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Volltext : 45, 1928

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Aus  dem  Archiv  der  Deutschen  Seewarte.  —  45.  Bd.  Heft  3.

Stunde,  das  sind  zwei  Monatsmengen  bei  uns.  Deutsche  Ärzte  werden  in  St.  Paulo  gesucht,  die  im  Flugzeug ­
  die  Patienten  im  Innern  des  Staates  besuchen  können.  In  Santos  ist  einem  Sohn  der  Stadt,  der  1901
zum  ersten  Mal  mit  einem  lenkbaren  Luftschiff  den  Eiffelturm  umfahren  hat,  ein  Denkmal  gesetzt
worden,  dem  Luftschiffer  Santos  Dumont.
Von  hier  ging  die  Fahrt  nach  Argentinien,  zunächst  zum  La  Plata,  der  das  gelbbraune,  fast  schokoladenfarbige ­
  Wasser  alle  12'A  Stunden  mit  der  Ebbe  wellenweise  weit  hinaus  ins  Meer  und  mit  der
Küstentrömung  nach  Norden  trägt,  so  daß  wir  lange  vor  der  Einfahrt  beobachten  konnten,  daß  wir  abwechselnd ­
  im  La  Platawasser  und  im  davon  scharf  getrennten  klaren  Ozeanwasser  fuhren.  Bald  tauchte  das
argentinisch-paraguaysche  Flachland  vor  uns  auf  mit  seiner  einzigen  sichtbaren  Bergkuppe  Monte  Video.
Diese  ganz  flache  Ebene  wird  vom  Parana  durchströmt,  in  drei  Armen  mit  zahllosen  Bifurkationen;
oft  wird  das  Land  überschwemmt.  Aufwärts  gelangten  wir  nach  der  zweitgrößten  Stadt  Argentiniens,
Rosario,  die  den  Weltmarktpreis  für  Getreide,  Mais,  Weizen  und  Lein  mitbestimmt.
Ein  Abstecher  von  Rosario,  wo  Mais  geladen  wurde,  führte  mich  im  Pullmanwagen  nach  Buenos
Aires,  wo  sich  vielleicht  das  internationalste  Leben  der  Welt  abspielt,  und  der  internationale  Flugver-Bild

  2:  Füllung  des  Ballons.

kehr  eine  große  Zukunft  hat;  die  Kultur  des  Landes  ist  zwar  überwiegend  von  den  Spaniern,  dann  aber
ziemlich  gleichmäßig  von  den  Franzosen,  Italienern,  Deutschen  und  Engländern  hierher  gebracht.  Während ­
  der  letzten  Jahrzehnte  breitete  sich  auch  der  Nord-  oder  Panamerikanismus  im  Baustil  und  in  der
hochkapitalistischen  Entwicklung,  die  vor  dem  Kriege  vor  allem  England  in  Händen  hatte,  lebhaft  aus.
Trotz  des  Internationalismus  im  Lande  hat  der  Argentinier  ein  nachahmenswertes  starkes  Nationalgefühl. ­
  Entsprechend  den  vielseitigen  Kulturen  sieht  man  in  den  Hauptstraßen,  oft  mit  einem  Blick,
die  verschiedenartigsten  Baustile  dicht  nebeneinander.  Der  Stadtverkehr  war  schon  1924  wegen  der
schmalen  Straßen  und  der  Fülle  der  Autos  erschreckend;  die  dringendste  Sorge  der  Stadt  ist  es,  einen
größeren  Teil  des  Verkehrs  unter  die  Erde  abzuleiten.  Ein  Fünftel  aller  Argentinier  wohnen  in  Buenos
Aires  zusammengedrängt.  Die  Fleischausfuhr  von  den  im  Lande  befindlichen  etwa  50  Millionen  Rindern
ist  gewaltig  und  dA  Mendozawein  von  den  Abhängen  der  Cordilleren  tut  dem  französischen  Rotwein
            
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