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Full text: 48, 1929/1930

Werner W rage: Das Wattenmeer zwischen frischen und Friedrichskoog. 
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I. Hauptteil. 
Morphologische Gesamtbetrachtung des zu behandelnden Gebietes. 
Koog und Sommerkoog. Begrenzung und Begriffe zur Arbeit. 
Bevor ich mich dem Hauptgegenstand der vorliegenden Arbeit, den eigentlichen Watten, zuwende, 
erscheint es mir als zweckmäßig, einen kurzen Blick auf Koog und Sommerkoog zu werfen. Eine Wan 
derung auf der Krone des Deiches zeigt alles, was hier wesentlich ist. (Yergl. 1. 2. Sk. 2. im Anhang.) 
Von Marne aus führt eine Kleinbahn bis nach Friedrichskoog. Die Endstation liegt mitten im Koog. 
Wenn man das Bahnhofsgelände verläßt, so überblickt man ein völlig ebenes Land, das überall von 
dem Riesenwall des Deiches umgeben ist. Schnurgerade Klinkerchausseen durchschneiden das Land, 
von denen wieder Feldwege abzweigen. Wir folgen cler Hauptstraße zum Hafen, an deren Seiten, be 
sonders in der Nähe des Bahnhofs und des Hafens, sich die Häuser etwas dichter zusammendrängen und 
so etwas wie ein Dorf bilden, während sonst die Gehöfte vereinzelt hinter dem Deich oder mitten im 
Koog stehen. 
Bald haben wir den Deich erreicht, der sich wie eine Mauer zwischen uns und die Unendlichkeit 
schiebt. Wir erklettern ihn und wandern auf seiner Krone nordwärts. Den Hafen lassen wir hinter uns 
zurück; er wird später kurz besprochen werden. Rechts von uns liegt nunmehr die gesegnete Landschaft 
des Friedrichskooges und links von uns Sommerkoog, Vorland und dahinter das weite, graue Watt. 
Der Koog rechts von uns ist in äußerst regelmäßiger Weise durch Straßen, Feldwege und Ent 
wässerungsgräben in meist rechteckige Felder geteilt. V orwiegend wird Ackerbau getrieben. Bäume stehen 
nur in clen Gärten und an einigen Straßen. Auffällig ist, wie wenig alte Häuser man sieht. Nur hin und 
wieder steht ein hübsches Strohdachhaus hinterm Deich, meist herrschen, besonders bei den Scheunen 
bauten, Blech und Dachpappe vor. Wer die Eiderstedter Gegend kennt mit ihren zahlreichen alten 
Bauten, wird sich darüber wundern. Wenn wir aber das Eindeichungsjahr berücksichtigen, wird uns 
alles klar werden. Der Binnenländer ist nur zu leicht geneigt, wenn er vom Deich auf Meer und Land 
blickt, das Fand als etwas Ewiges zu empfinden. Aber wie uns Jacoby (Die Eroberung der Marsch) und 
vor allem R. Hansen (Küsteiiänderungen in Süderdithmanschen, Peterm. Mitteil. Bd. 51) mitteilt, ist der 
große Koog, der jetzt Häuser, Felder, Straßen, Bäume und sogar eine Eisenbahn trägt, erst 1855/54 ein 
gedeicht worden. Wie die Gegend vorher ausgesehen hat, davon geben uns die Karten von E. Müllenhoff, 
die R. Hansen veröffentlicht, ein anschauliches Bild. 
Noch im Jahre 1797 bestand Friedrichskoog aus einer Reihe von uneingedeichteii Vorlandinseln, 
die durch mehr oder weniger breite Vorlandpriele getrennt waren. Von diesen Prielen sieht man jetzt 
fast nichts mehr. Nur das Rugenorter und Steert-Loch sind Reste von ihnen; aber auch sie sind meist 
kanalisiert und geradegelegt. Das Rugenorter Loch mündet mit einer Schleuse in clen Friedrichskooger 
Hafen. 
Wenden wir nun clen Blick westwärts. Ein völlig anderes und doch ähnliches Bild bietet sich uns. 
Breiten sich rechts von uns vorwiegend Ackerfelder mit von Busch- und Baumwerk umgebenen Gehöften, 
so erstreckt sich links nichts als weites, grünes Weideland mit grasenden Rindern, Pferden, Schafen und 
Gänsen. Häuser und Büsche oder gar Bäume fehlen. Und doch ist diese der vorigen Landschaft ähnlich. 
Auch sie ist durch Entwässerungsgräben in regelmäßige Felder geteilt, und auch sie umschließt als 
scharfer, trennender Strich ein Deich, der allerdings niedriger ist als cler hohe Seedeich, auf dem wir 
wandern. Wir haben die Sommerkooglandschaft vor uns, die von dem Sommerdeich umschlossen wird. 
Auch über clen Sommerkoog gibt uns die Karte Müllenhoffs Auskunft. Wir erfahren aus ihr, daß 
der Altfelder Sommerkoog im Jahre 1875 eingedeicht wurde. Wir haben also ganz junges Land vor uns.
	        
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