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Full text: 48, 1929/1930

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sehr schwer wiederfindet und man außerdem die mit dem Schiff schwankende Azimutkreisebene des 
Theodoliten nicht als Bezugsfläche des Höhenwinkels benutzen kann. Durch den „Spiegel-Theodoliten“ 
erhält man jedoch die Kimm in das Fernrohr gespiegelt, sodaß das mit dem Schiff schwankende Kimm 
bild die Null-Linie der Höhenwinkelmessung darstellt und es auch bei starken Schiffsschwankungen 
leicht möglich ist, das Ballonbild in der Nähe des Kimmbildes wiederzufinden. Durch die Vereinfachung 
der Methode der Höhenwindmessung mit dem Spiegel-Theodoliten werden im allgemeinen nur noch zwei 
Beobachter gebraucht: Der eine hält beim Beobachten den Ballon im Fadenkreuz des Fernrohrs, indem 
er Azimutschraube des Theodoliten, Höhenwinkelschraube der Spiegeleinrichtung, von Zeit zu Zeit 
auch die Höhenwinkelschraube des Theodoliten betätigt, während der andere Beobachter die Zeit gibt 
und Höhenwinkel und das auf die Schiffsachse bezogene Azimut am Theodoliten abliest. Abgesehen 
von der Vereinfachung der Beobachtungsart sind aber durch den Spiegeltheodoliten vor allem die Be 
obachtungsergebnisse selbst erheblich verbessert worden. 
Nachdem A. W e g e n e r und E. Kuhlbrodt auf einer Nordseefahrt des Reichsforschungs 
dampfers „Poseidon“ im Sommer 1921 die Brauchbarkeit der Methode erprobt hatten, ließ die See 
warte in ihrer Meteorologischen Versuchsanstalt vom Herbst 1921 an Spiegeltheodoliten bauen. Auf der 
Grundlage der neuen Beobachtungsmethode nahm die Seewarte sodann, einer Anregung aus den Kreisen 
der Luftfahrzeugindustrie folgend, ihre 1906 begonnene und durch den Krieg unterbrochene meteoro 
logische und aerologische Forschungstätigkeit auf dem Ozean wieder auf. Durch die Unterstützung des 
Reichsverkehrsministeriums, Abt. Luftfahrt, und durch das dankenswerte Entgegenkommen der großen 
Reedereien, vor allem der Hamburg-Amerika-Linie, sodann des Norddeutschen Lloyd, der Hamburg-Süd 
amerikanischen Dampfschiffahrts-Gesellschaft, der Woermann- und Deutschen Ostafrikalinie, durch die 
Unterstützung der Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft und die Beteiligung der Luftfahrzeug 
industrie ist es der Seewürfe möglich gewesen, in den Jahren 1922 bis 1929 zehn Forschungs 
fahrten nach Mittel- und Südamerika, sowie nach der Westküste von Afrika mit je zwei Meteorologen 
durchzuführen, auf denen neben sonstigen meteorologischen Arbeiten vor allem die Höhenwinde über 
dem Atlantischen Ozean gemessen worden sind. Die Ergebnisse der Forschungsfahrten sind zum Teil 
veröffentlicht 4 ), zum Teil in Bearbeitung. 
Während auf diesen Fahrten die Strömungsverhältnisse des Atlantischen Luftmeeres stichproben 
artig erkundet wurden, hat die Deutsche Seewarte im Jahre 1928 begonnen, durch laufende Höhen 
windmessungen von Schiffsoffizieren an Bord von Handelsschiffen das Strom 
feld über dem Atlantischen Ozean überwachen zu lassen. Diese Ueberwachung geschieht im wesent 
lichen in Hinblick auf die Vorbereitung und die meteorologische Beratung des transatlantischen Luft 
verkehrs. In entgegenkommendster Weise haben die Hamburg-Südamerikanische Dampfschiffahrtsge 
sellschaft, die Hamburg-Amerika-Linie und der Norddeutsche Lloyd Schiffe auf der La Plata- und der 
New York-Fahrt zur Verfügung gestellt. In opferwilliger Weise haben es Offiziere dieser Schiffe frei 
willig übernommen, die Höhenwindmessungen an Bord durchzuführen. Die erste Höhenwindmeßstelle (A) 
ist auf dem zwischen Hamburg und dem La Plata verkehrenden Motorschiff „Monte 01 i v i a“ 
(Kapitän Wilstermann, Beobachter 2. Offizier Bertram) der Hamburg-Süd im Sommer 
1928 eingerichtet worden. Die Meßstelle B hat sodann im Frühherbst 1928 der Hapagdampfer „Cleve- 
land“ (zunächst Kapitän Buch, später Kapitän Niss, Beobachter zunächst 2. Offizier 
Banker, später 2. Offizier Fra nie!) auf der New York-Strecke übernommen. Die dritte Meß 
stelle C ist zu Beginn des Jahres 1929 wieder auf der Südamerikafahrt, auf dem Lloyddampfer „Sierra 
Morena“ (Kapitän Nauer, Beobachter: Die jeweils an Bord befindlichen Offiziere) 
aufgestellt worden. 
Den beteiligten Reedereien, den Kapitänen der genannten Schiffe und den 
die mühevolle, zeitraubende Arbeit des Pilo t v isi e ren s und Auswertens aus 
übenden Schiffs Offizieren auch an dieser Stelle herzlichsten Dank zum Aus 
druck zu bringen, ist der Deutschen See warte vornehmste Pflicht. Dem Reichs- 
verkehrsministerium, Abt. Luftfahrt, stattet sodann die Deutsche Seewarte 
ganz besonderen Dank ab für die Bewilligung der Mittel zu den Höhenwind 
messungen auf Handelsschiffen und zur Drucklegung der Ergebnisse.
	        
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