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Full text: 45, 1928

Dr. Paul Perlewitz: Höhen windmessungen und andere Beobachtungen zwischen dem Kanal und dem La Plata. 15 
einander, so dehnt sieh der Ballon dennoch ziemlich gleichmäßig aus, da die sich stark ausdehnenden 
Bahnen die dickeren Nebenbahnen mitnehmen; andernfalls, wie meist der Fall, bekommt der Ballon eine 
dicke Backe, die, wie es oft der Fall war, zum vorzeitigen Platzen des Ballons in der Höhe führte. 
Ein Unterschied des Ballonmaterials zu Anfang der Reise und zu Ende hat sich nicht ergeben. 
Einige Tage vor Gebrauch wurden die Ballone gleichmäßig warm gehalten, in einer Blechkiste im oberen 
Maschinenraum auf mehrfachem Papier liegend, aufbewahrt. Die Aufbewahrung in feinen Holzspänen 
oder Puder, wie es in Brasilien geschah, scheint von Vorteil zu sein. Während der ersten 2 Monate der 
Reise wurden die nichtgebrauchten Ballone im Kühlraum des Schiffes bei etwa 4° in Pappschachteln 
aufbewahrt. 
Eine große Kiste für Ballone, Wage usw. stand auf dem Achterdeck in. einer Nische unter dem 
Bootsdeck, windgeschützt von allen Seiten und auf hohen Planken zum Schutz gegen das Wasser, das 
schon bei steifem Wind über das Achterdeck spülte. Hier wurde der Ballon gefüllt und an der Seite 
hochgelassen, wo der Theodolit aufgestellt war, in Lee. Dies geschah auf dem Bootsdeckende 2 m über 
der Ballonkiste, stets in Lee der mittleren unteren Windrichtungen. Der Ballon ging also unmittelbar 
neben dem Theodolit in die Höhe. Nur in einzelnen Fällen, wo der Wind genau von vorn kam, wurde 
der Ballon ganz von Achterdeck abgelassen. 
Ein Teil der Ballone platzte kurz nach dem Hochlassen, ein anderer Teil beim Füllen, gelegentlich 
sogar zwei und drei Ballone hintereinander, besonders die mit dicker Backe, z. B. vor den Aufstiegen 
21, 31, 36, 50, 51, 57, 106 und 116. Einmal fanden sich unter den Vorratsballonen zwei zusammengeklebt. 
Nach den ersten 21 Pilotballonaufstiegen auf unserer Reise erschien uns unsere Lage in bezug auf die 
Ballonverfolgung trotz größter Mühe ziemlich trostlos. Die Ballone platzten unten und in geringer Höhe 
oder gingen infolge starken Schlingerns der zu kleinen „Minden“ verloren; dazu kam wohl, daß es uns 
an Übung fehlte. Trotz heiteren Wetters, 2 /io bedeckt, kamen wir mit den Aufstiegen 18 bis 21 nicht 
über 3,9 km. Auch der nächste Aufstieg 22 bei wolkenlosem Himmel war ein Versager; der Ballon 
platzte schon in 5 km Höhe. Endlich kam aber mit Aufstieg 23 die Überraschung und Entschädigung. 
Der Ballon wurde fast eine Stunde lang verfolgt und erreichte den Rekord für Pilotenballonaufstiege 
auf dem Meere mit 22,4 km Höhe. 
Im Zenith ging nur zweimal ein Ballon sehr frühzeitig aus visiertechnischen Gründen verloren; 
Windgeschwindigkeit und -richtung waren hierbei gleich Schiffskurs und -geschwindigkeit (Nr. 31 und 
Nr. 72). Auf einem eigenen Expeditionsschiff kann dies durch kleine Kursänderungen vermieden wer 
den; andererseits kann bei starkem Wind das Schiff in der Flugrichtung des Ballons fahren, um ihn 
bis in größere Höhen verfolgen zu können. Auf der „Mindenfahrt“ hatten wir mit der Windrichtung 
auffallendes Pech, da in der Mehrzahl der Fälle die mittlere Windrichtung der durchmessenen Schicht 
dem Schiffskurs entgegengerichtet war; 56 mal lag der Platzort hinter dem Startort, in 
Richtung der Fahrrichtung des Schiffes gemessen, 28 mal, also nur halb mal so oft, vor ihm 
und 22 mal ziemlich senkrecht zur Seite nach Back- oder Steuerbord. Die Summe aller Horizontalent 
fernungen bei den 116 Ballonaufstiegen zwischen Platzort und Schiff betrug e = 838 km, während der 
zurückgelegte Horizontalweg der Ballone w nur = 656 km war. Das Schiff legte während der gesamten 
Beobachtungszeit von 25 Stunden 22 Minuten s = 460 km zurück, im Mittel während jedes Aufstiegs 
4,3 km in 14.5 Minuten. Im Mittel wurde der Ballon bei jedem Aufstieg bis 4,75 km 
Höhe und 7,9 km Horizontalentfernung vom Schiff (nur 6,2 km vom Aufstiegsort) 
aus verfolgt; die Maxima waren: 22,4 km für Höhe (Aufstieg 23), 33,9 km für Schiffsentfernung 
(Aufstieg 91) und 31,8 km für zurückgelegten Ballonweg (Aufstieg 26). Daß nur bei 17 % der Aufstiege 
die Platzhöhe des Ballons beobachtet werden konnte, ist bereits erwähnt. 
Als Steiggeschwindigkeit der größeren Ballone, die von uns allerdings nur bei 24 Aufstiegen 
benutzt Avurden, ist ein Wert zugrunde gelegt worden, der zwischen den älteren und neueren 11 ) Beob 
achtungen liegt; es erscheint nötig, daß von Land aus noch eingehende Beobachtungen mit den großen 
u) E. Kuhlbrodt. Annalen der Hyrographie 1927 S. 245.
	        
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