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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 48. Bd. Heft 2.
Die Landschaft ist vornehmlich charakterisiert durch die enorme Sandbedeckung. Ihre Einheitlich
keit wird nur durch Übergangsformen an den Rändern gestört: Zeugenberge vermitteln den Übergang
zum Schichttafelland ebenso wie die Region öter Maäder vor dem Plateau von Tinghert westlich des
Igharghardurchbruchs. Als reine Kulturlandschaft liegt die Oase Ghadames in der östlichen Randzone
der Sandwüste gegen die Kalktafeln der Hamada El Homra. Die Sandwüste selbst gliedert sich in zwei
Landschaftsteile auf, die Sanddünenwüste und das Gassi. Es sind das eigentlich nur morphologische
Formen, die aber infolge ihrer großen Ausdehnung und ihres häufigen Auftretens den Wert von Teil
landschaften haben.
Das Wadi Igharghar teilt die Landschaft der Sanddünen wüste derart, daß von seinem rechten Ufer
aus nach Osten sich der ungeheure Sandkomplex des Erg ausbreitet, während im Westen die Dünen
durch riesige parallele Gassis zu langen Reihen durchbrochen sind. Infolgedessen läßt sich die west
lich des Igharghar gelegene Landschaft als Sanddünen wüste mit Kiesbodentrockentälern von der reinen
Sanddünenwüste im Osten unterscheiden.
Der Erg (Plural Areg) ist die vollkommenste Ausbildung der Sandwüste. Ein reiner Quarzsand von
lichtgelber Farbe — w-enn gipshaltig, dann w r eißlich gefärbt — bildet das Material. Die — vermutlich
relative — Höhe der einzelnen Dünen schwankt zwischen 50 und 300 m. Diese Sandberge treten in den
verschiedensten Formen auf. Drei von diesen verschiedenartigen Formen belegen die Eingeborenen
mit den Ausdrücken: Sif, Ghurd, Semla. Sif entspricht einer Barchandtine, Semla einem langgestreckten
Sandrücken und Ghurd (Plural Oghroud) einem einzelnen Sandberg. Die Luvseite der Dünen ist stets
konvex und sanft ansteigend, die Leeseite konkav und besitzt eine steile Böschung, die bei den Oghrouds
für Mensch und Tier unüberwindlich ist. Diese Formen sind jedoch veränderlich, so daß die Dünen
reihen wellige, geschlängelte Kämme mit vielen Buchten, Vorsprüngen, Armen bilden — ein unregel
mäßiges Sandmeer, vergleichbar den oft sich kreuzenden, überschlagenölen, verwirrten Wellen eines be
wegten Meeres.
1. Die Gassi-Sanddünenwüste.
Gassis und Feidjs sind absolute Trockentäler — Wadis ohne Rinnsal. Ihr Boden besteht gewöhnlich
aus Reg, d. h. Lehm mit einer Decke von kleinen Steinen; es gibt aber auch Gassiböden, die aus Quarz
und Detritus von Kalk, denen, sich Trümmer von Schiefern, Glimmerschiefern und kleinen Brocken von
zelliger, schwarzer Lava beigesellen, zusammengesetzt sind. Dieses Material stammt wohl z. T. aus den
bergigen Gebieten im Süden des Arbeitsgebietes.
Die Gassi-Sandwüste beginnt südlich des Brunnes Ain Taiba. Dort bietet der Erg noch einen ver
wirrenden Anblick. Schwer passierbare Sandkämme winden sich von einem Ghourd zum andern. Die
hauptsächlich nordwest-südöstlich gerichteten Dünen entwirren sich mit Annäherung an das Gassi Touil,
um großen, isolierten Ketten Platz zu machen, die manchmal durch beträchtliche Zwischenräume, deren
Boden so eben und fein ist wie eine Parkallee, getrennt sind. Dies ist nach Foureau besonders der Fall
in der Region vom Hassi bei Hairane bis an die Hamada des „Oudje“, d. h. bis an die bogenförmige
Grenze im Süden bis zum Eintritt des Igharghar. 60 km von Ain Ta'iba ist der eigentliche Beginn der
Gassis festzustellen, obschon Foureau’”) bereits auf dem Wege von Wargla nach Ain Taiba nach Ver
lassen der Zeugenberglandschaft im Gebiet der großen Sandwüste mehrere Feidjs querte. Sie verlieren
sich jedoch alle im großen Gassi el Adham.
Die Breite der Gassis wechselt zwischen 2 und 3Z km, während eins beim Hassi Mouilah Maätallah
15—20 km Breite aufweist. Die Länge beträgt 120 km und mehr. Eine überaus anschauliche Schilderung
der Gassis liefert Foureau, die möglichst wortgetreu wiedergegeben werden soll: * 60 ) „Der Eindruck, der
durch den Anblick der ungeheuren ebenen Oberfläche der Gassis hervorgerufen wird, ist ergreifend.
5B ) s. auch Flatters in Derrécagaix a. a. O.
60 ) Foureau, Une mission chez les Touareg. Paris 1893,