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Full text: 44, 1927

Studienrat Dr. Margarete Gans: Das Hudsonmeer. 
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10 000 Biberfelle. Derselbe Mann sprach für die gleichen Jahre im Durchschnitt Albany 5600, Moose 
und East-Main zusammen 7000 Einheitsfelle zu. 16 ) Über Severn und Rupert fehlen Einzel angabon. 
Den Gesamtwert aller durch die Hudsonmeerstationen versandten Pelze veranschlagte Dobbs auf 
2—30001 = 40 900—61 300 Mk. in einem Sommer, Ellis auf 3 Oder 4000 1 = 61 300—817 000 Mk. und Rob- 
son auf etwas weniger als 50001 — 102 200 Mk. 
, Im Hinblick auf diese Han'delsergebnisse legten in der 1. Hälfte des 18. Jhh. Leute aus dem eige 
nen Lager der Hudsonbaigesellschaft, die jahrelang als deren Angestellte in den Handelsposten des 
Hudsonmeers gearbeitet und reiche Erfahrung gesammelt hatten, eiben die Leute, denen wir fast aus 
schließlich die angeführten spärlichen Zahlenangaben verdanken, allen voran Ellis, Robson, Umfreville, 
bis zu einem gewissen Grade auch Dobbs, in ihren Werken eine schwere wirtschaftliche und kulturelle 
Schuld der Hudsonbaigesellschaft bloß: Sie habe immer nur unbedeutende, untüchtige Männer an die 
Spitze der Tätigkeit im Hudsonm-eere gestellt und dadurch ein höchst unfruchtbares System der Eng 
herzigkeit, Kurzsichtigkeit, Knauserei, ja Unehrlichkeit herausgebildet. Anstatt mit kühnem Unterneh 
mergeiste die Küsten in ausgedehntem Maße zu besiedeln, namentlich auch den Osten, wo es die besten 
Zobel gäbe (Dobbs!), ferner auch Niederlassungen im Innern zu errichten, hätte man sich ängstlich, 
aus Furcht vor den Ausgaben, in wenige Handelsposten eingeschlossen; Aufforderungen zu Neugrün 
dungen von England aus hätte man wohl damit beantwortet, daß man den gewünschten Ort in die 
Karte eintrug, ohne ihn tatsächlich zu bauen. Anstatt ein liebevoll-würdiges Verhältnis zu den Einge 
borenen zu pflegen, habe man sie zu bloßen Ausbeutungsobjekten erniedrigt: sie rauh behandelt, ge- 
schllagen, ihnen alles, was ihnen ihre Tätigkeit hätte erleichtern können, z. B. Schneeschuhe, verweigert, 
sich in keiner Weise befleißigt, ihre Sprache zu lernen, ja den Handelsangestellten sogar bei; Strafe ver 
boten, mit ihnen zusammenzukommen, ihnen den völkermordenden Alkohol gebracht. Anstatt bei der 
Bezahlung in gerechter Abwägung den Vorteil des Mutterlandes mit dem Wöhle der Eingeborenen in 
Einklang zu bringen, habe man einmal durch völlig unsinnige geringe Bewertung kostbarer Felle dem 
Ansehen Englands geschadet, ohne den Eingeborenen zu nützen, andrerseits habe man mit dien Tausch 
gegenständen die Eingeborenen unverantwortlich betrogen. Dazu habe die Selbstherrlichkeit der Gouver 
neure, Faktoren und Kapitäne und das drückende Verhältnis zwischen Vorgesetzten und Untergebenen 
das Leben in den Niederlassungen herabgewürdigt, ganz zu geschweigen von dem weit verbreiteten 
Brauche, das Vaterland durch Entwendung kostbarer Felle zu persönlicher Bereicherung zu hinter 
gehen. Daß es bei solchen Zuständen den Franzosen mit ihrer viel höher stehenden Eingeborenen 
politik ein Leichtes gewesen sei, sich die Indianer willfähriger zu machen, ihnen mehr und Besseres 
zu liefern, als den Engländern, sei durchaus verständlich. So hätte England in den langen Jahren wohl 
das Zehn-, ja das Fünfzigfache des Pelzhandelsgowinns erzielen können. 
Diese Beschwerden waren gewiß begründet und fanden auch Gehör im Mutterlande. Die merk 
würdige Geheimniskrämerei der Hudsonbaigesellschaft spricht ja auch entschieden gegen s ie. Doch 
sind demgegenüber wohl auch andere Umstände anzuerkennen: die mancherlei Anfangsschwierigkeiten 
der durchaus neuen wirtschaftlichen Tätigkeit einer Handelsgesellschaft, die Kosten für Transporte und 
die Unterhaltung der Handelsposten, die „unsichere Natur des Pelzhandels mit seinem wechselnden 
Markt“, die große Versuchung zur Selbstbereicherung und vor allem als stärkste Waffe der Gesellschaft 
in diesem Kampfe: die ungünstigen klimatischen Verhältnisse des Hudsonmeers. So kam es auch, daß, 
als sich im Jahre 1749 alle Klagen zu einer „Petition der wichtigsten Städte Großbritanniens gegen die 
Hudsonbai-Kompagnie“ verdichteten, diese in gewisser Hinsicht siegen konnte. Es ist auch nicht zu 
verkennen, daß gegen Ende des 18. und im 19. Jhh. die Tätigkeit der Gesellschaft durch Besiedelung 
des Innern an Umfang gewann und so auch die Ausfuhrwerte der Hudsonmeer-Faktoreien zun ahmen. 
1888 wurde der Betrag der Pelzausfuhr des Hudsonmeers amtlich auf $ 1 000 000 — 4 200 000 Mk. ge 
schätzt. 17 ) Doch wird in neuester Zeit der durch Thomdike auch aus amtlichen Quellen festgestellte 
16 ) In allen Zahlenangaben sind die Pelle mngerechnet worden. 
U) T, W, Thorndike. A Plea for . . . Rep. on tbe 8th International G. Congress 1904. Washington 1905.
	        
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