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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 46. Bd. Nr. 3.
gleichheit <s. u.) die mittlere Tide doppelt genommen; eine solche Bevorzugung gegenüber den beiden
anderen konnte um so weniger Bedenken wecken, weil der Wind, die ganze Zeit hindurch last stets aus
NW bis NO kommend, in der zweiten Tide auf weniger als 2 Bit. abflaute, während er in der ersten
und in der letzten gelegentlich Stärke 3, zum Schlüsse sogar vereinzelt Stärke 4 erreichte. Im Mittel
der drei Tiden ergeben sich danach als größte Geschwindigkeiten:
Stärkster Ebbstrom Stärkster Flutstrom
13—15. YI. 1924 Vermut!. Mittel 4 ) 13. bis 15. VI. 1924 Vermutl. Mittel 4 )
in
1 m
Tiefe
2.7 kn
(2.6 kn)
2.4 kn
(2.3 kn)
5 „
2.7 „
(2.6 „ )
2.5 „
(2.3 „ )
10 „
2.8 „
(2.6 „ )
2.5 „
(2.3 „ )
15 „
1.9 „
(1.8 „ )
1.6 „
(1-7 „ )
Doch kann die Geschwindigkeit im Einzelfalle noch beträchtlich vergrößert oder ver
kleinert tverden durch Reststrom und tägliche Ungleichheit, tvie aus den Ergebnissen
der harmonischen Analyse für den 13.—15. VI., bezogen auf den oberen Meridiandurchgang des Mondes
in Greenwich, hervorgeht:
Vor Büsum.
Ostkomponente, cm/sec.
Tiefe
U 0
u*
«X
u 2
Ott
%,
u s
"s
U 4
s 4
0-1
2«
u 6
<*6
Mittiere Fehler
des Ergebnisses
1 m
— 11.0
8.7
26°
121.1
270°
10.8
163°
19.9
298°
9.2
105°
± 4.7
5 „
— 2.4
9.1
65°
122.1
273°
7.8
183°
19.1
305°
7.6
98°
± 3.3
10 „
1.3
5.6
135°
116.4
275°
6.4
170°
24.9
303°
16.8
107°
± 6.7
15 „
+ 0.5
3.4
45°
87.9
269°
1.1
203°
16.6
272°
0.5
298°
± 4.2
Tiefe
V 0
V,
fii
A's
Nordkomponente, cm/sec.
ßt V 8 ß s V 4
ß*
v«
lk
Mittlere Fehler
des Ergebnisses
lm
—13.2
5.0
0°
24.3
89°
1.7
27°
7.7
49°
2.1
321°
± 2.0
5 „
-f 0.7
1.1
119°
33.6
93°
3.3
264°
9.7
53°
5.9
141°
± 2.6
10 „
0.7
3.0
75°
32.2
95°
1.4
265°
5.9
124°
1.2
110°
± 2.1
15 „
0.9
1.8
114°
25.4
94°
0.9
O
O
8
4.5
122°
3.2
171°
± 2.2
Zumindest an der Oberfläche wies also der Reststrom, dessen zeitliche Schwankungen während
des Beobachtungszeitraums als unerheblich übergangen sein mögen, eine mittlere Geschwindigkeit von
Y 11.0’ +13.2' — 17.2 cm/sec. in fast südwestlicher Richtung auf (s. Nr. 20, Taf. 2), Avährend er in den
Tiefen von 5 m ab Aveit geringer als der mittlere Fehler war. Vermutlich Avar die Oberflächenströmung
eine Wirkung der um Nord schAvankenden sclrwachen Winde, die es dann immerhin vermocht hätten,
die allgemeine nach Norden gerichtete Oberflächenströmung auf dem Watt der Schleswig-Holsteinischen
Küste in ihr Gegenteil zu verkehren, die aber die tieferen Wasserteilchen Avohl nur aufhalten, nicht nach
SW hätten treiben können.
Freilich könnte man außerdem daran denken, daß geringe „Obertiden“ vorgespiegelt seien durch
periodischen Wechsel des Windes, ohne daß sie auf kosmischen Ursachen zu beruhen brauchten; aber
sie treten doch zum großen Teil durch verschiedene Tiefen hindurch zu gleichförmig auf, als daß dem
Winde mehr als eine gelegentliche MitAvirkung zugeschrieben Averden könnte. Namentlich in der Ost-
4 ) Das „vermutliche Mittel" für eine Mondperiode wurde in ähnlicher Weise wie für die Jade (S. 36 be
rechnet. Da der Pegel in Büsum bei Niedrigwasser trocken fällt, wurde auf den Coxhavener zurückgegriffen, der
für die drei Tiden einen Hub von 304 cm verzeichnete, gegenüber einem langjährigen Mittel von 284 cm; die vom
13.—15. VI. beobachteten Stromgeschwindigkeiten wurden daher im Verhältnis 284:304 verkleinert. Die Geschwindig
keiten für Spring- und Nipptide ergeben sich, da die entsprechenden Hübe in Cuxhaven = 318 cm und 243 cm sind,
leicht dadurch, daß man die „vermutlichen Mittel" um 1 /s ihres Wertes vergrößert bzw. um 1 /r verkleinert.