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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 46 (1918)

Annalen der Hydrograpbie und Maritimen Meteorologie, Januar 1918 
Die Meyer-Seemannsche Luftdruckschwankung im Lichte einer sechs- 
jährigen Mondperiode. 
Vor Professor Dr. J. Schneider in Darmstadt, 
Während der siebziger und achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts hat 
sich in den Monaten Oktober, November und Dezember der Barometerstand an 
der nordwestdeutschen Küste bei und nach Vollmond im Mittel ganz wesentlich, 
nämlich bis zu 10 mm, niedriger gezeigt als bei und nach Neumond, Sowohl durch 
(4. Meyer wie auch durch €. Seemann ist diese Erscheinung sicher festgestellt worden. 
Sie trat in dem angedeuteten Zeitraum mit so großer Regelmäßigkeit hervor, daß 
die Direktion der Deutschen Seewarte Veranlassung nahm, in einem Geleitwort, 
welches sie der Abhandlung von Meyer!) mitgab, auf die Bedeutung dieser eigenartigen 
Beziehung zwischen Luftdruck und synodischem Mondumlauf besonders hinzuweisen 
und die Wichtigkeit einer diesbezüglichen Aufklärung nachdrücklichst zu betonen. 
Schon Meyer fand, daß die Luftdruckschwankung der genannten Monate 
zu keiner anderen Zeit im Jahre mit nur annähernd gleicher Deutlichkeit sich kund- 
gab. Außerdem aber erkannte Seemann, daß sie in dem Mittel der Jahre 1844—1863 
kaum zum Ausdruck gelangte. Die eingehendsten Aufschlüsse über die Erscheinung 
verdanken wir indessen Herrn Prof. Köppen. Er hat sie räumlich und zeitlich so 
weit verfolgt, als ihm dies überhaupt möglich war, und über die Ergebnisse seiner 
umfangreichen Nachforschungen in einer vorläufigen Mitteilung?) der Meteorologischen 
Zeitschrift berichtet, Sie führten ihn zu der Erkenntnis, daß die seltsame Luftdruck- 
änderung von der Lage der untersuchten Örter abhängt, daß sie namentlich in 
den Beobachtungen Skandinaviens gut zur Geltung kommt und daß sie, abgesehen 
von dem Zeitraum 1835—1854, in dem Beobachtungsmaterial der Vergangenheit, 
bis zum Jahre 1775 und selbst 1755 zurück, nicht mehr nachweisbar ist. 
Infolge des bunten Wechsels der für die einzelnen Jahrzehnte gewonnenen 
Barometerstandsschwankungen sieht sich nun Herr Köppen genötigt, bezüglich 
der merklichen Beeinflussung des Luftmeeres durch den Mond die stärksten Zweifel 
zum Ausdruck zu bringen. Er glaubt sich hierzu um so mehr berechtigt, als nach der 
ganzen Art seiner Untersuchung von ihr neben der Wirkung des synodischen Mond- 
umlaufs auch der Einfluß des tropischen und des siderischen, wenigstens zum Teil, 
miterfaßt werden mußte. Seinen Bedenken und Schlußfolgerungen hätten wir 
gewiß beizupflichten, wenn nicht die Annahme zulässig wäre, daß die einander wider- 
sprechenden Ergebnisse durch den Miteinfluß der beiden noch übrigen Mondumläufe 
bedingt sein könnten. 
Gerade das auffallende Zustandekommen der Meyer-Seemannschen Luft- 
druckerscheinung dürfte wohl in dem günstigen Zusammenwirken des Einflusses 
der Sonne auf unsere Atmosphäre mit dem aller Mondbewegungen seinen Grund 
gehabt haben. Ebenso möchte vielleicht in früheren Jahren diese starke Barometer- 
standsschwankung geschwächt, aufgehoben oder gar umgekehrt worden sein durch 
die Gegenwirkung der außer acht gebliebenen Mondumläufe, des anomalistischen 
und des drakonitischen. Ein zwingender Beweis für die Richtigkeit dieser Vermutungen 
kann hier nicht, erbracht werden. Es soll aber auf die Möglichkeit eines solchen 
Zusammenhangs hingewiesen und dieselbe bis zur Wahrscheinlichkeit gesteigert 
werden durch die Mitbenutzung der eigenen Ergebnisse von Herrn Köppen. 
Dieser unermüdliche Forscher hat bemerkt, daß aus den Luftdruckänderungen 
verschiedener Orte eine etwa secchsjährige Periodizität hervorleuchtet, Eine solche 
aber ist gerade dem unberücksichtigt gelassenen Paar der für den Mond in Betracht 
kommenden Umläufe eigentümlich. 
Wie bekannt, bewegen sich die Apsiden- und die Knotenlinie der Mondbahn 
in entgegengesetztem Sinne. Erstere beschreibt einen vollen Umlauf in 8.85, letztere 
in 18.6 Jahren. Dabei wandert die Apsidenlinie jährlich um 40°.7 nach Osten und 
in der gleichen Zeit wendet sich die Knotenlinie um 19°.3 nach Westen hin. Die 
1) G. Meyer, Studien über den Einfluß des Mondes auf die Witterung, Ann, d, Hydr. u. 
Mar. Meteorol,. 1890 und Meteorol. Zeitschr, 15890 8. 427. 
2) W. Köppen, Monatliche Perioden der Witterung. Meteorol, Zeitschr. 1915.
	        
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