accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: 48, 1929/1930

22 
Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 48. Bd. Nr. 4. 
zu berücksichtigen ist, daß auf See mit stärkerem Wind der langsamer als der Wind laufende Seegang 
wächst, mithin die Rauhigkeit der unteren Begrenzungsfläche der Luft erhöht wird. Bei einer von NE 
nach SW zunehmenden Windgeschwindigkeit im Passat würden dann die Turbulenz verstärkt, die 
Turbulenzelemente (nach Barkow) vergrößert werden und höher hinaufreichen, so daß der Passat mit zu 
nehmender Durchwirbelung nach SW zu an vertikaler Mächtigkeit zunehmen würde, bis bei gleichbleiben 
der Windgeschwindigkeit ein Gleichgewichtszustand erreicht und die Höhe konstant bleiben würde. 
Umgekehrt kann man aber auch die Windgeschwindigkeit v als Funktion der Höhe der Passat 
strömung betrachten. Innerhalb des Bereiches von h = 150 bis h = 600 m ergeben die Beobachtungen dann: 
v = B + 10- 2 h, 
worin die Konstante B = 3.5 ist. Sieht man die Höhe der Passatinversion — sowohl thermisch wie 
dynamisch bedingt — als gegeben an, und betrachtet man die Inversion als obere Begrenzungsfläche 
des Passatluftkörpers, so bewirken in der Passatströmung virtuelle Reibung und ablenkende Kraft der 
Erdrotation mit zunehmender Höhe zunehmende Windgeschwindigkeit und zunehmenden Ablenkungs 
winkel von Luftdruckgradienten, bis in der Reibungshöhe der „Gradientwind“ erreicht wird; ist aber 
die Höhe der Strömung geringer als die durch den Beginn des Gradientwindes gekennzeichnete 
„Reibungshöhe“, so wird innerhalb der Strömung nirgends eine dem Luftdruckgefälle entsprechende 
Geschwindigkeit erreicht. Außerdem übt innerhalb der oberen Grenzfläche die über dem Passat fließende 
Strömung, die überwiegend aus den Richtungen SE—SW—NW beobachtet wird, eine Scherkraft aus, 
die von oben her als Reibungskraft wirkt und auch dort, wenn auch ungleich geringer, eine nach unten 
abnehmende Bremsung der Passatströmung bewirkt. Als „Reibungshöhe“ über dem Meere nehmen Taylor 
und Ekmann auf offener See 100 m, über England 600 m, W. Schmidt über Wasser 560 m an. Jedenfalls 
ist die in unserm Falle dicht vor der afrikanischen Küste beobachtete Höhe der kalten NE-Strömung 
mit 150 m kleiner als die Reibungshöhe, die dort in einem hochreichenden homogenen Luftstrome mit 
gleicher Bodengeschwindigkeit anzunehmen wäre. Abnehmende Schichtdicke des flach auskeilenden 
Passatluftkörpers und zunehmender Reibungseinfluß von unten und oben und schließlich auch von Land 
her in der in großen Zügen parallel der Küste streichenden NE-Strömung bewirken mithin nach Osten 
zu abnehmende Geschwindigkeit. 
Nach beiden Beobachtungsweisen kann in der nördlichen bis nordöstlichen 
Strömung vor der nordwestafrikanischen Ozeanküste der nachschleppende, 
nach Land zu seichter werdende Saum des Passatluft körpers gesehen werden. 
Hierbei bleibt allerdings zunächst die Frage offen, wieso eine derartig flache Strömung, wie die 
schließlich nur noch 150, nach den weiter südlich eingebrachten „Meteor“-Beobachtungen gelegentlich 
nur 50 oder weniger m hohe Passatrandströmung auf weiten Ozeanstrecken ihre Individualität 
wahren kann, zumal da an der Küste zu erwartende Land- und Seebrise einen lebhaften Aus 
tausch bedingen würde. Ausschlaggebend für die Erhaltung der den Strom begrenzenden Inversion 
bei so niedriger Höhe in Küstennähe dürfte es sein, daß die relativ kalte Luftströmung über das 
der marokkanischen Küste vorgelagerte Gebiet des kalten Auftriebswassers und des kalten Canaren- 
stroms führt: Durch das langsame Strömen über die kalte Meeresoberfläche wird die Luft möglicher 
weise noch weiter abgekühlt, so daß die unterhalb der Inversion gelegenen Kaltluftmassen schrumpfen, 
die darüber gelegenen absinken und sich erwärmen würden, mithin die Temperaturumkehr sich noch 
verstärken würde. Daß die vor der Gibraltarstraße von NW über N auf NE drehende Strömung der 
unteren Luftschichten mindestens gelegentlich flache Kaltluftmassen südwärts verfrachtet, wird durch 
die auf dem Hinfluge dort beobachteten von W" nach E streichenden Nebelstreifen angedeutet, die 
Wogennebel unterhalb der Schichtgrenze zwischen einer unteren kälteren und einer oberen wärmeren 
Strömung darstellen. Vielleicht steht dieser flache Nebeleinbruch auf offener See mit einem flach aus 
keilenden Kaltluftvorstoß aus NW bis N in Zusammenhang, ähnlich wie es bereits mehrfach auf den 
atlantischen Forschungsfahrten beobachtet worden ist. 
Die Temperaturzunahme mit dem Eintritt in die obere Warmluftschicht ist auf den Flügen sinn 
fällig in Erscheinung getreten: Während in der kalten Passatströmung die Kühlwassertemperatur rund
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.