich  starken  Schlickfall  in  den  Griippen,
so  daß  diese  in  verhältnismäßig  kurzer  Zeit  zugeschlickt  sind.  Dann  werden  nach  einiger  Zeit  wieder  neue
Griippen  ausgehoben,  und  dieser  Vorgang  wiederholt  sich  dann  dauernd.  Dadurch  wird  das  Land  immer
mehr  aufgehöht.
Schließlich  siedelt  sich  Queller  an.  zuerst  vereinzelt,  dann  immer  dichter.  Allmählich  sind  die  Felder
zwischen  den  Griippen  dicht  mit  Salicornia  besetzt.  Nur  die  Griippen  sind  noch  frei.
Allmählich  siedelt  sich  dann  auf  den  höchsten  Stellen  Gras  an.  und  der  Queller  wird  nach  und  nach  in
die  Griippen  gedrängt,  bis  er  nur  noch  in  ihnen  zu  finden  ist.  Dann  haben  wir  eine  Vorlandlandschaft
vor  uns.  Das  Grüppenverfahren  wird  also  auch  dann  noch  fortgesetzt,  wenn  schon  ein  dichter  Quellerrasen ­
  vorhanden  ist.
Ebenso  w  ichtig  wie  die  Aufhöhung  ist  aber  dabei  die  Entwässerung;  denn  Zweck  und  Ziel  der  vielen
Mühen  ist  ja  das  Gras.  Das  Gras  aber  gedeiht  erst  dann  gut  und  üppig,  wenn  der  Boden  genügend  entwässert ­
  ist.  In  sumpfigem  Gebiet  wächst  es  nur  spärlich  (siehe  früher  und  Sk,  3.  Г,  3),
            
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