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Ans dem Archiv der Deutschen Seewarte. — *t8. Bd. Heft 5.
Die künstlichen Vorlandwatten.
Bei den künstlichen Vorlandwatten. die also eine Beeinflussung des Menschen zeigen, erscheint mir
eine Zweiteilung nach Anwachs und Abbruch nicht zweckmäßig. Wird die Kante vor Abbruch geschützt,
so könnte man vielleicht einen hierher gehörigen Unterteil konstruieren, das geschützte Abbruchvorland-
watt. und ihm das künstliche (oder geschützte) Anwachsvorlanclwatt gegenüberstellen. Ich muß aber hier
auf das im vorigen Abschnitt über die geschützte Abbruchkante Gesagte zurückgreifen und darauf ver
weisen. Ich erwähnte dort. daß. bei manchen Schutz versuchen sich der Charakter des \ orlandwnttes so
wenig ändert, daß es im Landschaftsbilcl kaum zum Ausdruck kommt, und w ir ruhig von natürlichen
Abbruchvorlandwatten reden können. Andererseits aber bewirkt in günstigen Gebieten der Bau von
Btischdiimmen usw. eine \ eränderung und Aufhöhung des A orlandw nttes. die allmählich so stark w erden
kann, daß sich Queller ansiedelt. Dieser wuchert nach und nach immer stärker und erhöht das Watt
weiter. Schließlich kann er die Abbruchkante verwischen und verschleiern, und wir haben ein Ueber-
gangsvorland und davor ein künstliches Anwachsvorlandwatt. Wir sehen also, wie diese Begriffe inein
ander übergehen.
Deshalb, und auch aus dem Grunde, weil die landschaftliche Gleichheit, die durch die Anlage der
Buschdämme entsteht, eine Trennung nicht zweckmäßig erscheinen läßt, wollen wir nur von einer Land
schaft, die ich Kulturwatt nennen möchte, sprechen.
Das Kulturwatt.
Unter Kulturwatt verstehe ich eine Wattlandschaft, die durch die bin Wirkung cles Menschen mehr
oder weniger grundlegend umgestaltet ist. Der Charakter dieser Landschaft, die von größter Wichtigkeit
ist. ist ungemein typisch und vor allem durch die Bebauung mit Buschdämmen oder Fasch inen zäunen be
stimmt. Das Kulturwatt kommt mitunter an hohen Stellen mitten im Watt vor. was auch Philippsen er
wähnt. Im Gebiet unserer Arbeit aber gehört es entweder zu den A orlanclw atten oder zu den Inselschutz
watten.
Ich will nun an Hand der schematischen Sk. 7. T. 6. zeigen, we Ich ungemein charakteristisches Lancl-
sehaftsbild durch die Bebauung mit Buschdämmen entsteht. Ich betone dabei ausdrücklich, daß ich nur
von meinen Erfahrungen an der Frieclrichskooger Küste spreche.
Skizze 7a zeigt, wie von der Vorlandkante zunächst Buschdämme senkrecht auf das AA'att vorgetrieben
werden. Diese Buschdämme werden folgendermaßen hergestellt. Zu Wagen (siche Bild II rechts) oder
zu Schiff (Frischen) wird das Baumaterial, vor allem Pfähle und Reisig, angefahren. Die Pfähle werden
mit Hilfe von Handrammen in die Erde gerammt, und zw ar derart, daß sie eine ziemlich enge Doppel
reihe bilden. Zwischen dieser Doppelreihe von Pfählen w ird das Reisig verschlungen uncl dicht eingepreßt.
Mitunter wird es oben noch durch eine Packung von Steinen beschwert, die dem Ganzen wohl einen etw as
festeren Halt geben sollen. Die oben noch herausragenden Enden der Pfähle werden durch Draht fest
miteinander verschnürt.
Skizze 7b zeigt, w ie dann weiter gearbeitet wird. A on den Hauptdämmen treibt man senkrecht zu
ihnen nach rechts und links eine Anzahl von Querdämmen, so daß große rechteckige Felder entstehen.
Diese Querdämme aber zieht man nielit von Hauptdamm zu Hauptclamm durch, sondern läßt in der Mitte
ein Stück frei. Die rechteckigen Felder sind also nicht geschlossen, sondern seewärts geöffnet. Die Quer
dämme sind im übrigen genau so gebaut wie die Hauptdämme.
Skizze 7c zeigt eine etwas andere Bauart. Wenn das AVatt schon ziemlich hoch liegt, und die zerstörende
Wirkung der Wellen nicht mehr so sehr gefürchtet wird, werden die clem Lande zunächst liegenden
Haupt- und Querdämme in Form von Grassodenclämmen errichtet. Die Grassoden, womit diese Dämme
belegt werden, werden im Vorland an bestimmten Stellen abgestochen. Darauf habe ich bereits bei der
Besprechung des Vorlandes hingewiesen.
Betrachten wir nun die Wirkung dieser Buschdämme. Durch die in den rechteckigen Feldern frei-
gelassenen Oeffmingen strömt das AATisser während der Flut ein. Während es früher in mehr oder weniger