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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — -io. lid. TTeli 5.
w urzeln den Boden. Sie halten den Schlick fest und verhindern, daß er vom Wellenschlag aufgeiiihrt
und von der Ebbe oder Strömungen weggeführt wird. Aber auch der oberirdisch wachsende Körper hat
eine wichtige Bedeutung. Er dämpft mit seinen starren, elastischen Zweigen den Wellenschlag und setzt
dadurch einmal seine zerstörende Wirkung herab und lähmt zugleich die I ransportkraft für Sedimente,
bringt also mit anderen Worten den Schlick zum Absatz. Dadurch trägt er zur Erhöhung des Watt
bodens bei. An solchen Stellen sind dann die Quellerpflanzen oft mit grauem Schlick überkrustet. Wichtig
und kennzeichnend für die Bedeutung des Quellers ist die Tatsache, daß er bei einer Tiefe von 50 bis
40 cm unter dem normalen Hochwasserspiegel noch gut gedeiht. (Nach einer Mitteilung von Herrn Bau
inspektor Johann seit.) Mit dieser Mitteilung steht eine Notiz von Philippsen in Widerspruch, die angibt,
daß der Queller da ant üppigsten wuchere, wo er selbst zur Ebbezeit noch im flachen Wasser stellt. Da
sichmeineBeobachtungen gänzlich mit der Mitteilung des Herrn Joliannsen decken und ich Queller niemals
an der Niedrigw assergrenze getroffen habe, so möchte ich annehmen. daß Philippsen die kl einen, seichten
Tümpel meint, die überall, auch auf dem hohen Watt, bei Ebbe Zurückbleiben.
Nach dem Lande zu wird der Queller allmählich vom Grase verdrängt, und zwar vor allem vom
schon erwähnten Andel. Eestuea thalassica. Dieser tritt zuerst zw ischen den Quellerpflanzen in Form
von kleinen Büsdieln auf, und zwar befinden sich die blühenden Halme in der Mitte des Büschels. Die
sterilen Triebe aber breiten sich ausläuferartig nach allen Seiten aus (siehe Lichtbild). Auf diese Ver
hältnisse hat vor allem Reinkc in seinen botanisch-geologischen Streifzügen hingew iesen. Allmählich
werden die Grasbüschel immer größer und dichter. Sie schließen sich immer enger aneinander und ver
drängen dadurch den Queller immer mehr. Der Büschclw uchs des Grases geht nach und nadi in den
Samtwuchs des Vorland rasen s über. Aber mitunter kann man noch mitten im Vorland, das kaum von den
Fluten erreicht werden dürfte, hier und da zw ischen dem Grase ein Quellerpflänzchen entdecken.
Das Gebiet, in dem die ersten Grasbüsc-hel auftreteu, entspricht nach einer Mitteilung von Herrn
Bauaufseher Petersen ungefähr der mittleren Hochwasserlinie. Ich möchte daher diesen Streifen als die
landseitige Grenze des natürlichen Anwachsvorlandwattes festlegen.
Die seeseitige Grenze möchte ich durch die Linie, die die ersten auftretenden Quellerpflänzchen mit
einander bilden, bestimmen.
Besondere Oberflächenformen, wie Rippein, fehlen meist im natürlichen Anw achsvorlandwatt. Auch
die Tierw elt, die in dem weiter draußen gelegenen Misch- undSch] ickwatt besondere Oberflächenformen
schafft, ist hier meist gering vertreten. Nur Vogelspuren fand ich mitunter, gelegentlich eine Schnecken
kriechspur und einige Anzeichen vom Dasein des kleinen Schlickkrebses, Corophium.
Zum Schluß noch einiges über die Verbreitung und das Vorkommen des Quellers. Man kann selbst
verständlich ans dem V orhandensein einer Quellervegetation stets gewisse Sch lüsse auf Bodenhöhe,
Wasser Verhältnisse usw. ziehen, wie das ja aus dem vorher Gesagten hervorgeht. Es wäre aber grund-
verkehrt, wollte man umgekehrt aus dem Fehlen von Queller irgendwelche negative Folgerungen machen.
Die Ausbreitung dieser Pflanze ist von zu vielen unberechenbaren Umständen abhängig. Man denke z. B.
an die Verbreitung des Samens durch den Wind, auch eine Mitwirkung des Wassers und seiner
Strömungen halte ich für durchaus möglich. Man denke aber auch andererseits daran, daß eine einzige
Sturm- oder vor allem Eisflut die Pflanzen oder die im Schlick ruhende Saat vernichten oder weg-
schweimnen kann. Auf die zerstörende Tätigkeit der Eisfluten weist auch Philippsen hin. Aus den eben
erwähnten Tatsachen erklärt sidi auch die Erscheinung, daß man einen allmäh liehen Uebergang vom
Anwachsvorlandwatt zum Vorland, also ein reines Uebergangsvorland, verhältnismäßig selten findet,
jedenfalls im Friedrichskooger Gebiet. Sturm- und Eisfluten schaffen eben leicht ein kleines Flutkliff,
das Andel und Queller nicht im Laufe eines Sommers wieder verwischen können. So finden wir denn oft
natürliches Anwachsvorlandwatt mit lustig grünender Quellervegetation und w r eiter landeinwärts doch ein
deutliches Flutkliff. Andererseits kann man auch einzelne Stellen sehen, wo tatsächlich ein allmählicher
Uebergang stattfindet, wo man also auch in wörtlichem Sinne von einem Naturübergangsvorland reden
kann.
Alles weitere über diese Verhältnisse zeigt die Sk. 5, T. 5, so vor allem die örtliche Verteilung von
Abbruchvorlandwa(t und Anwachsvorlandwatt. Diese Kartenskizze ist also, wie schon gesagt, ebenso
für das Vorland wie für die Vorlandwatten zu benutzen. Das gilt sowohl für das. was bisher über die
natürlichen Vorlandwatten gesagt wurde, wie besonders für das, was im kommenden Abschnitt über die
künstlichen Vorlandwatten gebracht werden soll.