Dr. H. Thor ade: Gezeitenuntersuchungen in der Deutschen Bucht der Nordsee.
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beugung möglichst klein zu halten. Nach Untersuchungen von Wieselsberger 2 ) sollte sich bei
150 cm/sec Geschwindigkeit sein Widerstand zu dem eines 1.7 mm dicken Drahtes verhalten wie 8 :15.
Um aber auch hier ein unabhängiges Urteil zu gewinnen, wurden Schleppversuche in der Hamburger
Schiffbauversuchsanstalt vorgenommen und u. a. folgende Winkel festgestellt:
Pendelkörper (Lot)
0 m
Tiefe
6 m
Tiefe
(Gewicht in Wasser!)
Geschwindigkeit
Kippwinkel
Geschwindigkeit
Kippwinkel
5,7 kg
61,5 cm/sec
2°
61,0 cm/sec
4,5°
5,7 kg
74,3
4°
74,3
6,5°
5,7 ' .
103,2
6,3°
104,1
12,5°
5,7
118,8
9,5°
118,1
14°
10,7
118,0
6,5°
117,7
11°
10,7
128,0
10,3°
131,0
14°
16,4
.128,0
10°
136,0
12,4°
16,4
148,0
13,5°
148,0
16°
Die langsameren Fahrten, bei denen die Zylinder angehängt waren, erbrachten nur geringe Unterschiede
in den Kippwinkeln, was offenbar daher rührt, daß ihre Fläche gegenüber der des Drahtes zu sehr
überwog, um den Widerstand des Drahtes noch zur Geltung kommen zu lassen.
Eine nähere Auswertung der Schleppversuche muß hier unterbleiben; denn einmal führte eine
theoretische Entwicklung und der Versuch einer Ausgleichsrechnung nach der Methode der kleinsten
Quadrate nur zu sehr wenig befriedigenden Werten, und dann ist ein Unterschied zu machen
zwischen Schleppversuchen in ruhendem und Strombeobachtungen in turbulentem
Wasser. Man vergleiche hierzu nur die Taf. 1 Nr. 3, die einen systematischen Unterschied aufweist
zwischen den drei in einer schwach gebogenen Linie liegenden Ablesungen aus den Schleppversuchen
und dem Vergleich der Kippwinkel mit den am Ekman-Merz-Strommesser beobachteten Umdreh
ungszahlen. Die Nr. 3 ist nur eine von vielen derartigen Darstellungen für verschiedene Pendelkörper
und verschiedene Tiefen, und es ist absichtlich dort als Beispiel die 1 m-Tiefe ausgewählt, weil hier
der Fehler durch die Drahtbiegung noch ausscheidet.
Nun mag man allerdings gegen einen solchen Vergleich zwei Ein wände erheben: Erstens war der
Strommesser nur 1 m vom Schiff entfernt ausgebracht, und wenn der Schiffskörper die Strömung be
einflußte, eine Frage, die unten (§ 4, S. 13) noch zu behandeln ist, so könnte ein solcher Vergleich un
gerechtfertigt erscheinen. Dagegen ist zu sagen, daß beide Instrumente, der Libellen- und der Propeller
strommesser, in 1 m Abstand vom Schiffe versenkt waren, daß sie nicht weit von einander, dagegen ziem
lich weit vom Bug oder Heck entfernt und also dem gleichen Strome ausgesetzt waren, mochte dieser
nun dem wahren Strome weit ab vom Schiffe entsprechen, oder durch den Schiffskörper gefälscht sein.
Zweitens aber könnte man einwenden, daß ja auch der Propellerstrommesser durch Schleppversuche
geeicht war, und daß er möglicherweise im turbulenten Wasser andere Umdrehungszahlen besitzen
könnte. Um auch diesen Punkt klarzustellen, wurden verschiedene Propellerstrommesser in der Elbe
unterhalb Hamburgs, also in turbulentem Wasser, geprüft, indem sie dicht unter der Oberfläche in Be
trieb gesetzt und ihre Umdrehungszahlen mit der Geschwindigkeit gewöhnlicher Logscheite verglichen
wurden, deren Vorbeitreiben an zwei festen Marken mit der Stoppuhr beobachtet werden konnte. Die
hieraus berechneten Stromgeschwindigkeiten (von 30—60 cm/sec) erwiesen sich als im Einklänge mit
den aus Schleppversuchen gewonnenen Aichkurven, ein Ergebnis, das durch Untersuchungen von Strick-
1 e r 3 ) bestätigt wird; er konnte zeigen, daß die Turbulenz des Wassers bei hydrometrischen Flügeln für
’) Pliys. Ztsehr. 1921, S. 321—328. Die entsprechenden Keynoldschen Zahlen für 150 om/sec, hei 12% ° C nnd 32% 0 / 90
würden sein: 960 bzw. 1990, die Widerstandskoeffizianten c = 1,0 nnd 0,9, also das Verhältnis der Widerstände
(0,08.1) : (0,17.0,9) = 8:15.
s ) Str¡ekler, Untersuchungen über hydrometrische Flügel. (Mitt. d. Amts f. Wasserwirtsch., Nr. 18, Bern 1926,
8. 127—198.)