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Volltext : 45, 1928

Dr.  Paul  Perlewitz:  Höhen  windmessungen  und  andere  Beobachtungen  zwischen  dem  Kanal  und  dem  La  Plata.  43

Für  die  Darstellung  der  augenblicklichen  Witterung  eines  Ortes  ist  die  Sichtangabe ­
  fast  ebenso  wichtig,  wie  die  Angabe  des  Bewölkungsgrades  oder  anderer  meteorologischer
Elemente.  Als  „Endziel“  fordert  A.  Peppler 21 )  in  einer  ersten  eingehenden  Darstellung  der  Sichtverhältnisse ­
  eines  Ortes  (von  Karlsruhe)  allgemein  „die  Feststellung  der  Sichtverhältnisse  der  verschiedenen ­
  Landschaften  unseres  Planeten“.  Zur  Beurteilung  des  kommenden  Wetters  ist  die  Sicht  in  bewußter ­
  oder  unbewußter  Vereinigung  mit  dem  Himmelszustand  für  den  Land-  und  Seemann  sogar  das  Hauptmittel, ­
  nach  dem  er  seine  kurzfristige  Wetterprognose  als  eine  Gefühls-  und  Gesichtsprognose  macht.
Er  benutzt  dabei  nicht  eine  einzelne  Sichtmessung,  sondern  eine  Folge  von  solchen.  Die  Sichtmessungen ­
  geben  also  ein  Maß'in  Zahl  und  Formel  für  einen  erheblichen  Teil  der
intuitiven  Wetterprognose  des  See  -  und  Landmanns  im  Freien  (vergl.  auch  Dannmeyer ­
  siehe  oben  Seite  112).  Daß  diese  Prognose  eine  Berechtigung  hat,  geht  schon  daraus  hervor,  daß
niemand  behaupten  wird,  daß  die  kurzfristige  Wettervorhersage  des  Landmanns  auf  dem  Lande  und

Büd  11.
Sichtkurve  im  Südostpassat  des  Atlantik
in  16°  Südbreite  am  25.  Mai  1924,  9  Uhr.
(x-Beobachtungen  der  relativen  Siebt  der  Kimm
im  Umkreis  von  360°).
des  Seemanns  auf  See  nur  eine  Zufallsprognose  oder  eine  Blindlings  Prognose  ist.  Selbstverständlich  gilt
diese  Land-  und  Seemannsprognose  nicht  für  solange  Zeit  im  voraus,  wie  die  des  Meteorologen  nach  der
Wetterkarte,  aber  sie  ist  für  die  ersten  Stunden  oft  nicht  schlechter  als  die  des  Meteorologen.
Zur  vollständigen  Darstellung  des  Wetterzustands  eines  Ortes  müßte  man  die  Sicht  nicht  nur  im
Horizont,  sondern  auch  nach  dem  Zenith  und  in  bestimmten  Zenithabständen,  also  am  ganzen  Himmelsgewölbe, ­
  messen.  Aber  für  die  Praxis  genügen  im  allgemeinen  4  Beobachtungen,  wie  sie  an
Bord  der  „Minden“  durchgeführt  worden  sind,  und  zwar  im  Abstand  von  je  90°.  Bei  gleicher  Sicht  nach
allen  Richtungen  ist  die  Sichtkurve  ein  Kreis.  Ist  das  Wetter  böig  und  wechselnd,  so  müssen  noch
Zwischensichtmessungen  vorgenommen  werden,  wie  es  bei  der  als  Beispiel  hier  dargestellten  Sichtkurve ­
  vom  25.  Mai  (vergl.  Bild  11)  geschehen  ist.  Solche  Sichtkurven  sind  sehr  anschaulich;  sie  können
zugleich  das  Abbild  der  Böigkeit  des  Wetters  im  Gesichtskreis  des  Beobachtungsortes  sein.
Da  die  Sicht  von  der  Luftreinheit  abhängt  und  diese  die  Himmelspolarisation  beeinflußt,  so
kann  man  auch  Polarisationsbeobachtungen,  die  auf  der  Reise  allerdings  nicht  angestellt  wurden,  zur
Beurteilung  der  Sicht  mitbenutzen.
Die  täglichen  Sichtmessungen  an  Bord  der  „Minden“  sind  in  der  folgenden  Tabelle  8  zusammengestellt.

**)  A.  Pepler,  Ergebnisse  von  Sichtmessungen  in  Karlsruhe  usw.  Beiträge  zur  Physik  d.  fr.  At.  Bd.  13,  1927.
            
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