Dr. Paul Perlewitz: Höhenwindmessungen und andere Beobachtungen, zwischen dem Kanal und dem La Plata. 7
auf Seereisen anstellen. Nach dem Kriege wurden diese Beobachtungen von 1922 an wieder aufge
nommen, zunächst im Nordatlantik durch 3 Fahrten, und dann im Südatlantik zuerst durch die vor
liegende Studienreise. Die Ballonvisierungen nach dem Kriege waren vor allem dadurch gefördert
worden, daß die Instrumente (Sextant, Peilvorrichtung, Theodolit) erheblich verbessert 6 ) worden sind, so
daß ich mit Herrn Röder 1924 Ballone bis 22,4 km Höhe verfolgen konnte, während 1907 9,0 km, 1910
12,3 km, 1922 16 km und 1923 18 km erreicht waren. Auch die Ungenauigkeit der Ergebnisse war dadurch
schätzungsweise von 15% auf 10% für 5 km Höhe verringert.
68 Beobachtungen fanden auf der Ausreise der „Minden“ zwischen Kanal und La Plata an den auf
der Karte Tafel 1 bezeichneten Stellen vom 14. März bis 30. April, davon 3 im Hafen von Pernambuco
und 8 im Hafen von Santos, statt, während auf der Heimreise 54 Aufstiege auf See gemacht wurden.
Von beiden Reisen konnte auf Grund dieser Höhenlotungen je ein Vertikalschnitt durch die Atmosphäre
über ein Viertel Erdumfang längs des Atlantik gelegt werden. Die Schnitte (Abschnitt 10) geben ein
ungefähres Bild von den Lufttransporten über diesem Erdgebiet für die beiden Jahreszeiten März und
Juni des Jahres 1924. Es bleibt dabei offen, was von den erzielten Ergebnissen durch lokale und zeit
liche Verhältnisse bedingt war und was als mittel und normal anzusehen ist.
Um einen Überblick über die aus der Vorkriegszeit vorhandenen älteren Beob
achtungsergebnisse in bezug auf Windrichtung und -geschwindigkeit über den Ozeanen zu be
kommen, will ich zwei schematische Übersichten geben, in denen ich mich wesentlich auf die Arbeiten
von Köppen 7 ), van Bemmelen 8 ) und den Verfasser 9 ) stützte:
Tabelle 1. Windrichtung über den Ozeanen in den Tropen bis 9km Höhe
nachdenBeobachtungenderVorkriegszeit.
Höhe
in km
Nord-
Richtung
Atlantischer und Südlicher Stil
Ständigkeit
1er Ozean
Drehung
0—1
3 — 5
7 — 9
Ost (äquatorwärts)
West ’
Große Ständigkeit (90 Proz.)
Sehr geringe Ständigkeit (20 Proz.)
Geringe Ständigkeit (40 Proz.)
y Sehr starke Drehung
} Geringe Drehung
Höhe
Südlicher Atlantischer Ozean
in km
Richtung
Ständigkeit
Drehung
0-1
Ost
Große Ständigkeit
! KeineDrehnng, dochfragüch
3 — 5
Y!
Mittlere „
7 — 9
V
» »
1
Höhe
Subtropen
in km
Richtung
Ständigkeit
Drehung
0 — 1
3 — 5
7 — 9
West (äquatorwärts)
n tt
n 1t
Geringe Ständigkeit
fl >t
n ft
| Keine Drehung
Charakteristisch ist die schnelle Abnahme der Ständigkeit (Stetigkeit oder relative Häufigkeit der
Hauptrichtung) der Passate in 1—2 km Höhe, auf die Köppen besonders für den Atlantischen Ozean zu
6 ) Siehe Anm. S. 3.
7 ) Anmalen d. Hydr. usw. 1910, S. 201.
8 ) van Bemmelen-Perlewitz: Annalen der Hydr. 1912, S. 181—187; und van Bemmelen: Meteorologische Zeitschr.
1924, S. 133 u. ff.
9 ) Annalen d. Hydr. usw. 1912, S. 454 und Verhandlungen der Versammlung Deutscher Naturforscher und
Aerzte in Münster, 1912. Berlin, 1913, Bd. II, 1, S. 196—198.