Dr. Paul Perlewitz: Höhen windmessungen und andere Beobachtungen zwischen dem Kanal und dem La Plata. 15
einander, so dehnt sieh der Ballon dennoch ziemlich gleichmäßig aus, da die sich stark ausdehnenden
Bahnen die dickeren Nebenbahnen mitnehmen; andernfalls, wie meist der Fall, bekommt der Ballon eine
dicke Backe, die, wie es oft der Fall war, zum vorzeitigen Platzen des Ballons in der Höhe führte.
Ein Unterschied des Ballonmaterials zu Anfang der Reise und zu Ende hat sich nicht ergeben.
Einige Tage vor Gebrauch wurden die Ballone gleichmäßig warm gehalten, in einer Blechkiste im oberen
Maschinenraum auf mehrfachem Papier liegend, aufbewahrt. Die Aufbewahrung in feinen Holzspänen
oder Puder, wie es in Brasilien geschah, scheint von Vorteil zu sein. Während der ersten 2 Monate der
Reise wurden die nichtgebrauchten Ballone im Kühlraum des Schiffes bei etwa 4° in Pappschachteln
aufbewahrt.
Eine große Kiste für Ballone, Wage usw. stand auf dem Achterdeck in. einer Nische unter dem
Bootsdeck, windgeschützt von allen Seiten und auf hohen Planken zum Schutz gegen das Wasser, das
schon bei steifem Wind über das Achterdeck spülte. Hier wurde der Ballon gefüllt und an der Seite
hochgelassen, wo der Theodolit aufgestellt war, in Lee. Dies geschah auf dem Bootsdeckende 2 m über
der Ballonkiste, stets in Lee der mittleren unteren Windrichtungen. Der Ballon ging also unmittelbar
neben dem Theodolit in die Höhe. Nur in einzelnen Fällen, wo der Wind genau von vorn kam, wurde
der Ballon ganz von Achterdeck abgelassen.
Ein Teil der Ballone platzte kurz nach dem Hochlassen, ein anderer Teil beim Füllen, gelegentlich
sogar zwei und drei Ballone hintereinander, besonders die mit dicker Backe, z. B. vor den Aufstiegen
21, 31, 36, 50, 51, 57, 106 und 116. Einmal fanden sich unter den Vorratsballonen zwei zusammengeklebt.
Nach den ersten 21 Pilotballonaufstiegen auf unserer Reise erschien uns unsere Lage in bezug auf die
Ballonverfolgung trotz größter Mühe ziemlich trostlos. Die Ballone platzten unten und in geringer Höhe
oder gingen infolge starken Schlingerns der zu kleinen „Minden“ verloren; dazu kam wohl, daß es uns
an Übung fehlte. Trotz heiteren Wetters, 2 /io bedeckt, kamen wir mit den Aufstiegen 18 bis 21 nicht
über 3,9 km. Auch der nächste Aufstieg 22 bei wolkenlosem Himmel war ein Versager; der Ballon
platzte schon in 5 km Höhe. Endlich kam aber mit Aufstieg 23 die Überraschung und Entschädigung.
Der Ballon wurde fast eine Stunde lang verfolgt und erreichte den Rekord für Pilotenballonaufstiege
auf dem Meere mit 22,4 km Höhe.
Im Zenith ging nur zweimal ein Ballon sehr frühzeitig aus visiertechnischen Gründen verloren;
Windgeschwindigkeit und -richtung waren hierbei gleich Schiffskurs und -geschwindigkeit (Nr. 31 und
Nr. 72). Auf einem eigenen Expeditionsschiff kann dies durch kleine Kursänderungen vermieden wer
den; andererseits kann bei starkem Wind das Schiff in der Flugrichtung des Ballons fahren, um ihn
bis in größere Höhen verfolgen zu können. Auf der „Mindenfahrt“ hatten wir mit der Windrichtung
auffallendes Pech, da in der Mehrzahl der Fälle die mittlere Windrichtung der durchmessenen Schicht
dem Schiffskurs entgegengerichtet war; 56 mal lag der Platzort hinter dem Startort, in
Richtung der Fahrrichtung des Schiffes gemessen, 28 mal, also nur halb mal so oft, vor ihm
und 22 mal ziemlich senkrecht zur Seite nach Back- oder Steuerbord. Die Summe aller Horizontalent
fernungen bei den 116 Ballonaufstiegen zwischen Platzort und Schiff betrug e = 838 km, während der
zurückgelegte Horizontalweg der Ballone w nur = 656 km war. Das Schiff legte während der gesamten
Beobachtungszeit von 25 Stunden 22 Minuten s = 460 km zurück, im Mittel während jedes Aufstiegs
4,3 km in 14.5 Minuten. Im Mittel wurde der Ballon bei jedem Aufstieg bis 4,75 km
Höhe und 7,9 km Horizontalentfernung vom Schiff (nur 6,2 km vom Aufstiegsort)
aus verfolgt; die Maxima waren: 22,4 km für Höhe (Aufstieg 23), 33,9 km für Schiffsentfernung
(Aufstieg 91) und 31,8 km für zurückgelegten Ballonweg (Aufstieg 26). Daß nur bei 17 % der Aufstiege
die Platzhöhe des Ballons beobachtet werden konnte, ist bereits erwähnt.
Als Steiggeschwindigkeit der größeren Ballone, die von uns allerdings nur bei 24 Aufstiegen
benutzt Avurden, ist ein Wert zugrunde gelegt worden, der zwischen den älteren und neueren 11 ) Beob
achtungen liegt; es erscheint nötig, daß von Land aus noch eingehende Beobachtungen mit den großen
u) E. Kuhlbrodt. Annalen der Hyrographie 1927 S. 245.