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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 45 (1917)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1917. 
die überschüssig gewordenen Luftmassen wieder zurück, sobald sich der Mond 
seiner Erdferne nähert. Es ist darum anzunehmen, daß, wenn ein durch den ano- 
malistischen Mondumlauf bedingtes Maximum des Luftdrucks über Europa auftritt, 
gleichzeitig ein barometrisches Minimum der Nordpolgegend beschieden ist und 
umgekehrt. Der Luftaustausch zwischen zwei ungleich großen Räumen muß aber 
in dem kleineren, d. i. hier der Polarbereich, wesentlich stärkere Druckschwankungen 
im Gefolge haben wie in dem größeren, der in unserem Fall durch den Luftraum 
der gemäßigten Zone dargestellt wird. 
Was für den Mond sich ergeben hat, muß auch in entsprechender Weise 
für die Sonne gelten. Im Laufe eines Jahres erreicht der Abstand der Erde von 
der Sonne einen kleinsten und einen größten Wert. So befindet sich die Erde am 
1. Januar in der Sonnennähe, am 2. Juli in der Sonnenferne. Berücksichtigen wir 
den Einfluß, welchen die Sonne infolge ihrer Schwerkraftswirkung auf die Erd- 
atmosphäre ausüben muß, so kommen wir zu dem Schluß, daß nach dem zuerst 
angegebenen Zeitpunkt, also im Januar und Februar, sich über Mitteleuropa hoher 
Luftdruck einstellen sollte, während nach dem zweiten Termin, nämlich im Juli 
and August, sich niedriger Barometerstand zu zeigen hätte. Der erhöhte Barometer- 
stand im Januar ist wohl auf dem größten Teil der Karte angezeigt, aber nicht in 
dem Maße und an den Stellen, wo er in erster Linie erwartet werden durfte. Unter 
Mitberücksichtigung der Karten für Dezember und Februar scheint jedoch die 
Neigung zu einer Änderung der Luftdruckverteilung im Sinne der Mondwirkung 
auch im Januar vorhanden zu sein. Daß es nicht deutlicher in der Karte zum Ausdruck 
kommt, mag wohl in dem überwiegenden Gegeneinfluß des tropischen Sonnen- 
umlaufes seine Ursache haben. Die geforderte Luftdruckerniedrigung im Juli und 
August geht jedoch aus den Kartenbildern dieser beiden Monate in unverkennbarer 
Weise hervor. Sie wurde oben aus der verschiedenen Wärmewirkung der Sonne 
auf die Wasser- und Landmassen zu erklären gesucht. Nach unseren neugewonnenen 
Kenntnissen ist es nicht ausgeschlossen, daß zur Herbeiführung der großen Barometer- 
standsverminderung über Mitteleuropa im Laufe des Sommers auch die Mitwirkung 
der Sonnenattraktion ihr redliches Teil beigetragen hat. Gerade diese Feststellung 
zeigt uns wiederum auf das Treffendste, wie die Betrachtung der Sonnenwirkung 
durch das Studium des. Mondeinflusses auf unsere Atmosphäre in eine ganz neue 
Beleuchtung gerückt und in ihrer eigenartigen Unregelmäßigkeit unserem Ver- 
ständnis mehr oder weniger nahe gebracht werden kann. 
Welche Wirkung infolge der vereinigten Einflüsse von Sonne und Mond 
im Luftmeer zustande kommen muß, läßt sich aus den Einzelwirkungen dieser 
beiden Himmelskörper nicht in einfacher Weise herleiten. Am raschesten werden 
wir nach dieser Richtung hin aufgeklärt durch Erfahrungstatsachen, wie sie in den 
Ergebnissen für den synodischen Mondumlauf auf den Karten der Tafel 9 zum 
Ausdruck gelangen. Nach früheren Ermittlungen sind: in diesen Kartenbildern 
eine ganz- und eine halbmonatliche Änderung der Luftdruckverteilung miteinander 
verquickt. Die scharfe Trennung beider wird durch den Umstand erschwert, daß 
wegen der geringen Anzahl von KEinzelbildern der stetige Übergang von einer 
Zeichnung in eine andere nicht klar ersichtlich ist, Immerhin kann der Kartenreihe 
folgendes entnommen werden: 
Zur Zeit des Neumonds herrscht über Europa erniedrigter, 
zur Zeit des letzten Viertels durchweg erhöhter Luftdruck. Im 
übrigen besteht die Neigung für hohen Druck bei zunehmendem 
Mond mehr im Norden und Nordosten, bei abnehmendem Mond mehr 
im Süden und Südwesten unseres Erdteils. 
Bezüglich der Vollmondwirkung bleiben Zweifel offen: Aus der karto- 
graphischen Darstellung in E kann nämlich für Mitteleuropa das Bestreben zur 
Bildung eines barometrischen Maximums wie auch die Neigung zur Hervorrufung 
eines barometrischen Minimums herausgelesen werden. Für die Zeit zwischen Neu- 
mond und erstem Viertel, d. i. für die Mondphase B, zeigt unsere Karte eine ziemlich 
ausgedehnte Luftdruckerhöhung. Diese scheint aber im Hinblick auf die ent- 
sprechende Karte der Tafel 7 bezüglich des südeuropäischen Gebietes mehr zufälliger 
Art zu sein.
	        
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