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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 48. Bd. Nr. 4.
zu berücksichtigen ist, daß auf See mit stärkerem Wind der langsamer als der Wind laufende Seegang
wächst, mithin die Rauhigkeit der unteren Begrenzungsfläche der Luft erhöht wird. Bei einer von NE
nach SW zunehmenden Windgeschwindigkeit im Passat würden dann die Turbulenz verstärkt, die
Turbulenzelemente (nach Barkow) vergrößert werden und höher hinaufreichen, so daß der Passat mit zu
nehmender Durchwirbelung nach SW zu an vertikaler Mächtigkeit zunehmen würde, bis bei gleichbleiben
der Windgeschwindigkeit ein Gleichgewichtszustand erreicht und die Höhe konstant bleiben würde.
Umgekehrt kann man aber auch die Windgeschwindigkeit v als Funktion der Höhe der Passat
strömung betrachten. Innerhalb des Bereiches von h = 150 bis h = 600 m ergeben die Beobachtungen dann:
v = B + 10- 2 h,
worin die Konstante B = 3.5 ist. Sieht man die Höhe der Passatinversion — sowohl thermisch wie
dynamisch bedingt — als gegeben an, und betrachtet man die Inversion als obere Begrenzungsfläche
des Passatluftkörpers, so bewirken in der Passatströmung virtuelle Reibung und ablenkende Kraft der
Erdrotation mit zunehmender Höhe zunehmende Windgeschwindigkeit und zunehmenden Ablenkungs
winkel von Luftdruckgradienten, bis in der Reibungshöhe der „Gradientwind“ erreicht wird; ist aber
die Höhe der Strömung geringer als die durch den Beginn des Gradientwindes gekennzeichnete
„Reibungshöhe“, so wird innerhalb der Strömung nirgends eine dem Luftdruckgefälle entsprechende
Geschwindigkeit erreicht. Außerdem übt innerhalb der oberen Grenzfläche die über dem Passat fließende
Strömung, die überwiegend aus den Richtungen SE—SW—NW beobachtet wird, eine Scherkraft aus,
die von oben her als Reibungskraft wirkt und auch dort, wenn auch ungleich geringer, eine nach unten
abnehmende Bremsung der Passatströmung bewirkt. Als „Reibungshöhe“ über dem Meere nehmen Taylor
und Ekmann auf offener See 100 m, über England 600 m, W. Schmidt über Wasser 560 m an. Jedenfalls
ist die in unserm Falle dicht vor der afrikanischen Küste beobachtete Höhe der kalten NE-Strömung
mit 150 m kleiner als die Reibungshöhe, die dort in einem hochreichenden homogenen Luftstrome mit
gleicher Bodengeschwindigkeit anzunehmen wäre. Abnehmende Schichtdicke des flach auskeilenden
Passatluftkörpers und zunehmender Reibungseinfluß von unten und oben und schließlich auch von Land
her in der in großen Zügen parallel der Küste streichenden NE-Strömung bewirken mithin nach Osten
zu abnehmende Geschwindigkeit.
Nach beiden Beobachtungsweisen kann in der nördlichen bis nordöstlichen
Strömung vor der nordwestafrikanischen Ozeanküste der nachschleppende,
nach Land zu seichter werdende Saum des Passatluft körpers gesehen werden.
Hierbei bleibt allerdings zunächst die Frage offen, wieso eine derartig flache Strömung, wie die
schließlich nur noch 150, nach den weiter südlich eingebrachten „Meteor“-Beobachtungen gelegentlich
nur 50 oder weniger m hohe Passatrandströmung auf weiten Ozeanstrecken ihre Individualität
wahren kann, zumal da an der Küste zu erwartende Land- und Seebrise einen lebhaften Aus
tausch bedingen würde. Ausschlaggebend für die Erhaltung der den Strom begrenzenden Inversion
bei so niedriger Höhe in Küstennähe dürfte es sein, daß die relativ kalte Luftströmung über das
der marokkanischen Küste vorgelagerte Gebiet des kalten Auftriebswassers und des kalten Canaren-
stroms führt: Durch das langsame Strömen über die kalte Meeresoberfläche wird die Luft möglicher
weise noch weiter abgekühlt, so daß die unterhalb der Inversion gelegenen Kaltluftmassen schrumpfen,
die darüber gelegenen absinken und sich erwärmen würden, mithin die Temperaturumkehr sich noch
verstärken würde. Daß die vor der Gibraltarstraße von NW über N auf NE drehende Strömung der
unteren Luftschichten mindestens gelegentlich flache Kaltluftmassen südwärts verfrachtet, wird durch
die auf dem Hinfluge dort beobachteten von W" nach E streichenden Nebelstreifen angedeutet, die
Wogennebel unterhalb der Schichtgrenze zwischen einer unteren kälteren und einer oberen wärmeren
Strömung darstellen. Vielleicht steht dieser flache Nebeleinbruch auf offener See mit einem flach aus
keilenden Kaltluftvorstoß aus NW bis N in Zusammenhang, ähnlich wie es bereits mehrfach auf den
atlantischen Forschungsfahrten beobachtet worden ist.
Die Temperaturzunahme mit dem Eintritt in die obere Warmluftschicht ist auf den Flügen sinn
fällig in Erscheinung getreten: Während in der kalten Passatströmung die Kühlwassertemperatur rund