11
Dr. H. Thor ade: Gezeitenuntersuehungen in der Deutschen Bucht der Nordsee.
§ 3. Strommessung mit dem Propellerstrommesser von Ekman-Merz.
Mit diesem Instrumente verhält es sich umgekehrt: Die Geschwindigkeitsangaben sind in dem hier
gebotenen Rahmen der Genauigkeit einwandfrei, dagegen sind beim Gebrauch auf eisernen Schiffen die
Richtungsangaben durch die Deviation der Kompaßnadel beeinflußt. Zwar war der „Panther“ ein aus
Eisen und Holz gebautes Kompositschiff (Länge 66,9 m, Breite 9,7 m, Tiefgang 3,3—3,5 m), aber die
Deviation war trotzdem recht beträchtlich. Es ist nicht nötig, die Frage der Deviation, so wichtig sie
ist, hier in aller Breite zu behandeln, da sie in den letzten Jahren wiederholt erörtert wurde 4 5 ), und da
außerdem die Richtungsangaben des Ekman-Merz - Strommessers hier entbehrlich sind, weil die des
J a c o b s e n - Strommessers zur Verfügung stehen. Es mag daher genügen, hier auf drei Punkte hinzu
weisen, auf die durch die „Panther“-beobachtungen neues Licht fällt:
a) Die zeitliche Änderung der Deviation,
b) die Streuung der Werte, und
c) die „Deviationstiefe“, d. i. die Tiefe, in der die Deviation hinreichend klein wird, um unbeachtet
zu bleiben.
Vorab einige allgemeinere Bemerkungen über die Deviation. Oben wurde ausge-
führt, daß die Angaben beider Strommesser vergleichbar sind (S. 9), und daß für die Stromrichtung
die Beobachtungen am Libellenstrommesser zu Grunde gelegt werden dürfen. Die Differenz der Rich
tungsangaben beider Instrumente, befreit von der magnetischen Mißweisung, kann daher als Deviation
gelten und ist in ihrer Abhängigkeit vom Schiffskurs in Tafel 1, Nr. 4—6 für 1 m, 10 m und 27—33 m
Tiefe dargestellt; die Zusammenfassung der letzteren Tiefen war notwendig, weil sonst zu wenig Beob
achtungen vorhanden gewesen wären; sie bedingt natürlich eine vergrößerte Streuung. Die entsprechen
den Darstellungen für 5 m und 20 m Tiefe wurden hier aus Raumgründen fortgelassen. Zweifelhafte
Beobachtungen und auch solche, bei denen die Kugeln im Propellerstrommesser über mehr als 60° ver
streut lagen, blieben fort. Um bei der großen Zerstreuung der Werte mittlere Kurven zu erhalten,
wurden, ähnlich wie L. Möller verfuhr, die Kurse von 20° zu 20° zusammengefaßt und für jede
Gruppe das Mittel der in sie fallenden De
viations-Beträge gebildet, wobei solche bei
seite blieben, die über 100° vom Mittel ab
wichen. Durch die für jeden 20° breiten
Streifen erhaltenen Werte wurde eine aus
gleichende Linie gelegt.
Die Deviation war überwiegend halb-
kreisig, indem sie einmal von westlichen zu
östlichen Werten und dann umgekehrt über
ging. Das deutet auf ein Vor wiegen des
festen und halbfesten Schifismagnetismus. Denkt man sich diesen im unteren Teile des Schiffes in
einem Nordpol konzentriert, so würde, wenn der Strommesser Backbords querab hängt, bei östlichem
Schiffskurs die Deviation = 0 sein (Abb. 4a), und die Richtkraft des Erdmagnetismus würde verstärkt
werden. Bei ONO-Kurs würde der Südpol nach rechts gezogen, die Deviation also westlich sein, bei
OSO-Kurs östlich; der Übergang väre ein allmählicher. Bei W-Kurs (Abb. 4b) dagegen würde die
4 ) Eine näliere Beschreibung des Instruments erübrigt sich angesichts der eingehenden Darstellung von Merz
(VeröfT. Imst. f. Meeresk., N. F., A., Belt 7, S. 11—18) und der infolge seiner Handlichkeit in den letzten Jahren zu
nehmenden Verbreitung.
5 ) A. Schumacher, Beobachtungen über die Deviation der Kompaßnadel kn Ekman-Strommesser. Ann d. Hydr.
1923, S. 142.
H. Thorade, Schiffsmagnetismus und E k m an - Mera-S trommesse r. Ebda. S. 146. Eine umfassende Darstellung gab
L. Möller, Die Deviation bei Strommessungen im Meere. Veröff. Inst. Meeresk. N. F. A, Heft 13, Berlin 1924.
Ein Auszug aus der obigen Darstellung (Beobachtungen vom Juni 1924) liegt vor in
H. Thorade, Zur Kenntnis der Deviation hei Strommessungen. Ann. d. Hydr. 1927, S. 135.
i n
Kompaßnadel
c
Abbildung 4a
•">
•N
3
Kompaßnadel
Abbildung 4b.