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Full text: 45, 1928

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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 45. Bd, Heft 1. 
41) Temperaturvorhersagen in Wärmegraden. 
Bei den Vorhersagen der Temperaturänderung kann der Vorhersager z. B. am 17. eines Monats 
richtig annehmen, daß die Temperatur stark sinken wird. Er erwartet jedoch zu Unrecht diesen Tem 
peratursturz erst am 18., tatsächlich erfolgt er bereits am 17. nachmittags, so daß der Vorhersager sich 
also nur in der Eintrittszeit des Temperatursturzes geirrt hat; nicht aber darin, daß überhaupt ein Tem 
peratursturz zu erwarten w T ar. Es ergibt sich mithin für den 17. eine erheblich tiefere Mitteltemperatur 
als der Vorhersager bei der Aufstellung seiner Vorhersage für den 18. am Mittag des 17. angenommen 
hat. Die Mitteltemperatur des 18. habe der Vorhersager durchaus richtig eingeschätzt; seine Vorher 
sage der Temperaturänderung ist aber durch die falsche Einschätzung der Eintrittszeit des Temperatur 
sturzes falsch geworden. Es ist daher der Wunsch durchaus berechtigt., die Mitteltemperatur in 
Wärmegraden statt der Temperaturänderung vorherzusagen, worauf mich dankenswerter 
Weise der Leiter der Berliner Wetterdienststelle des öffentlichen Wetterdienstes Herr Professor Dr. 
W. König hingewiesen hat. 
Diesem zweifellosen Vorteil der Temperatur-Vorhersagen in Wärmegraden steht nun aber als Nach 
teil gegenüber, daß die interdiurnen Temperaturänderungen über größeren Gebieten erheblich geringeren 
Schwankungen unterliegen dürften als wegen ihrer örtlichen Verschiedenheiten zu demselben Zeitpunkt 
die Temperaturen selbst, was bei der Prüfung von Temperatur-Vorher sagen für größere Gebiete den 
Ausschlag geben kann. Aber erst die Erfahrung kann m. E. zeigen, welche Vorhersage den Vorzug ver 
dient, nämlich die der Temperaturänderung oder die der Temperatur in Wärmegraden. Vielleicht kommt 
man auch zu verschiedenen Ergebnissen, je nachdem ob die Vorhersagen für einzelne Orte, oder ob sie 
für größere Gebiete geprüft werden. 
Selbstverständlich kann und wird man Wetterdienst-Vorhersagen für die mittlere Tagestemperatur 
nicht auf zehntel Grade G genau geben, sondern sich z. B. in Deutschland bei einer interdiurnen Tem 
peraturänderung von 1.47° für Hamburg auf ganze Grade beschränken; während man für Gegenden 
mit erheblich geringerer interdiurner Temperaturänderung, wie z. B. 0.54° für Daressalam”) die mittlere 
Tagestemperatur auf halbe Grade genau Vorhersagen dürfte. 
Es sei t x die mittlere Tagestemperatur eines Ortes nach den 24 Stundenwerten von 1 bis 24 Uhr z. B. 
für den 17. eines Monats; t 2 die in gleicher Weise abgeleitete Mitteltemperatur des nächsten Tages, also 
des 18.; t die mit der Wetterdienst-Vorhersage für den 18. angegebene Temperatur; c die mit der statisti 
schen Vorhersage für den 18. angegebene Temperatur, also das Mittel aus den 24 Stundenwerten vom 
16. um 13 Uhr bis zum 17. um 12 Uhr; i wieder die mittlere interdiurne Temperaturänderung. 
Die aus den Thermographen-Aufzeichnungen ermittelte Temperaturänderung (t 2 — t x ) erhalte bei 
der Verwendung von zwei Schwellwerten als Bezeichnung: 
a bzw. a', wenn (t 2 — t x ) ä 2/ ist”), 
b bzw'. b’, wenn 2/ > (t % — t x ) ä l ist, 
c bzw r . c', wenn /> (t 2 — tj> — iist, 
d bzw. d', wenn— (t 2 — f t )> — 2/ist, 
e bzw. e', wenn — 2i ¡= (t 2 — ij ist. 
Bei diesen Bezeichnungen ist z. B. + 24 > -f- 23 und — 23 > — 24. 
Der Temperaturunterschied (t 2 — t x ) ist unabhängig von der Vorhersage. Er bleibt daher für die 
selbe Vorhersagezeit unverändert, gleichgiltig ob für diese Vorhersagezeit eine Wetterdienst-Vorhersage 
oder eine statistische Vorhersage gegeben ist. Ist nach der Wetterdienst-Vorhersage der mittleren Tages 
temperatur die Bezeichnung a für den Unterschied (t., — tj einer Vorhersagezeit gegeben, so muß also 
nach der statistischen Vorhersage für dieselbe Vorhersagezeit a' gegeben werden. 
”) Siehe diese Arbeit Seite 53 Zusammenstellung Nr. 7, Reihe Daressalam Gesamtzeit, Spalte 4. 
”) a, b, c, d, e bei Verwendung der Wetterdienst-Vorhersage; a’, //, c', d', e' bei Verwendung der statistischen 
Vorhersage.
	        
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