34 Aerologisehe u. Hydrographische Beobachtung, d. deutsch. Marinestat. während der Kriegszeit 1914—1918. — Heft 3.
diese Abweichung vielleicht damit Zusammenhängen. Im Herbst und Sommer ist die geringere vertikale
Windzunahme in der Bodenschicht am Nachmittage offenbar durch die stärkere konvektive Durchmischung
der Luftschichten bedingt. Abgesehen vom Frühling, ist der vertikale Verlauf von Av bis
2500 m morgens derselbe wie nachmittags. Die bereits früher erörterte Abnahme von A v zwischen 500
und 1000 m tritt an beiden Terminen auf, was darauf hindeutet, daß ganz allgemeine Ursachen dies bestimmen,
ohne Mitwirkung des täglichen Ganges der Konvektion.
Die Windgeschwindigkeiten selber weisen an den beiden Terminen folgende Differenzen auf,
wobei ich zum Vergleich die Lindenberger Beobachtungen heranziehe. Da in der erwähnten Arbeit
meines Bruders nur die Jahrgänge 1905—1911 von Lindenberg benutzt sind, habe ich in Tab. 15 auch
die späteren Jahrgänge für die entsprechenden Termine zusammengestellt. (1911—1916.)
Tabelle 15. Die Windgeschwindigkeiten um 8a und 2p über Lindenberg. (1911—1916.)
122 m
500 in
1000 m
1500 m
2000 m
2500 m
8a
2p
8a
2p
8a
2p
8a
2p
8a |
2p
8a
2p
1911
5.6
6.3
10.0
9.2
10.4
9.8
10.9
10.3
11.2
11.0
11.8
11.4
1912
5.6
6.3
9.6
9.1
9.6
9.3
9.6
9.6
9.8
9.8
10.1
10.1
1913
5.4
6.2
10.1
8.9
10.0
9.2
10.1
9.4
10.2
9.6
10.7
9.9
1914
5.1
5.9
8.0
8.2
8.4
8.4
8.5
8.6
8.8 j 9.0
9.1
9.3
1915
5.0
5.3
9.1
8.6
9.0
8.6
9.1
8.9
9.3
9.2
9.6
9.7
1916
5.2
5.8
10.1
9.2
10.1
9.5
10.1
9.7
10.2
10.0
10.4
10.5
Mittlere Differenz 2p — 8a.
0.65
-0.62
-0.45
-0.30
0.15
0.13
(Breedene) Differenz 2p-8a
+0.70
-0.60
0.30
0.40
0.60
1.00
Ich betrachte zuerst die Beobachtungen von Lindenberg. Die erste Reihe von A. Peppier (1905
bis 1911) zeigt eine Differenz zwischen v (p) und v (a) von fast 0.5 ms (Tab. 16 letzte Querspalt©).
Um diesen Betrag ist v nachmittags kleiner als v morgens. Auch die zweite Reihe (1911 1916), Tab. 16
vorletzte Querspalte, zeigt ähnliche Differenzen, doch nehmen sie bei den Mitteln dieser Reihe mit der Höhe
auf einen sehr kleinen Betrag in 2500 m ab. Dies würde der Espy - Köppenschen Theorie entsprechen,
nach der der tägliche Gang in der Höhe verschwindend sein muß.
Tabelle 16. Differenzen der Windgeschwindigkeit, (p—a.)
Unten
200
500
1000
1500
2000
2500
Frühling
1.23
0.51
0.56
0.13
0.39
1.43
1.92
Sommer
1.02
0.05
-0.55
0.32
-0.51
0.28
0.58
Herbst
-0.65
1.09
1.11
0.81
0.50
0.75
0.61
Winter
0.06
0.79
0.32
0.37
0.26
0.56
1.22
Jahr
0.75
- 0.52
-0.60
0.36
-0.41
0.69
0.96
(l/indenberg. .lalir. lA. feppler .
-
0.57
0.48
- 0.30
0.48
—
Über Breedene ist gleichfalls oberhalb 500 m v nachmittags wesentlich kleiner als vormittags,
aber gegen Lindenberg besteht der Unterschied, daß bei Breedene die Differenzen p- -a oberhalb 1000 m
allgemein stark zunehmen auf den großen Wert von 1 ms in 2500 m. Dies Ergebnis als ein zufälliges
ansehen zu wollen, dürfte nicht angängig sein, da auch die Jahreszeitenmittel diese Zunahme der Differenzen
bis 2500 m zeigen. Es ist auch schwer einzusehen, welcher systematische Beobachtungsfehler die
regelmäßigen Abweichungen verursacht haben könnte. Am meisten möchte man noch an einen
methodischen Fehler infolge veränderter Aufstiegsgeschwindigkeit der Piloten denken; aufsteigende
Luftbewegung oder Turbulenz, welch letztere nach Wenge r die Aufstiegsgeschwindigkeit der Piloten