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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 45. Bd. Heft 3.
werden, ob der Wind in noch größerer Höhe nach West drehte und mit dem hohen Westwind der
Aufstiege weiter nördlich (34 und 35) oder weiter südlich (48) zusammenhing.
Bei dem charakteristischen Aufstieg Nr. 86 aus der Südostpassatzone, der in etwa gleicher meteo
rologischer Breite wie Nr. 43 mit Rücksicht auf die Jahreszeit liegt, hahen wir in großer Höhe eben
falls Westwind! Es war ein besonders großes Glück, daß bei Aufstieg 86 bis über 17 km Höhe beob
achtet werden konnte und deutlich eine Westwindtrift festgestellt wurde, die eine Mächtigkeit von 3 km
oder mehr nach oben hin hatte; von 17 bis 20 km Höhe wurde nämlich ein Südwest von 10 mps ge
messen. Andere hohe Aufstiege fehlen leider aus dem Südostpassatgürtel, in dem bis 6 km Höhe stets
östliche bis südöstliche Winde beobachtet wurden.
Der Höhenwestwind bei Aufstieg 86 wurde in 5° Südbreite Ende Mai von 17 km an festgestellt,
erst in 17° Südbreite treffen wir ihn in 5 km Höhe wieder und in 21° Südbreite am Boden. Die typische
Neigung der Grenzfläche zwischen der passatischen Osttrift gegen die subtropische Westtrift, wie sie
im Nordatlantik vielfach beobachtet worden ist, wurde hier zum ersten Male auch für den Südatlantik
und Südostpassatkörper festgestellt.
Eine lokale Beeinflussung der Höhenwinde bei Aufstieg 86 durch die Insel St. Antao wäre an
sich möglich, doch konnte sie im vorliegenden Fall nicht nachgewiesen werden.
Zu bemerken wäre noch, daß der Bodenpassat im Bereich der Aufstiege 81 bis 86, also in 4° bis
11° Südbreite fast rein östlich wehte, während er bei Aufstieg 87 in 2° Südbreite und zwischen 11° und
20° Breite südöstlich war.
Gruppe VII. Südliches Roßbreitenhoch.
Die Wolkenbeobachtung 47/48, nach der in 15° Südbreite ci kaum merklich aus SSW ziehen, und
der Aufstieg 52 mit SSW-Wind vom Boden bis 3 1cm Höhe zeigen an, daß wir uns in 15 bis 22° Süd
breite an der Südseite des Passats befinden. Hohe Ballonaufstiege aus diesem Gürtel fehlen. Von Land
aus, von Santos, gelangen einige höhere Aufstiege, einmal bis 9 und einmal bis 11 km, die aber die
gestörten lokalen Verhältnisse über der Küste geben. Sie zeigen vor allem einen starken Windwechsel
in der Höhe und das Vorherrschen schwacher Winde.
Am charakteristischsten sind aus dieser auffallend breiten Übergangszone, die sich über 8 Breiten
grade erstreckt, die Aufstiege 78 bis 75. Unten weht bei 77 und 78 noch SO-Wind, oben, und zwar
schon von 4 Kilometer Höhe an, durchweg NO-Wind. Von Aufstieg 77, also von 19° Breite an südwärts,
hat der Wind auch unten bereits nach Süd gedreht.
Der Bodensüdostwind in 27° Süd bei Aufstieg 73 scheint nur eine fingerförmige Abzweigung des
nördlicher gelegenen Südostpassats zu sein, die sich gegen den Westwind, der südlich davon liegt, in
die Westwindzone vorschiebt. Er kann auch, was nicht unwahrscheinlich ist, als Rückstand des nach
Norden abwandernden Südostpassats angesehen werden. Eine ähnliche Erscheinung hatten wir
im Nordostpassatgrenzgebiet — wahrscheinlich infolge des Vordringens des Passats nach höheren
Breiten (Ende März) — nicht beobachtet. Die Winde der Aufstiege 78 bis 79 (der letzte aus Gruppe VII
entnommen) zeigen diesen Kampf der Strömungen. Die Kampfzone erstreckt sich auf über 10 Breiten
grade, von 30° bis 19° (Bild 8).
Auf die aus den Aufstiegen gut erkennbare nach dem Äquator hin schräg ansteigende
Grenzfläche zwischen Ostwind unten und Westwind oben haben wir bei Gruppe VI
schon hingewiesen.
In 3 bis 5 km Höhe hat die Südwest- bis Nordwestströmung entschieden den Sieg, soweit Beob
achtungen vorliegen, wie die folgende Übersichtsskizze, Bild 8, zeigt.
Man sollte eigentlich das Gegenteil von dem, was hier geschieht, erwarten, nämlich, daß die sub
tropischen Strömungen sich unter die tropischen schieben, sowohl auf der Nord-, wie auf der Südhalb
kugel. Wir sehen aber, daß dies nicht der Fall ist; die Grenzschicht steigt nach dem Äquator hin
schräg an. Wir können daraus schließen, daß die subtropischen Westwinde wärmer sind als die passa-