Dr. H. Thor ade: Gezeitenuntersuohungen in der Deutschen Bucht der Nordsee.
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stark durchmischt, um eine eindeutige Beziehung zwischen Temperatur und Salzgehalt zu gewinnen.
Die unten angegebenen Salzgehalte sind daher keineswegs sicher, und aus diesem Grunde eingeklam
mert. Da aber die Temperaturen zuverlässig gemessen sind, so verlohnt es sich doch, hier auf die
Beschaffenheit des Wassers soweit einzugehen, wie es auf Grund dieser Beobachtungen allein möglich
ist. Durch die Wiederholung der Beobachtungen bei jedem Stauwasser, also annähernd alle sechs
Stunden, ist zudem bei Mittelbildung der tägliche Gang bis auf kleine Reste beseitigt. Es mag jedoch
vorab bemerkt werden, daß die Verhältnisse in der Deutschen Bucht sich als viel zu verwickelt her
ausstellten, um durch so wenige und kurzfristige Beobachtungen endgültig aufgeklärt zu werden, und
daß deshalb die folgenden Mitteilungen nicht etwa allgemeine Bedeutung beanspruchen können, son
dern nur zur weiteren Verfolgung anregen wollen. Schon F. Wendicke 30 ), der sich doch auf be
deutend längere Beobachtungszeiträume stützen konnte, vermochte des öfteren keinen klaren Einblick
zu gewinnen; so z. B., wenn er fand, daß im August 1910 beim Feuerschiff „Borkum Riff“ während
der ersten Tiden die Temperatur bei Flut stieg und bei Ebbe fiel, daß sie sich aber während der letzten
genau umgekehrt verhielt.
Wendicke denkt sich die Deutsche Bucht durch die Isothermen oder Isohaiinen in lauter
Streifen zerlegt, die dann in der Richtung der Gezeitenströme hin und her pendeln. Ist für einen Ort
diese Richtung, d. i. in der Regel die große Halbachse der Stromellipse, parallel zu den Streifen, so
bleibt der Ort in dem Streifen liegen, in dem er Anfangs lag, und die Änderungen von Salzgehalt und
Temperatur sind gering. Liegt aber die große Halbachse quer zu den Isothermen, so wandern im Laufe
einer Tide mehrere Streifen über ihn hinweg, und die Änderungen sind groß. Der ganze Ausschlag
eines Wasserteilchens, von der äußersten Lage bei Ebbe bis zur äußersten Lage bei Flut gemessen,
bemißt sich, in km ausgedrückt, nach der S. 22 gegebenen Faustregel, auf Vt der in cm/sec angegebenen
großen Halbachse; in Sm ausgedrückt, auf V» von ihr. Da die Linien gleicher Temperatur und glei
chen Salzgehalts zur Küste mehr oder weniger parallel sind 31 ), so war zu erwarten, daß die Gezeiten für
die Ankerorte vor Langeoog und auf der Spring- und Nipptideposition keine großen Schwankungen
von Temperatur und Salzgehalt bringen würden, wohl aber vor der Wester Till, avo außerdem die Linien
sich noch dichter drängen.
Langeoog. (17.—18. VI.) Das Kentern von Flut auf Ebbe wurde zweimal, etwa um Mitter
nacht und um Mittag, das Kentern von Ebbe auf Flui nur einmal, etwa 6\ beobachtet. Aus den beiden
ersten Reihen wurde das Mittel genommen.
Temperatur
Salzgehalt
Strom
kentert
Strom
kentert
Tiefe
voa Flut
von Ebbe
von Flut
von Ebbe
auf Ebbe
aut Flut
auf Ebbe
auf Flut
1 m
18.80°
13.98°
(32.65 %o)
(32.82 °/oo)
5 m
18.80°
13.99°
(32.66 Voo)
(32.75 °/o«)
10 m
13.68°
13.98°
(32.68 °/oo)
(32.88 °/oo)
1 m üb. Grund
13.62°
13.98°
(32.68 °/oo)
(32.76 °/«0
Gegen Ende des Flutstroms war ein geringer Temperatursprung zwischen 5 und 10 m vorhanden,
während am Ende des Ebbstroms die Temperatur in allen Schichten gleich, und um etwa 0.2° gestiegen
war; danach wäre das von Osten kommende Wasser wärmer als das westliche gewesen. Daß es da
gegen, wie obige Übersicht ergibt, auch salzreicher war, ist nicht eben wahrscheinlich.
“) F. Wendicke, a. a. O. S. 56—62, 83—84, 95—107.
31 ) Vgl. Wendicke a. a. 0. S. 105—106.
Böhnecke, (?.: Salzgehalt und Strömungen der Nordsee. V. Inst. Meeresk. N.F.A, 10. Berlin 1922, Tafel.
Atlas für Temperatur, Salzgehalt und Dichte der Nordsee und Ostsee. Her
ausgegeben v. d. Deutschen Seewarte, Hamburg 1927, S. 13—21.