Dr. W. Peppier: Die Beobachtungen der Marinedraclienstationen Breedene/Meev und St. Michel 1915—1918. ;j; , )
K. Die Temperaturverhiiltnisse über Breedene Meer und St. Michel.
Die Fesselaufstiege an der Küste fanden mit einigen verschwindenden Ausnahmen in der
Zeit von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang statt, da nachts aus militärischen Gründen keine Aufstiege
ausgeführt werden durften. Der erste Aufstieg begann in der Kegel um Sonnenaufgang oder einige Zeit
später, der zweite um die Mittagszeit. Der erstere fand im dienstlichen Interesse in der warmen Jahreszeit
wesentlich früher statt als in der kalten, so daß die Aufstiegzeiten sich jahreszeitlich verschoben;
das gleiche gilt von dem Mittagsaufstieg. Das ist aber für die Bearbeitung nicht von Nachteil, denn der
tägliche Gang der Temperatur, besonders aber des vertikalen Temperaturgradienten ist im wesentlichen
eine Funktion des Sonnenstandes, indem dieselben Gradienten im täglichen Gange im Sommer wesentlich
früher angetroffen werden, als im Winter. Es wäre geradezu vorteilhaft zur Untersuchung des
täglichen Ganges, wenn die Aufstiege allgemein so gelegt würden, daß die Zeiten auf den Sonnenaufgang
resp. Untergang bezogen würden: die Vergleichbarkeit würde dadurch wesentlich erleichtert. Freilich
stehen dem wieder die Anforderungen des Wetterdienstes gegenüber, der eine synoptische Betrachtungsweise
erfordert.
Wo eine Vergleichung der Breedener Temperaturverhältnisse mit denen anderer Stationen, wie
Lindenberg, unternommen ist, ist Sorge getragen, daß die Temperaturen gleicher Zeiten benutzt sind.
Die genauen mittleren Zeiten sind später in den betreffenden Tabellen der Bearbeitung mitgeteilt. Die
genaue Beachtung der Aufstiegszeiten spielt besonders dann eine Rolle, wenn es sich um eine Untersuchung
der täglichen Temperaturperiode handelt, soweit auf diese aus nur 2 Terminaufstiegen
geschlossen weiden kann.
Fehlerquellen. Eine genauere Untersuchung der möglichen Fehler erübrigt sich hier, da sie von
ähnlicher Art und Größe sind, wie die bei Drachenaufstiegen hinreichend bekannten. Da die Drachenmeteorographen
häufig auf Druck, Temperatur und Feuchtigkeit genau geprüft wurden, sind wesentliche
Fehler, die durch Veränderung der Apparatkonstanten verursacht wären, ausgeschlossen. Das Nachhinken,
der wesentlichste Fehler der Apparate, spielt bei den Breedener Aufstiegen schon deshalb keine
so große Rolle, wie es bei anderen Drachenstationen der Fall sein mag, da die Winde ein rascheres Einholen
als mit 3—4 ms nicht gestattete; an manchen Stationen, die mit 7—8 ms einholen konnten, dürfte
diese Fehlerquelle beträchtlich sein. Eine zweite Quelle bedenklicher Fehler, die bei Fesselballonaufstiegen
große Temperaturfälschungen hervorruft, ist der Strahlungseinfluß. Wer jemals Ballonaufstiege
ausgewertet hat, weiß, wie unsicher deren Temperaturregistrierungen sind; man wird höchstens eine
Genauigkeit von 1° annehmen dürfen. Es kompliziert sich bei Ballonaufstiegen der durch zu rasches
Auslassen resp. Einholen entstehende Fehler der elastischen Nachwirkung mit dem durch Strahlung
verursachten. Bei der Auswertung sucht man gewöhnlich die Temperaturen dadurch zu „korrigieren“,
daß man das Mittel aus Aufstiegs- und Abstiegswerten bildet. Das ist natürlich kein unfehlbares
Verfahren und eliminiert die Fehler im Einzelfalle nur ungenügend. Bei der üblichen Art des Auswertens
ist anzunehmen, daß in den oberen Stufen die Temperaturen infolge des Strahlungseinflusses
allgemein etwas zu hoch sind, ohne daß man angeben könnte, um welchen Betrag. Diese kleinen Fehler
werden aber die Breedener Temperaturmittel kaum fälschen; ich habe bei der Auswertung der Ballonaufstiege
meist erheblich unter der Maximalhöhe abgebrochen, und dann das Mittel aus Auf- und Abstieg
gebildet, das sich ziemlich dem wahren Mittel nähern wird, da die Auslaßgeschwindigkeit ungefähr
gleich der Einholgeschwindigkeit war. Bei den Mitteln fallen die Ballonaufstiege auch wenig
ins Gewicht, da erstens in dem windigen Küstenklima Ballonaufstiege selten gemacht wurden, und
zweitens die Drachenstation an dauerndem Gasmangel litt.