W. Ernst. H. Seil köpf: Meteorologische Reohaehtnneen des Las Palmas-Elneres.
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Kaltluft herannahte, oder weil Verschärfung der Temperaturgegensätze zu einer vorübergehenden Ver
tiefung des Tiefs auf dem Ligurischen Meere führte. Mit hoher Geschwindigkeit brach
jetzt die kalte nordwestliche Strömung zwischen den Pyrenäen und den Alpen
in die über dem Mittelmeer lagernde Warmluft hinein. Die Morgenmeldungen vom
28. zeigen bei Marignane NNW 6, Mahon NE 7, während bei Perpignan es schon abgeflaut hatte bis
auf NW 3. In der Umgebung der Insel Korsika ist die nordwestliche Strömung nach W bis WSW
abgelenkt, da sie auf der Rückseite des Genua-Tiefs dem im Raume zwischen Korsika und der Riviera
küste liegenden Zentrum dieses Tiefs zugeführt wird.
Das Flugzeug traf das Band stürmischer nordwestlicher bis nördlicher Winde im Raume zwischen
8° 10' E. Lg. bis 5° 10' E. Lg. auf dem oben angegebenen Kurse, also in einer Breite von 140 Sm.
Bemerkenswert ist, daß das Sturmband sich weit auf das Meer hinaus erstreckte. Der Abstand von der
französischen Küste betrug etwa 80 Sm. Durch den steifen nordöstlichen Wind auf den Balearen ist
eine noch größere Ausdehnung nach Süden belegt. Es handelt sich also nicht um den normalen als
Fallwind bezeichneten Mistral an der französischen Küste, sondern um eine Erscheinung weit
größeren Ausmaßes.
Bemerkenswert ist sodann, daß das Sturmband nur schmal war und im Westen verhältnismäßig
scharf abschnitt: auf 6 ° 2' E.Lg. herrschte N 8—9 mit Seegang 6—7, auf etwa 5° E.Lg. begann es
merklich abzuflauen und auf 4 ° 22' E. Lg. wehte nur noch flauer nördlicher Wind bei ruhiger See. Das
Fehlen von Seegang und Dünung dort läßt darauf schließen, daß der Sturm nicht über das Gebiet
hinweggeschritten ist, sondern nur östlich davon gestanden hat. Für die Entwicklung dieses Sturm
streifens dürften nicht allein Temperaturunterschiede zwischen der davor liegenden Warmluft und der
einströmenden Kaltluft verantwortlich sein. Man gewinnt vielmehr den Eindruck, daß die südostwärts
fließende Strömung zwischen Cevennen und Westalpen stark zusammengedrängt und infolgedessen
beschleunigt wird. Beide Hindernisse auf den Flanken geben der beschleunigten Strömung gleich
zeitig eine Führung, so daß zwischen ihnen der Luftstrom wie ein Luftstrahl aus der Düse heraus
schießt und infolge der Trägheit und der geringen Reibung über dem Meere erst weit südlich unter
Geschwindigkeitsabnahme sich fächerförmig ausbreitet. Neben thermischen Ursachen sind mithin
kinematische für die Entwicklung des Sturmbandes sehr wesentlich.
Der Kaltlufteinbruch war von keinerlei Bewölkung oder Niederschlägen begleitet. Es ist hierbei
aber zu berücksichtigen, daß z. T. über das französische Bergland hinweg die Nordwestströmung
anrückte, so daß südöstlich davon die Luftmassen im Absinken begriffen waren. Sodann be
dingt der Übertritt der Luft vom Lande zum Meere infolge der Reibungsunterschiede und der
Geschwindigkeitszunahme ein Absinken der Luft. Außerdem wird der Kaltlufteinbruch bei seiner
südöstlichen Ausdehnung flacher und flacher. Es tritt also allgemein ein Schrumpfen
der Kaltluft ein, s'o daß die Luftmassen in absinkende Bewegung geraten. Wir
müssen daher über dem westlichen Mittelmeerbecken absinkende Luft
bewegung annehmen, die Wolkenbildung verhindert.
Kaltlufteinbrüche spalten sich häufig in zwei Teile, wobei der eine Teil eines aus NW hereinbrechen
den Kaltluftvorstoßes zungenförmig südostwärts geht, während der zweite Teil südwärts und später süd-
westwärts schwenkt. Auch in unserrn Falle scheint eine Zweiteilung angedeutet zu sein. Das Flugzeug
geriet in stürmische nordwestliche Strömung, also in die linke Flanke des Kaltluftvorstoßes aus Nord
west. Auf den Balearen wehte dagegen NE 7, so daß es sich hierbei um die rechte Flanke des Kaltluft
vorstoßes, um die nach SW vorstoßende Kaltluftzunge handeln könnte, wobei noch zu berücksichtigen
ist, daß auch die fächerförmige Ausbreitung der zwischen Cevennen und Westalpen zusammengedräng
ten Stromlinien die ursprünglich nordwestliche Strömung über dem Mittelmeer in gleicher Weise diver
gierend auseinanderströmen läßt.
Der Sturm fand dadurch ein Ende, daß einerseits der Kaltluftvorstoß flacher und flacher werdend
sich totlief, andererseits aber eine Änderung des allgemeinen Luftdruck- und Stromfeldes eintrat. Das