Vc г n e r \\ r ;i g c : Das Wattenmeer zwischen Trischen und Friedrichskoog.
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starker Strömung an der Küste vorbeistrieh und unter Umständen außerdem einen starken Wellenschlag
entfaltete, kommt es jetzt in diesen Feldern zur Ruhe, und die im Wasser suspendierten Schlamm- und
Schlickteilchen finden Zeit, sich abzusetzen. Л or allem ist das in der Zeit zwischen höchster Flut und dem
Wiedereintreten der Ebbe der Fall, während des bereits erwähnten Stauwassers. In dieser Zeit ist, wie
der Name schon verrät, die horizontale Bewegung des Meerwassers ziemlich gering. So entsteht in Ge
bieten. wo früher unter Umständen sich ein sandiges Abbruchvorlandw att erstreckte, ein künstlich ge
schaffenes Absatzschlick watt.
Immer tiefer wird nach und nach die Schlickschicht. Wellenfurchen (Rippein) beobachtete ich selten.
Audi die so charakteristische Oberflächenform der Kotringel des Arenicola fehlte meist, die später im
Mischwatt eine so große Rolle spielt. Dagegen zeigte die bräunlichgraue Oberfläche des Schlicks ein fein
gepunktetes Aussehen durch die aufgehöhten Enden von Millionen kleiner Tierlöcher. Ueberall sehen die
kleinen Röhrenenden aus dem Schlamme hervor. Als Urheber kommen verschiedene Tiere in Frage. In
diesem Seid ick watt beobachtete ich vor allem zwei Tierarten, den schlanken, wunderschönen, polydiaeten
Wurm Nereis diversicolor und den sonderbaren kleinen Schlickkrebs Corophium longieorne. der eine
Größe von 1 bis 2 cm hat.
im Aquarium konnte ich mich mit großer Wahrscheinlichkeit davon überzeugen, daß Nereis an diesen
Oberflädienerscheinungen mitschuldig ist. Aus Mitteilungen von R. Richter in seinen ..Flachseebeobach-
tungen zur Paläontologie" glaube ich aber entnehmen zu dürfen, daß auch Corophium diese Gangöffmm-
gen hervorruft. A or allem geht das auch aus den beigegebenen Lichtbildern hervor. Ich entnehme Richters
Ausführungen über diese Coroph¡umbauten folgendes: Seine Gänge, die den Schlick oft zu einer einzigen
Wabe machen, dienen ihm nur vorübergehend als Schlupfwinkel. Immer gewechselt, verlassen und neu
gebaut, sind sie keiner Person, sondern der Bevölkerung zu eigen. Ueber das Tier sedbst sagt er noch, daß
es immer draußen umherliefe und schwämme. Ich kann diese Mitteilung bestätigen, so fing ich im Neu
werker Watt in einem Kolk einmal eine große Anzahl schwimmend.
Als Beispiel für die Häufigkeit des Auftretens von Corophium im Friedrichskooger Kulturwatt mag
die Tatsache dienen, daß nach der Durchwanderung eines solchen Feldes allein in dem Schlick, der an
meinen Füßen haftete, sich über 20 Exemplare befanden. Der Schlickboden muß also tat sä eh! ich von diesen
I ieren nur so wimmeln. Ueberall sieht man daher auch im feuchten Schlamm die Kriechspuren von ihnen,
die in ..Natur und Museum“. Bel. 59. Heft 1. in einer schönen Aufnahme von F. Trusheim wiedergegeben
sind. Nach Richter wird dieses unscheinbare Krebschen einmal zum Zerstörer der Abbruchkante, die es
ganz mit seinen Gängen durchlöchern soll, und andererseits zum Helfer des Menschen, da es durch seine
Schleimröhren im Watt den Schlick verfestigt und verkittet. Selbstverständlich treten diese Wirkungen
mir auf. wo es massenhaft vorkommt.
An sonstigen auffälligen Formen bemerkte ich noch Kriechspuren von Schnecken: aber diese ziemlich
selten. Hier und da fanden sich auch Л ogelspuren.
Die bei Nereis und C orophium erwähnten kleinen Röhrenenden, die oft durch hervorragende Kot
perlen verschlossen sind, möchte ich im folgenden kurz als Schlupflöcher bezeichnen, da sie als wichtige
Oberflächenform noch oft erwähnt werden müssen, und es noch ungewiß erscheint, durch welches Tier
oder welche 1 iere sie hervorgerufen werden. Ich halte es durchaus nicht für unmöglich, daß sich noch
andere Tierarten, als die zwei erwähnten, an ihrer Herstellung beteiligen.
Doch der Entwicklungsgang des Kulturwatts ist noch nicht abgeschlossen. Ist das Schlickwatt auf diese
Weise ziemlich weit aufgehöht, so muß an eine Entwässerung der feuchten Schlammassen gedacht werden.
Zur Erläuterung mag Sk. 8, 1. 6. dienen.
Tn Skizze 8b sehen wir die Entwässerung, wie sie sich etwa von selbst entwickeln würde. Da die
Wassermassen, die bei Flut in das Feld einströmen, es bei Ebbe ebenfalls durch dieselbe Oeffnung
zwischen den Querdämmen wieder verlassen müssen, so bildet sich in der Mitte des Fehles bald ein natür
licher Priel: dieser aber nimmt die übliche geschlängelte und gewundene Form au, die für die natürlichen
Priele so charakteristisch ist.
Da er aber die BuschcUimme gefährdet, gräbt man schon bald nach Herstellung der Buschdämme in
der Mitte des Feldes einen schnurgeraden, künstlichen Priel, der vom Lande durch die Oeffnung in der
Mitte der Querdämme nach der See zu läuft, (\ergl. Skizze Ha.) Dieser Priel wird ziemlich tief aus