12
Aus dem Arehiv der Deutschen Seewarte. — 48. Bd. Nr. 4.
3. Inselflüge auf den Canaren.
Am 7. Juli wurden von der Gando-Bucht aus verschiedene Rundflüge bis nach La Luz unternommen.
Die Entfernung beträgt rund 14 Sm = 25 km. Der Bodenwind wehte aus NNE mit Stärke 6—7. Diese
hohe Geschwindigkeit des Windes kann nur örtlich durch das Zusammendrängen der Stromlinien an
der Flanke der Insel bedingt sein, da die übrigen Wettermeldungen von den Canaren an diesem Tage nur
schwache Winde zeigten. Es meldeten z. B. St. Cruz de Tenerife Windstille, Palma NE 4. Es zeigte sich
aber auf dem Fluge, daß es bereits in 250 m Höhe still war und darüber sogar südsüdwestlicher Gegen
wind auftrat. Das Flugzeug benutzte auf den 5 durchgeführten Flügen auf dem Hinflug nach La Luz
den oberen südlichen, auf dem Rückflug den unteren nördlichen Wind. Es ergab sich somit eine erstaun
lich geringe Flugzeit für Hin- und Rückflug (mit Start und Landung 15 Minuten). Man kann annehmen,
daß der südsüdwestliche Oberwind bereits dem Strömungssystem des Antipassats zuzurechnen ist, zumal
da Höhenaufstiege in diesem Gebiet gelegentlich ein Tieferkommen des Antipassats bis zu dieser Höhe
gezeigt haben.
Wertvolle Beobachtungen über die Höhe des Passats lieferte der Flug am folgenden Tage. Am
S. Juli wurde um 15.30 Uhr zu einem Fluge nach der Nachbarinsel Tenerife gestartet. Der Wind wehte
wie meist in der Gando-Bucht aus NNE mit mindestens Stärke 7. Der Kurs führte zunächst längs der
Küste bis nach La Luz, dann an der im wesentlichen von Ost nach West streichenden Nordkante der
Insel entlang bis Cap Sardina. Bemerkenswert war hierbei, daß in dem Abschnitt von La Luz bis zur
Höhe von Cap Sardina der Wind verhältnismäßig schwach war, nämlich nur NE 2—3. Die Abnahme der
Windgeschwindigkeit auf der Nordseite der Insel erklärt sich aus dem Auseinandertreten der Strom
linien vor der Insel, wie es auf Abbildung 4 schematisch dargestellt wird. Auf der Höhe von Cap Sardina,
dem Nordwestcap von Grand Canaria, nahm der Wind wieder stark zu, da in dem Kanal zwischen beiden
Inseln die Stromlinien der Luftströmung stark zusammengedrängt werden.
Kurz hinter Cap Sardina begann eine geschlossene Wolkendecke von gelblicher Farbe, die bis
Tenerife anhielt. Es herrschte recht schlechte Sicht: ln 200 m Flughöhe betrug sie auf See nur 2—3 Sm,
und auf gleiche Entfernung tauchten erst die weißen Häuser von St. Cruz de Tenerife vor dem an
steigenden Berglande aus dem Dunst heraus.
Als das Land noch nicht auszumachen war, trat es jedoch bereits durch die zunehmende Böigkeit
fühlbar in Erscheinung. Schon in einer Entfernung von 10 Sm von der Küste traten sehr starke Fall
böen auf. Es waren kurze, harte Böen,
die die Maschine abwärts stießen.
Da der Passat an diesem Tage, wie der
Rückflug von Tenerife nach Las Palmas
zeigte, zwischen den Inseln etwa 500 m
hoch war, die Gebirge auf dem weit nach
NE vorspringenden Teil von Tenerife da
gegen 800—930 m hoch sind, hat es sich
bei diesen Böen wohl nicht so sehr um
Leewirbel der die Gebirgskette überströ
menden Passatströmung gehandelt, son
dern um Randwirbel (Lateralwirbel), die
sich beim Umströmen des steil an
steigenden, gebirgigen Nordostteils von
Tenerife abgelöst haben, so wie es Abb. 4
roh schematisch anzudeuten sucht. Da
zwischen den Inseln die Stromlinien zu
sammengedrängt werden, werden die
Randwirbel vielleicht weiter seewärts als