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Full text: 48, 1929/1930

W. Ernst. H. Seil köpf: Meteorologische Reohaehtnneen des Las Palmas-Elneres. 
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Kaltluft herannahte, oder weil Verschärfung der Temperaturgegensätze zu einer vorübergehenden Ver 
tiefung des Tiefs auf dem Ligurischen Meere führte. Mit hoher Geschwindigkeit brach 
jetzt die kalte nordwestliche Strömung zwischen den Pyrenäen und den Alpen 
in die über dem Mittelmeer lagernde Warmluft hinein. Die Morgenmeldungen vom 
28. zeigen bei Marignane NNW 6, Mahon NE 7, während bei Perpignan es schon abgeflaut hatte bis 
auf NW 3. In der Umgebung der Insel Korsika ist die nordwestliche Strömung nach W bis WSW 
abgelenkt, da sie auf der Rückseite des Genua-Tiefs dem im Raume zwischen Korsika und der Riviera 
küste liegenden Zentrum dieses Tiefs zugeführt wird. 
Das Flugzeug traf das Band stürmischer nordwestlicher bis nördlicher Winde im Raume zwischen 
8° 10' E. Lg. bis 5° 10' E. Lg. auf dem oben angegebenen Kurse, also in einer Breite von 140 Sm. 
Bemerkenswert ist, daß das Sturmband sich weit auf das Meer hinaus erstreckte. Der Abstand von der 
französischen Küste betrug etwa 80 Sm. Durch den steifen nordöstlichen Wind auf den Balearen ist 
eine noch größere Ausdehnung nach Süden belegt. Es handelt sich also nicht um den normalen als 
Fallwind bezeichneten Mistral an der französischen Küste, sondern um eine Erscheinung weit 
größeren Ausmaßes. 
Bemerkenswert ist sodann, daß das Sturmband nur schmal war und im Westen verhältnismäßig 
scharf abschnitt: auf 6 ° 2' E.Lg. herrschte N 8—9 mit Seegang 6—7, auf etwa 5° E.Lg. begann es 
merklich abzuflauen und auf 4 ° 22' E. Lg. wehte nur noch flauer nördlicher Wind bei ruhiger See. Das 
Fehlen von Seegang und Dünung dort läßt darauf schließen, daß der Sturm nicht über das Gebiet 
hinweggeschritten ist, sondern nur östlich davon gestanden hat. Für die Entwicklung dieses Sturm 
streifens dürften nicht allein Temperaturunterschiede zwischen der davor liegenden Warmluft und der 
einströmenden Kaltluft verantwortlich sein. Man gewinnt vielmehr den Eindruck, daß die südostwärts 
fließende Strömung zwischen Cevennen und Westalpen stark zusammengedrängt und infolgedessen 
beschleunigt wird. Beide Hindernisse auf den Flanken geben der beschleunigten Strömung gleich 
zeitig eine Führung, so daß zwischen ihnen der Luftstrom wie ein Luftstrahl aus der Düse heraus 
schießt und infolge der Trägheit und der geringen Reibung über dem Meere erst weit südlich unter 
Geschwindigkeitsabnahme sich fächerförmig ausbreitet. Neben thermischen Ursachen sind mithin 
kinematische für die Entwicklung des Sturmbandes sehr wesentlich. 
Der Kaltlufteinbruch war von keinerlei Bewölkung oder Niederschlägen begleitet. Es ist hierbei 
aber zu berücksichtigen, daß z. T. über das französische Bergland hinweg die Nordwestströmung 
anrückte, so daß südöstlich davon die Luftmassen im Absinken begriffen waren. Sodann be 
dingt der Übertritt der Luft vom Lande zum Meere infolge der Reibungsunterschiede und der 
Geschwindigkeitszunahme ein Absinken der Luft. Außerdem wird der Kaltlufteinbruch bei seiner 
südöstlichen Ausdehnung flacher und flacher. Es tritt also allgemein ein Schrumpfen 
der Kaltluft ein, s'o daß die Luftmassen in absinkende Bewegung geraten. Wir 
müssen daher über dem westlichen Mittelmeerbecken absinkende Luft 
bewegung annehmen, die Wolkenbildung verhindert. 
Kaltlufteinbrüche spalten sich häufig in zwei Teile, wobei der eine Teil eines aus NW hereinbrechen 
den Kaltluftvorstoßes zungenförmig südostwärts geht, während der zweite Teil südwärts und später süd- 
westwärts schwenkt. Auch in unserrn Falle scheint eine Zweiteilung angedeutet zu sein. Das Flugzeug 
geriet in stürmische nordwestliche Strömung, also in die linke Flanke des Kaltluftvorstoßes aus Nord 
west. Auf den Balearen wehte dagegen NE 7, so daß es sich hierbei um die rechte Flanke des Kaltluft 
vorstoßes, um die nach SW vorstoßende Kaltluftzunge handeln könnte, wobei noch zu berücksichtigen 
ist, daß auch die fächerförmige Ausbreitung der zwischen Cevennen und Westalpen zusammengedräng 
ten Stromlinien die ursprünglich nordwestliche Strömung über dem Mittelmeer in gleicher Weise diver 
gierend auseinanderströmen läßt. 
Der Sturm fand dadurch ein Ende, daß einerseits der Kaltluftvorstoß flacher und flacher werdend 
sich totlief, andererseits aber eine Änderung des allgemeinen Luftdruck- und Stromfeldes eintrat. Das
	        
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