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Full text: 48, 1929/1930

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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 48.13 d. Nr. 4. 
Oberströmung über ganz flachem Passat^ daß die oberen Mastteile bereits in der Oberströmung gefahren 
werden, ähnlich wie es der „Meteor“ beobachtet hat. Auf der Heimreise der 8. Forschungsfahrt war 
jedoch zwischen dem NE-Passat und dem südwestlichen ■■ bis nordwestlichen Antipassat die östliche 
Strömung nicht eingeschaltet, so daß kein Transport von Wüstenstaub stattfand und gerade in diesem 
Abschnitt sehr hohe Aufstiege gelangen. Der normale jährliche Gang der Sichttrübungen und Staub 
fälle mit einem Höchstwert im Januar und Februar und Tiefstwerten im Sommer folgt auf die Weise 
nach Pummerer aus dem jahreszeitlichen Wechsel der über dem flachen Passat liegenden Strömung, 
die im Sommer monsunartig nach Afrika zu gerichtet ist. 
Der Transport von Staub innerhalb einer Luftmasse hängt von dem Austausch ab. Über Wüsten 
gebieten ' können durch thermischen Austausch (über überhitzten Flächen) oder durch dynamischen 
Austausch (in Staubstürmen) Staubmassen in die Atmosphäre geführt werden, wobei es zweifelhaft 
erscheint, ob der thermische Austausch allein genügt, eine Luftmasse in größerer Vertikalerstreckung 
mit Staub zu durchsetzen. In einem mit Staub beladenen Luftstrom würden sich bei fehlendem Aus 
tausch die Staubteilchen mit ihrer Sinkgöschwindig keit allmählich in den unteren Teilen des Luftstroms 
ansammeln. Ist dann aber wieder Austausch wirksam, so werden die aufwärtsgerichteten Austausch 
ströme mehr Staub nach oben transportieren als die abwärtsgerichteten nach unten. Für die Deutung 
unserer Beobachtungen ist bemerkenswert, daß auf Grund der Untersuchungen von H-U.Sverdrup 1 ), 
W. Schmidt 2 ) für die 3 Strömungssysteme des nordatlantischen Passatgebietes folgende Werte des 
Austausches findet: 
Im Passat A = 140 cm 1 g sec \ 
in der Zwischenschicht A = 260 cm 1 g sec \ 
im Antipassat A = 9 cm -1 g sec *. 
Den für die Zwischenschicht zwischen Passat und Antipassat sich ergebenden hohen Wert des Aus 
tausches bezweifelt W. Schmidt. Die Beobachtungen von P u m m e rer über die starke Staubführung 
der zwischen Passat und Antipassat eingeschobenen östlichen Zwischenströmung weisen jedoch ebenfalls 
auf einen großen Betrag des Austausches in der Zwischenschicht hin. 
Nach dieser Betrachtungsweise würde eine Abnahme des Austausches in der staubhaltigen Schicht 
zu Staubfällen führen ;können, wie sie auf dem Ozean bis über 30° W. Lg. hinaus beobachtet werden. 
Diesen Beobachtungen und Untersuchungen lassen sich die Flugbeobachtungen anschließen: Auch 
nach ihnen liegt die staubführende Strömung in der Höhe, und zwar in einer Höhe von einigen 
Hundert Metern. Man kann annehmen, daß sie der „Zwischenschicht“ zwischen der Passatluftmasse und 
der Luftmasse des Äntipassats angehört. 
Für den Luftverkehr haben die Staubtrübungen erhebliche Bedeutung. Zunächst können sie durch 
die Herabsetzung der Sicht unter Umständen die Navigation erschweren, namentlich wenn sie die Insel 
gruppen der Canaren, der Cap Verden oder markante Punkte der afrikanischen Küste als Ansteuerungs 
punkte benutzt. Bei geringer Flughöhe kann durch Staubtrübung in der Höhe die astronomische Orts 
bestimmung, beim Fliegen oberhalb der Staubschicht die Abtriftmessung behindert werden. Der Luft 
Hansa-Flug hat sodann gezeigt, daß selbst ein kurzes Fliegen in der staubführenden Strömung bereits 
das Luftfahrzeug mit einer Staubschicht überziehen kann. Bei den mechanischen Einwirkungen des 
Staubes ist vor allem an die Motoren zu denken. Wenn man berücksichtigt, welche Luftmengen in der 
Zeiteinheit vom Motor angesaugt und in die Zylinder für den Verbrennungsvorgang geleitet werden, 
so können auch erhebliche, den Gang des Motors beeinflussende Staubmengen in Zylinder und sonstige 
Motorteile gelangen. Außerdem kann eine Verschmutzung der der Luft ausgesetzten Teile, namentlich 
bei luftgekühlten Motoren, ferner der Getriebe und Kupplungen eintreten. Ein Fliegen in staub 
führenden Schichten dürfte daher nach Möglichkeit zu vermeiden sein. 
J ) H. U. Sverdrup, Der nordatlantische Passat. Leipzig, 1917. S. 79. 
2 ) W. Schmidt, Der Massenaustausch in freier Luft und verwandte Erscheinungen. Hamburg, 1925. S. 94/95.
	        
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