Dr. H. Thora d e : Oezoi te rum tersuc-Ui iilgen in der Deutschen Bucht der Nordsee.
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Libelle nach einer falschen Richtung, einer Art Resultierenden zwischen Tiefen- und Oberstrom geneigt
wird. Darauf ist zu erwidern, daß diese Einflüsse in § 2 als unterhalb der Fehlergrenze liegend nachge
wiesen wurden. Aber selbst, wenn man eine merkliche Fälschung der Richtung annähme, so würde die
Behauptung eines Unterschiedes in den Stromrichtungen dadurch nur bestärkt, da eine solche Biegung
der Leine nur eine gegenseitige Angleichung der abgelesenen Richtungen bewirken würde. Ginge z. B.
der Oberflächenstrom nach W, der Tiefenstrom nach N, so würde der Pendelkörper nach N getrieben
und die oberen Teile der Leine ein wenig nach W gedrückt. Man würde also etwa NNW oder NW ab
lesen, und die Ellipse für die Tiefe würde schmäler ausfallen als sie sollte. Die wirkliche Ellipse wäre
also noch breiter als die berechnete. Ähnlich liegt es im umgekehrten Falle.
Es ist zu bemerken, daß, außer in der 10 m-Tiefe. die Ellipsen um Nippzeit überall verhältnismäßig
breiter sind als zur Springzeit. Aus den Nr. 40, 41, 43, 44 ist der Grund leicht zu erkennen. Die große
Achse der Sh-Ellipse fällt nahezu in die große Achse der MVEllipse. Wenn die Phasen von S' 2 und M' 2
gleich sind, d. i. bei Springtide, so ist die große Halbachse der Ellipse gleich ihrer Summe; bei entgegen
gesetzter Phase, d. i. bei Nipptide, hat man die Differenz zu nehmen, während die kleine Achse nur wenig
beeinflußt wird. Wird dagegen auch die kleine Achse merklich verändert, z. B. in der 10 m-Tiefe, so
macht man sich leicht klar, daß etwa 8 Tiden nach der in Nr. 42, Taf. 3, dargestellten (Abstand zweier
Punkte = zwei Tiden) die resultierende Ellipse am schmälsten ausfallen muß.
3) Die Form der Stromrosen weicht teilweise erheblich von der reinen Ellipse ab, s. Taf. 3,
Nr. 37—46, infolge von Unregelmäßigkeiten, die ihren Ausdruck in den sogleich zu besprechenden Neben
tiden finden, und die auch die Ursache dafür sind, daß Ebb- und Flutstrom, d. i. annähernd westlicher
nnd östlicher Strom, wie bereits aus den Zusammenstellungen S. 47 hervorgeht, weder gleiche Dauer
noch gleiche Geschwindigkeit haben. Die Zahlen mögen hier noch einmal nebeneinander gestellt, und
das Verhältnis des stärksten Ebbstroms zum stärksten Flutstrom mag dazu geschrieben werden:
Spring- und Nipptideposition.
Stärkster
Ebbstrom
Stärkster
PI nt ström
Dauer des
Dauer des
Stärkster Ebbsirom :
Tiefe
ku
kn
Ebbstroms
Flutstroms
Stärkster
Flutstrom
Springzt.
Nippzt.
Springzt.
Nippzt.
Springzt.
N ippzt.
Springzt.
Nippzt.
Springzt.
Nippzt.
lm
1.3
1.0
1.5
1.2
6 iS
6 3S
5 5il
5 : »
85 %
88 %
5 m
1.4
1.0
1.5
1.1
6 ,A
6”
007
012
95 %
89 %
10 m
1.2
1.0
1.2
l.l
6«*
6®*
01M
000
102 %
92 %
20 in
1.1
0.9
1.3
0.9
6“
6°*
6 11
020
91 %
95 %
1 ui iib.Ord.
0.8
0.5
0.8
0.6 -
6 W
6 1J
00*
5 45
103 %
92 %
Mittel
6. u
6. 37
6."*
6.« ä
95 %
91 %
Mittel 93 °/o
Trotz einiger Schwankungen kann mit Sicherheit festgestellt werden, daß der Flutstrom merklich stärker
war als der Ebbstrom, indem letzterer nur 93% der Stärke des Flutstroms erreichte. Die Bewegung bleibt
trotzdem periodisch, und eine dauernde Wasserversetzung tritt nicht ein, weil einmal der Ebbstrom ins
gesamt länger dauert (im Mittel 104% von der Dauer des Flutstroms), dann aber auch, weil der Ebbstrom
sich verschiedentlich über einen größeren Sektor verteilt (s. bes. Nr. 40, 41, 45, 46), was (man denke an
den Flächensatz) eine kürzere Dauer des stärksten Stroms bedeutet, da er bald durch schwächere abge
löst wird.
Die Nebentiden 3h, 3% (S. S. 46) bringen die Unregelmäßigkeiten rechnerisch zum Ausdruck;
zu ihnen kommen die Ein- und die L-Tagst¡de L, und ? s . Man kann ihren Einfluß im Verhältnis zur
Haupttide 3h abschätzen, wenn man die entsprechenden Stromellipsen zeichnet, wie im einzelnen Beispiele
Nr. 52, Taf. 3; die übrigen mögen hier fortbleiben, und es mag genügen, ihre großen Halbachsen
a„ a 2 . . . a,.., d. i. den stärksten Strom, in om/sec und in % der Haupttide a. anzuführen, wobei man nur