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Volltext : 46, 1928/1929

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Aus  dem  Archiv  der  Deutschen  Seewarte.  —  46.  Bd.  Nr.  3.

hörigen  ihren  Anfangspunkt  ©  bereits  ein  wenig  überschritten  haben;  beide  Vektoren  werden  in  derjenigen ­
  Tide  sich  zu  einem  Maximum  zusammensetzen,  in  der  sie  —  man  vergleiche  die  Nr.  40—44  —
etwa  zu  gleicher  Zeit  ihr  Maximum  haben,  da  dann  ihre  Richtungen  annähernd  zusammenfallen.  Die
Stromellipsen  lassen  nun  erkennen,  daß  der  MVVektor  seine  größte  Geschwindigkeit  etwa  um  die  Mondstunde ­
  2—2Vi  hatte;  der  S 2 '-Vektor  würde  in  dieser  Zeit  aber  seinen  höchsten  Betrag  gemäß  den
Ellipsen  für  10  m  Tiefe,  Nr.  42,  die  die  Verhältnisse  am  klarsten  wiedergeben,  um  ungefähr  2  Stunden
überschritten  haben.  Damit  beide  Maxima  gleichzeitig  eintreten,  müßte  man  den  Anfangspunkt  ©  von
S ä '  um  etwa  2 h  rückwärts  verschieben;  da  M/  und  S/  sich  in  einer  Tide  um  etwa  l A  Stunde  gegen  einander ­
  verschieben,  so  würde  dies  bedeuten,  daß  die  Springtide  um  etwa  4  Tiden  oder  2  Tage  eher  stattfand, ­
  als  angenommen  war,  daß  also  der  Zeitpunkt  „Spring“  nicht  5 50  am  20.  VI.,  sondern  etwa  5 h  am
18.  VI.  gewesen  wäre.  Der  Betrag  ist  zu  groß,  um  nur  auf  Beobachtungsfehler  oder  unperiodische
Einflüsse  zurückgeführt  werden  zu  können,  sondern  die  fluterzeugenden  Kräfte  der  Gestirne  müssen
dabei  mitgewirkt  haben.  Diese  Kräfte  sind  am  einfachsten  zu  übersehen,  wenn  man  die  Vorausberechnungen ­
  für  1924  heranzieht.  Die  „Gezeitentafeln  für  das  Jahr  1924“  geben  für  Helgoland  an:

Hochwasser

Niedrigwasser

Datum

Zeit

Höhe

Zeit  Höhe

18.  VI.

O 3

2.7  m

7°  0.1  m

1 2 30

2.8  m

19 M  0.0  m

19.  VI.

o 55

2.7  m

7 50  0.0  m

13 15

2.8  m

20*°  —O.l  m

20.  VI.

-^50

2.6  m

8 35  0.0  m

14 3

2.8  m

21®  —O.lm

21.  VI.

2«

2.5  m

9 13  0.0  m

14 M

2.8  m

21 45  —0.1  m

Trägt  man  die  Höhen  von  Hoch-  und  Niedrigwasser  graphisch  auf  und  legt  ausgleichende  Kurven  durch
die  Punktgruppen,  so  findet  man  leicht,  daß  die  beiden  Kurven  ihren  größten  Abstand  um  etwa  6  Uhr
am  19.  VI.  haben,  daß  also  infolge  der  Parallaxe  u.  a.  Ursachen  die  größte  Tide  einen  Tag  eher  erwartet ­
  wurde  als  sie  bei  normaler  Springverspätung  hätte  stattfinden  sollen.  Wenn  man  mit  den  beobachteten ­
  Wasserständen  (Tab.  2,  S.  30  ff.)  ebenso  verfährt,  so  erhält  man  den  größten  Abstand  beider
Kurven  sogar  am  Nachmittage  des  18.  VI.  Damit  dürfte  sich  die  beobachtete  Verkürzung  der  Springverspätung ­
  um  2  Tage  zum  großen  Teile  aufklären.
Der  verbleibende  Rest  freilich  von  etwa  12  Stunden  bleibt  so  rätselhaft,  wie  das  Wesen  der  Springverspätung ­
  überhaupt.  Auch  internationale  Beobachtungen  deuten  darauf  hin,  als  ob  für  die  Strömungen ­
  eine  andere  Springverspätung  gelten  sollte  als  für  den  Tidenhub,  was  vor  der  Hand  nicht  erklärt
werden  kann.  Auf  der  holländischen  Beobachtungsstation  H  in  54°  9'  N-Br.,  4°  51,4'  O-Lg  (Wassertiefe
42  m) 13 )  wurde  mit  dem  Ekman-Strommesser  vom  1.—15.  VI.  1911  der  Strom  beobachtet.  Beschränkt
man  sich,  um  die  gröbsten  Deviationsfehler  auszuscheiden,  auf  die  30  m-Tiefe,  so  waren  hier  die  großen
Achsen  der  M 2 -  und  S 2 -Ellipse  beide  fast  nordöstlich  gerichtet,  und  die  kleinen  Achsen  so  kurz,  so  daß
man  die  Nordostströmung  ohne  Weiteres  als  maßgebend  ansehen  kann.  Die  x-Zahlen  sind  213°  für
M 2  und  244°  für  S 2 ,  und  die  Springverspätung  würde  daher  1/  Tag  sein,  während  die  Karte  von  Mer  z 14 )
für  den  Tidenhub  eine  solche  von  2'Ä  Tagen  ergibt.
Wenn  man  die  halbmonatliche  Ungleichheit  des  Tidenhubs  bekanntlich  durch  das  Verhältnis
(M 2  —-  S 2 ):  (M 2  +  S 2 )  darstellen  kann,  so  ist  das  bei  Strömungen  nicht  möglich,  weil  hier  M 2  und  S 2  als
Vektoren  je  durch  zwei  Komponenten  gegeben  sind,  und  weil  das  Verhältnis  der  Ostkomponenten  anders
ist  als  der  der  Nordkomponenten.  Man  kann  aber  den  Mittelwert  w  aller  Stromgeschwindigkeiten  wäh-  *  **)
u )  Bull.  Hydrogr.,  Cons.  Permau.  intern,  pour  l'expl.  de  la  mer,  1910—1911,  Kopenhagen,  Kontin.  Hydrogr,
Beoh.,  S.  66—67.
**)  Nordseehandbuch,  Südlicher  Teil,  Berlin  1925,  S.  36.
            
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