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Full text: 48, 1929/1930

Lucie Rae h der: Grundlagen uud Versuch einer landscliaftsknndl. Gliederung der nördl. algerischen Sahara. 57 
Der Wind formt die Dünen. Diese sind beständig, wenigstens in ihren allgemeinen Konturen und 
in der kurzen Zeit eines menschlichen Erinnerungsvermögens“ 7 )- Die alten eingeborenen Führer finden 
die Dünenwüste, wie sie schon in ihrer Kindheit war, wieder an denselben Gipfeln, Kämmen, dfen großen 
Brunnenplätzen und charakteristischen Einzelheiten, die zur Erkennung eines Karawanenweges dienen. 
Wohl berichten Largeau und Flatters von nicht unerheblichen Veränderungen der Dünenlandschaft auf 
dem Wege von Wargla nach Ghadames, und auch Foureau 67 68 ) schreibt, daß die Medjbeds, die Spuren 
einer Kamelkarawane teilweise von Dünen verschüttet worden sind und früher also freigelegen haben 
müssen. Dennoch können die heute wirkenden Windkräfte nur äußerst langsame Veränderungen größeren 
Ausmaßes bewirken 69 ). Im kleinen sind diese Veränderungen da: jedes natürliche Hindernis ist ein guter 
Sammler des herantreibenden Sandes. Der Kampf der Oasenbewohner gegen den in die Oase eindrin 
genden Sand legt wohl das beste Zeugnis für den durch den Wind in Bewegung gesetzten Sand ab. 
Windrichtung und -stärke wechseln jedoch, und' infolgedessen ändern auch die Dünen ihre Formen. Es 
ist wohl möglich, daß infolge des Wechselns der Windrichtung wandernde Dünen fehlen und an ihrer 
Stelle stillstehende nur ihre Einzelform verändern. 
Landschaftsteile der Sand wüste sind die Brunnen. Ihre Verteilung und Vorkommen richtet sich 
nach den hydrographischen Verhältnissen. Infolge des vorhandenen Grundwasserflözes sind Brunnen 
im Verlauf des Igharghar-Wadis und einiger benachbarter Gassis sowie auch an den Bändern der süd 
lichen Schichttafel zu verzeichnen, während die große Sanddünenwüste auf einer Strecke von 320 km 
(Ghadames—Hassi Touaiza), überhaupt keine Brunnen besitzt 70 ). Gleiche Verhältnisse gelten für die 
Gassi-Sanddünenwüste. 
Als nördlichst gelegene Brunnen der Sanddünenwüste sollen Hassi Oulad Salah, Hassi Bottine und 
Hassi Touaiza genannt werden. Der erste ist ein Brunnen größter Wichtigkeit, nicht nur wegen Güte 
und Überfluß des Wassers, sondern auch wegen seiner Lage im Übergangsraum der Zeugenberge im 
Norden und der Gassilandschaft im Süden. — Hassi Bottine besteht aus mehreren Brunnen, deren 
brackisches Wasser in 22 m Tiefe nach Durchbohrung porösen Sandsteins und weißen Kalksteins ge 
wonnen wurde. Die etwa 70—90 cm breiten Brunnen sind mit Steinen eingefaßt. Das Wasser hat im 
Sommer eine Temperatur von 28—30° 0. — Der am weitesten nach Norden und Osten gelegene Brunnen 
Bir Béreçof ist ein bedeutender Brunnenplatz auf dem Wege von Ghadiames ins Soufgebiet. —- Der 
Brunnen Ain Taïba liegt inmitten eines ausgedehnten Dünenfeldes. Flatters 71 ) stellt ihn als ein kreis 
rundes Mar von 100 m Durchmesser dar, das innerhalb eines großen Sandkraters läge. Seine Seiten 
stürzen mit dem üblichen Neigungswinkel herabfallenden Sandes von 30—35°, etwa 15 m bis zur Ober 
fläche des Wasserspiegels ab. Ein dichter Kranz von Halophyten mit einigen Wildpalmen umsäumt den 
Rand des Brunnens, dessen ausgezeichnetes Wasser von allen Wüstenfahrern gelobt wird. Eine nörd 
licher gelegene Brunnenstelle ist durch eindringenden Sand und nachlässige Pflege völlig unbrauchbar 
67 ) Gautier, Le Sahara Algérien. Paris 1908. S. 41. 
“) Doc. sc. S. 559. 
m ) Reclus nimmt ein Fortschreiten der Dünen von Osten nach Westen unter dem Einfluß des Passates an. 
70 ) In einem Brief aus Biskra 1896 hat Foureau eine Gliederung des großen östlichen Erg versucht — leider 
ohne diese Andeutungen später auszuführen. Foureau ist der einzige, der damit den Versuch einer landschaftskund- 
lichen Erfassung der Wüste machte; das wertvolle, leider nur zu geringe Material sei hier der Vollständigkeit halber 
gebracht: In der Richtung Touggourt—Ghadames trifft man 6 Zonen, die sehr verschieden bezüglich Anblick und 
Vegetation voneinander sind: 
1. El Oudjc =- die nördliche Grenze des Erg; 
2. El Aziba = so genannt wegen einer großen Anzahl von Azalbüschen; 
3. Le. Jamate (die Ziige) = Gebiet, in dem die Feidjs sich schließen und von ungeheuren Sandrücken versperrt 
werden; 
4. Oudian el Halma = Region tiefer Schüssel, wo die Halmapflanze in Mengen wächst; 
5. El Ouar oder Kaiet el Arisch = Name von der Schwierigkeit des Geländes und Ueberfluß an Arischbäumchen; 
6. El Oudje — die südliche Einfassung. Schwieriges Gelände mit recht erhabenen Bergen. 
71 ) Derrécâ'gaix, a. a. (>.. S. 40,
	        
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