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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 48. Bel. Nr. 4.
Hochdruckgebiet wanderte von Mittelfrankreich rasch ostwärts, während von Westen her ein neuer
Tiefausläufer vordrang. Am 29. früh lag der Kern des Hochdruckgebietes bereits in Österreich. Ein
Tiefausläufer war über der Biskaya erschienen, der in Zusammenhang mit flachen Teiltiefs über Spanien
stand, und auf dessen Vorderseite die Winde bereits auf südliche Richtungen zu drehen begannen.
2. Die Wind- und Wetterverliiiltni sse im Nordostpassatgebiet.
Der Langstreckenflug hat in seinen südlichsten Etappen Cadiz—Las Palmas und Las Palmas—Cadiz
das Gebiet des Nordostpassates erreicht. Der NE-Passat strömt auf dem südlichen Abhang des Hoch
druckgebietes der nordatlantischen Roßbreiten mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 5 bis
Ilm/sec der tropischen Tiefdruckrinne zu. Höhenwindmessungen haben gezeigt, daß er in den meisten
Fällen zunächst eine sehr flache Strömung ist, die aber an ihrer Nordgrenze an der Windscheide des Hoch
druckgürtels äquatorwärts zunächst an Höhe zunimmt. In gleicher Weise gewinnt der Passat von der
afrikanischen Küste an westwärts flach ansteigend zunächst an vertikaler Mächtigkeit. Jedoch bleibt
er auch im Gebiet seiner größten Entwicklung auf dem offenen Ozean eine verhältnismäßig niedrige
Strömung, die allgemein dort nur 1500—2500 m hoch emporreicht. Nach Temperaturmessungen bei
Drachen- und Registrierballon-Aufstiegen sowie den Beobachtungsergebnissen der Bergbeobachtungs
stationen stellt der Passatstrom einen Kaltluftkörper dar, der oben durch eine Inversion begrenzt ist.
Die Temperaturumkehr, die „Passatinversion“, erreicht oft erhebliche Beträge, bis zu 10° C.
Über dem Passat liegt, durch die Inversion scharf gegen ihn abgesetzt, eine Warmluftschicht mit
geringer relativer Feuchtigkeit. Die Bestimmung der Temperaturumkehr gestattet oft sehr scharf, die
Höhe des Passats zu erfassen. Die Deutsche Atlantische Expedition auf dem Forschungs
und Vermessungsschiff „Meteor“ in den Jahren 1925—1927 hat beispielsweise beobachtet, daß im
Gebiete zwischen der westafrikanischen Küste und den Kap Verdeschen Inseln das Fernthermometer
im Vortop des Schiffes in 28 m Höhe bereits in die obere Warmluftschicht hineingeragt hat, wobei die
Temperaturumkehr 8° — von 19 auf 27° — betragen hat. Und 60 Sm vor Dakar hat der NE-Passat
bei den „Meteor“-Messungen eine Mächtigkeit von nur 50 m Höhe gehabt — der Passatluftstrom keilt
also in vielen Fällen außerordentlich flach nach der afrikanischen Küste aus.
Das Stromfeld weist über dem unteren, eigentlichen Passatstrom in den meisten Teilen des
nordatlantischen Passatareals eine vorwiegend östliche bis südöstliche Strömung geringerer Geschwindig
keit auf, über der in noch größerer Höhe in den meisten Fällen Winde aus westlichen Richtungen
wehen. An der Nordgrenze des Passats und an seinem Abfall nach der afrikanischen Seite zu wird
jedoch der NE-Passat in vielen Fällen unmittelbar von westlichen — südwestlichen bis nordwestlichen —
Winden überlagert, ohne daß die schwachen östlichen bis südöstlichen Winde zwischengeschaltet sind.
Allgemein steigt die Grenze zwischen unteren östlichen und oberen westlichen Winden über den west
lichen und mittleren Teilen vom Atlantik von der Passatnordgrenze im Winter flach, im Sommer steil
äquatorwärts an, so daß sie 4 km Höhe im Winter unter etwa 25° N. Br., im Sommer unter 35° N. Br.
erreicht. Über den östlichen Teilen vom Ozean erhebt sie sich sowohl westwärts nach dem offenen Ozean
als auch südwärts nach dem Äquator zu meist nur flach; erst unter 20° N. Br. und 30° W. Lg. erreicht sie
4 km Höhe.
Die meteorologischen Beobachtungen auf dem Las Palmas-Fluge fügen sich dem aus den bisherigen
Beobachtungen folgenden Bilde der Wind- und Wetterverhältnisse im östlichen Ausgangsgebiete des
Nordostpassats gut ein. Darüber hinaus können sie es aber ergänzen und erweitern. Hat doch das
Flugzeug das Passatgebiet ausgehend und heimkehrend in 3 bis 4 Stunden durchschnitten, während ein
10-Meilen-Schiff zur gleichen Strecke etwa die zehnfache Zeit gebraucht. In der kurzen Flugzeit sind
Änderungen der Wetterlage namentlich in diesem Gebiete sehr wenig wahrscheinlich, so daß die Flug
beobachtungen im Gegensatz zu den Beobachtungsreihen eines Schiffes die Änderungen von Wind und
Wetter mit dem Orte wiedergeben.