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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 48. Bd. Nr. 4.
über Grund betrug nur 45 Sm (Eigengeschwindigkeit in der Luft gut 86 Sm). Der Standort um 07.00 Uhr
war 42° 8' N. Br. 7° 28' E. Lg. Es rollte eine ungewöhnlich starke See; zwei gesichtete Dampfer arbeiteten
sehr schwer in der See. Die Flughöhe betrug zwischen 70 und 100 m, tim die F. T.-Antenne noch gut
auslassen zu können. Es wurde keine größere Höhe aufgesucht, da mit der Möglichkeit einer weiteren
Zunahme des Windes in der Höhe gerechnet wurde. In Flughöhe war es für einen Seeflug ungewöhnlich
böig. Die Maschine machte jede Wellenbewegung der zunäch'st von vorn, bald
aber von Steuerbord voraus und schließlich quer anrollenden See mit. Diese
Beobachtung ist recht bedeutungsvoll, zeigt sie doch, daß die hohe See bis min
destens zu einer Höhe von 70 bis 100m hinauf die Luftströmung in wellenför
mige Bewegung versetzte.
Da bei der herrschenden Windrichtung und -geschwindigkeit es unmöglich war, mit dem Brennstoff
vorrat in 9 Stunden Mar Menor zu erreichen, wurde beschlossen, Barcelona anzusteuern. Um 07.00 Uhr
wurde daher Kurs auf Cap Sebastian genommen. Der Wind wehte mit unverminderter Stärke, drehte
aber langsam auf Nord. Um 08.00 Uhr war der Standort 41° 58'N. Br. 6° 2'E. Lg. Der Wind drehte
mehr und mehr nach Nord, wehte noch immer mit Stärke 8—9, der Seegang war sehr hoch, 6—7.
Nach 08.00 Uhr ließ der Wind langsam an Stärke nach, um gegen 08.30 Uhr merklich abzuflauen; um
08.45 Uhr wurde es plötzlich ganz still. Auch Seegang und Dünung ließen dort sehr rasch nach. Um
09.00 Uhr auf 41° 30' N. Br. 4° 22' E. Lg. wehte flauer nördlicher Wind bei ruhiger See. Um 10.10 Uhr
erfolgte die Landung in Barcelona.
Um 12.30 Uhr wurde erneut gestartet nach der Flugstation Alkazares am Mar Menor. Um 13.10 Uhr
war der Standort nach astronomischer Beobachtung 40° 16' N. Br. 1° 25' E. Lg. Um 14.40 Uhr lag Cap
San Antonio quer. Der Wind wehte hier aus Süden mit Stärke 1—2, die See war mit dem Winde gleich
laufend in Stärke 1—2. Dieser südliche Wind wehte auf der Vorderseite eines Tiefdruckgebietes, das
sich mit einem Barometerstand von 762 bis 765 mm über der Pyrenäen-Halbinsel ausgebreitet hatte; viel
leicht machte sich auch der Einfluß örtlichen Seewindes bemerkbar. Bei dem Weiterflug auf Mar Menor
zu drehte der Wind jedoch wieder auf NE und erreichte Stärke 4. Dieser Nordostwdnd hielt auch nach
dey Landung in Mar Menor weiter an und wehte während der ganzen Nacht mit gleicher Stärke. Er stand
in Zusammenhang mit der starken nordwestlichen bis nördlichen Strömung, durch die die Maschine am
28. Juni bis 08.00 Uhr hindurchgeflogen w’ar, und die, wie die Wetterkarte des Tages zeigt, sich auch auf
den Balearen mit Nord Stärke 5 äußerte. Erst am 29. um 06.00 Uhr flaute es etwas ab.
Am 29. Juni um 07.38 Uhr wurde von Los Alkazares nach Cadiz gestartet. Beim Start war der Himmel
*/iü mit hohen Wolken bedeckt, der Wind wehte aus SSE mit Stärke 1—2. Gleich nach dem Start wurde
07.42 Uhr Cap de Palos umflogen und Kurs auf Cap de Gata genommen. Hinter Cap de Palos drehte der
Wind wieder auf NE und frischte bei Cap de Gata, das in der Höhe des Caps (200 m) umflogen wurde,
wieder bis Stärke 4—5 auf, und blieb frisch bis Cap Sabinal. Von Cap de Gata wurde direkter Kurs auf
Gibraltar genommen, wodurch die Küste mit einem mittleren Abstand von 20—25 Sm an Steuerbord
liegen blieb. Da der Wind 10 Minuten hinter Cap Sabinal bis fast zur Windstille abflaute, wurde eine
ganz niedrige Flughöhe aufgesucht. Das Auffrischen des Windes von Cap de Gata bis Cap Sabinal, das
von stärkerer Luftunruhe begleitet war, ist wieder eine ganz ähnliche Erscheinung, wie das bereits am
Tage vorher bemerkte kräftige Auffrischen des Windes bei den beiden steilen Caps auf Korsika.
Gegen 10 Uhr frischte der Wind abermals allmählich auf aus Richtung Ost. Um 10.13 Uhr lag
Gibraltar querab, der Wind hatte bedeutend an Stärke zugenommen aus Richtung E bis ESE und erreichte
bei Cap Tarifa mit Stärke 7—8 seine höchste Geschwindigkeit. Bei wolkenlosem Wetter und 15—20 Sm
Sicht war die Kimm leicht verschwommen. Um 10.34 Uhr wurde Cap Trafalgar passiert und um 10.50 Uhr
in Cadiz gelandet. Der starke Wind über Ost zu Süd hielt bis Cadiz an mit unverminderter Stärke,
westlich der Gibraltarstraße verbunden mit sehr häufigen Fallböen. Da die Küste hier nach NW um
biegt, wehte der Wind mit 1—2 Strich vom Lande, so daß auf See unmittelbar unter der Küste nur
wenig See stand. Abends flaute es ab, es blieb ziemlich ruhig über Nacht bis zum nächsten Morgen