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Full text : 48, 1929/1930

W.  Ernst.  H.  Seil  köpf:  Meteorologische  Beobachtungen  das  Las  Palmas-Fluges.

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70°  betrug,  stieg  sie  beim  Ziehen  in  die  obere  Schicht  rasch  bis  auf  100°,  da  die  Kühler  nicht  mehr
ausreichten.  Ein  Fliegen  in  der  Warmluft  verbot  sich  daher;  die  Motoren  wurden  rasch  zu  heiß  und
verlangten  ein  Drücken  der  Maschine  in  die  untere  Kaltluftschicht.
Dem  der  afrikanischen  Westküste  vorgelagerten  Passatgebiete  geben  in  manchen  Zeiten  Staubtrübungen ­
  das  Gepräge.  Auch  bei  diesem  Flugunternehmen  sind  Beobachtungen  über  Staubtrübungen
eingebracht  worden,  und  zwar  auf  dem  Inselfluge  am  8.  Juli.  Zwischen  Gran  Canaria  und  Tenerife  lag
an  diesem  Tage  eine  Wolkendecke  von  gelblicher  Farbe.  Auf  dem  Rückfluge  von  Tenerife  nach  Gran
Canaria  wurde  die  Wolkendecke  und  die  darüber  liegende  Temperaturumkehrschicht  in  500—600  m  Höhe
nach  oben  durchstoßen.  Der  kurze  Flug  durch  diese  Schichten  genügte,  um  die  Maschine  rasch  mit  einer
feinen  Schicht  graugelben  sandigen  Staubes  zu  überziehen.  Beim  Fluge  oberhalb  der  Wolken  ließ  sich
dann  eine  ausgeprägte  Dunstschicht  von  gelber  Färbung  zwischen  den  Inseln  deutlich  verfolgen;  in  der
Warmluftmasse  oberhalb  des  Dunsthorizontes  war  es  dagegen  klar.  Aus  den  Beobachtungen  geht
allerdings  nicht  hervor,  ob  die  staubführende  Schicht  den  oberen  Teilen  des  kalten  Passatluftkörpers
oder  der  Temperaturumkehrschicht  selbst  angehört  oder  der  Staub  sich  sogar  an  der  unteren  Grenze
der  Warmluft  angesammelt  hat.  Horizonte  der  im  Vorkondensations-  bzw.  Kondensationsstadium
befindlichen  Dunstteilchen  fallen  im  allgemeinen  mit  den  unteren  Grenzen  von  Temperaturumkehrschichten
  zusammen;  der  Dunst  nimmt  dann  in  der  unteren,  kälteren  Luftschicht  bis  zu  deren  oberen
Grenzen  zu.  Nimmt  man  an,  daß  die  Passatoberfläche  der  oberen  Wolkengrenze  und  nicht  dem  Dunsthorizonte ­
  entspricht,  so  würde  der  Staub  einer  unmittelbar  über  dem  Passat  liegenden  Schicht  angehören.
Da  der  Staub  den  Wüstengebieten  Nordafrikas  entstammt  und  mit  einer  oberen,  östlichen  Strömung
seewärts  verfrachtet  wird,  dürfte  er  kaum  in  der  Passatströmung  driften,  deren  Trajektorien  in  den  in
Frage  kommenden  Tagen  vom  freien  Ozean  heranführen.  Nun  wird  zwar  berichtet,  daß  auf  dem
Hinfluge  von  Gran  Canaria  bis  Tenerife  auch  in  200  m  Höhe  die  Sicht  nur  2—8  Sm  betrug  und  die  ersten
Häuser  von  St.  Gruz  erst  unmittelbar  vor  dem  ansteigenden  Bergland  herauskamen.  Sofern  man  nicht
annimmt,  daß  an  dem  Hindernis  der  Insel  der  Staub  infolge  der  Störung  der  horizontalen  Schichtung
der  Luft  ausfällt,  könnte  die  Trübung  nicht  mechanisch  durch  feste  Beimengungen,  sondern  optisch
bedingt  sein,  indem  der  lebhafte  thermische  Austausch  über  den  tags  durch  Einstrahlung  stark  erwärmten
Inseln  und  die  mechanische  Durchwirbelung  der  Luft  an  dem  Hindernis  der  Insel  die  Luft  um  die  Insel
herum  optisch  inhomogen  machen,  so  daß  ein  Dunstschleier  entsteht.  Die  Erklärung  hat  Pummerer 1 )
für  die  Dunsttrübungen  über  den  Cap  Verden  nach  Beobachtungen  auf  der  8.  Forschungsfahrt  der  Seewarte ­
  gegeben:  Anschaulich  schildert  Pummerer,  wie  die  Inseln  trotz  guter  Kimmsichtigkeit  auf  dem
Meere  „den  gleichen  duftigen,  verschleierten  Anblick  zeigen,  ob  man  10  oder  50  km  von  ihnen  entfernt
ist“.  So  sehr  die  Größen  Verhältnisse  der  Insel  (Fogo)  beim  Näher  kommen  wuchsen,  ihr  Aussehen
änderte  sich  nur  wenig,  sie  blieb  wie  in  einen  graublauen  Schleier  gehüllt,  der  ihr  allein  anzuhaften
schien  und  wie  ein  Vorhang  dort  niederfiel,  wo  sich  ihre  schroffen  Felsen  ins  Meer  stürzten.“
Staubführende  Luftschichten  hat  Pummerer  auf  der  Ausreise  der  8.Forschungsfahrt  im
Dezember  1927  im  Raume  der  Cap  Verden  dagegen  in  der  Höhe  beobachtet.  Bei  den  Höhenwindmessungen ­
  mit  Pilotballonen  erwies  sich  eine  über  den  NE-Passat  streichende  reine  Ostströmung  als
stark  staubhaltig.  Bei  den  beiden  Aufstiegen  vom  24.  Dezember  lag  der  durch  einen  deutlichen  Knick  in
den  Ballonbahnen  gekennzeichnete  Windsprung  zwischen  der  unteren  nordöstlichen  und  der  oberen
östlichen  Strömung  in  400  m  Höhe  oder  etwas  darunter;  entsprechend  waren  die  bis  etwa  400  m
aufragenden  Berge  der  Insel  Bonavista  in  ihren  oberen  Teilen  durch  Staubtrübung  wie  plateauartig
abgeschnitten.  An  den  beiden  folgenden  Tagen  lag  der  Windsprung  höher,  zwischen  700  und  1000  m.
Die  Ostströmung  entstammt  dem  Wüstengebiet,  über  dem  sie  sich  mit  aufgewirbeltem  Staub  angereichert
hat.  Daß  auf  Segelschiffen  gelegentlich  nur  oberhalb  einer  gewissen  Höhe  in  Segeln  und  Takelage
Wüstenstaub  gefunden  worden  ist,  erklärt  Pummerer  aus  einem  so  tiefen  Herabkommen  der  östlichen

’)  P.  M.  Pummerer,  Meteorologische  Beobachtungen  au  ozeanischen  Inseln  und  Küsten  während  der  8.  Forschungsfahrt ­
  der  Deutschen  Seewürfe  nach  Südamerika.  Annalen  der  Hydrographie  und  maritimen  Meteorologie  1929,  S.  186—192.
            
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