W. Ernst, H. Seilkopf: Meteorologische Beobachtungen dea Las Palmas-Fluges.
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gegen 10.00 Uhr, dann setzte erneutes Auffrischen ein. In diesem Küstenabschnitt wird derartiger
starker östlicher bis ostsüdöstlicher Wind als Levante-Wind bezeichnet. Auch während des 30. Juni
hielt der Levante-Wind wieder bis zum Abend an. Während der Liegezeit bis zum 6. Juli herrschte
noch an zwei weiteren Tagen der kräftige Levante-Wind. Nach Aussagen der Bevölkerung von Cadiz
rechnet man in dieser Jahreszeit mit durchschnittlich 4 kräftigen Levante-Wind-Tagen je Woche.
Die angetroffenen Windströmungen sind auf die orographischen Verhältnisse des Gebietes zurück
zuführen. Bei höherem Luftdruck über dem westlichen Mittelmeerbecken und tieferem im Raume von
Westmarokko und dem Südwestspanien und Marokko vorgelagerten Teile vom Ozean erfolgt ein Ab
strömen der Luft zwischen der spanischen und marokkanischen Küste durch die Gibraltarstraße nach
Westen. Mit dem Abströmen nach Westen wird der Luftstrom beim Austritt aus dem westlichen Mittel
meerbecken eingeengt. Die Zusammendrängung des Stromes erfolgt in zwei Stufen: Zunächst engen ihn
hohe Gebirge im Norden und Süden wie zwei Leitschaufeln allmählich ein. Auf der spanischen Seite
Afrikanische Seite
SW
Abb.3
sind es die Höhen der Sierra Nevada, auf der afrikanischen die marokkanischen Gebirge, von denen die
ersteren 3500 m, die letzteren Höhen von gut 2000 m erreichen, und die sich bis auf 66 Sm einander nähern.
Da anzunehmen ist, daß nur in größerer Höhe durch Pässe und Täler auch ein Überströmen der Ge
birge stattfindet, wird in den unteren Schichten — vielleicht bis 1000 oder 1500 m Höhe — der westwärts
streichende Luftstrom durch die sich nähernden Gebirgszüge zusammengedrängt und infolge der Quer
schnittsverengung beschleunigt. In diesem Strom höherer Geschwindigkeit ist in den untersten Schichten
eine weitere Beschleunigungsstufe dadurch eingeschaltet, daß sich etwa 700—800 m hohe Bergzüge bei
Gibraltar-Tarifa im Norden und Ceuta im Süden bis auf 8 Sm einander nähern. Hierdurch wird wie
durch eine Düse die Luft in den untersten Schichten hindurchgepreßt, wodurch sich ein Auffrischen
des Windes bis Stärke 7—8 ergibt. Ein Teil der untersten Strömung östlich der Straße dürfte allerdings
über die zweite Höhenstufe hinwegfließen.
Jenseits der Gibraltarstraße sind ebenfalls zweierlei Strömungsvorgänge zu unterscheiden: Zunächst
hat durch die doppelte leitschaufelmäßige Einengung der aus der Düse mit hoher Geschwindigkeit aus
tretende Luftstrom eine derartige Führung erhalten, daß er infolge der Trägheit mit gleicher Richtung
bis weit westlich der Gibraltarstraße anhält und nur langsam seine hohe Geschwindigkeit verliert. Es
hat sich auf den Flügen in diesem Gebiete gezeigt, daß der kräftige „Levante-Wind“-Strom bis Gap