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Full text: 44, 1927

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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — Nr. 1. 1926. 
Eine Sonderstellung nehmen die Hudsonmeer-Eskimos auch ein durch gewisse rein lokal be 
dingte Lebensverhältnisse und Kultureigentümlichkeiten. Die Sedlingmiut verwendeten, als sie noch 
auf der Southampton-Insel wohnten, stark den sibirischen Kalkstein dieser Insel zum Bau ihrer Win 
terwohnung an Stelle des Schnees und zur Verfertigung ihrer Lampen anstatt des fehlenden Speck 
steins. 217 ) 
Die mehr auf die Küste beschränkten Aivillingmiut leben ausschließlich von Seetieren, die mehr 
landeinwärts wohnenden Kenipitumiut und Padlimiut jagen vorwiegend Landtiere: Renntiere, Rotwild 
und Moschusochsen. Die ganze Lebenshaltung der letzteren Stämme ist daher viel reinlicher als die der 
Äivillik, ferner verehren sie statt der allgemein- und centraleskimoischen, auch auf der Ostküste heilig 
gehaltenen Sedna, der Mutter aller Seesäugetiere, Nuliayoq, die Göttin aller See- und Landtiere. 218 ) 
Renntier, Rotwild und Moschusochse spielen auch als Materiallieferanten für Kleidung und Gerätschaf 
ten eine beherrschende Rolle, der Walfisch tritt fast ganz zurück. Die Sommerkleider und die äußeren 
wie die inneren Winterkleider der Kinipetu und durch diese auch der Äivillik bestehen fast nur aus 
Renntierfellen. Der Menge der Tiere entsprechend, sind sie reichlich bemessen; die Männer tragen 
Außenschuhe und die Frauen große Fußknöcheltaschen. Auch die über beiden Ohren befestigten Haar 
knoten der Frauen pflegen in Renntierfell eingehüllt zu werden. Rehhäute finden Verwendung bei der 
inneren Auskleidung der Kinipetu-Kajaks, die dadurch sehr leicht werden; mit den weißen Stücken 
werden Rücken und Ärmel der Frauenkleidung befliekt. Das Horn des Moschusochsen dient zur Her 
stellung der Bogen (2 Hörner werden in der Mitte zusammengenietet) und fast aller Löffel und Schöpf 
löffel der nordwestlichen Stämme. Da die Kinipetu infolge ihres Wohnortes leichter zu Holz gelangen 
können, spielt auch dieses Material eine gewisse Rolle bei der Herstellung von Gebrauchsgegenständen: 
aus Holz sind vielfach die Schlittenkufen, ferner die Knöpfe zur Befestigung der Kinderkapuze an der 
Frauenkieldung. Lokal sagen knüpfen sich an die Marble-Insel und an eine walfischförmige Insel 
der Wager-Bucht: jede soll durch ein den religiösen Vorschriften zuwiderhandelndes Hinschauen einer 
Witwe 219 ) ihren Steincharakter erhalten haben, erstere aus Eismassen, letztere aus einem Walfische. 
Da auf der Ostküste im Januar durch heftige Stürme die Seehundsjagd der Eskimos stark er 
schwert, ja verhindert wird, da auch Rotwild im allgemeinen nicht häufig ist, kommt es am Anfänge 
des Jahres nicht selten zu Hungersnot und Seuche. Mit der knapperen Bemessung der Jagdbeute hängt 
sicher auch die gewisse Kargheit in der Bekleidung der östlichen Eskimos zusammen: Männer und 
Frauen tragen die gleichen engen Hosen und Stiefel. Weil ferner auf der Ostküste des Hudsonmeers 
die Baumgrenze das Gebiet der Eskimos schneidet, gestaltet sich der Sohlittenbau verschiedenartig: 
Südlich der Baumgrenze, wo es mehr Holz und auch Treibholz gilbt, sind die Kufen sehr lang, 4—6, 
durchschnittlich 5m, und aus einem Stück; weiter nördlich sind die Schlitten kürzer, und die Kufen 
bestehen aus mehreren, mit Seehundhautriemen zusammengebundenen Holzstücken; wo kein Holz 
vorhänd'en ist, wird Fischbein, ja Eis zu den Kufen verwendet. 
Neben der rein lokalen ist hei den Hudsonmeer-Eskknos —ausgenommen vielleicht die Sedling 
miut — auch eine gewisse Beeinflussung durch die benachbarten Indianerstämme unverkennbar, wenn 
auch bei weitem nicht so stark wie hei den Alaska-Eskimos. Es ist indianischem Einflüsse zuzuschrei 
ben, daß die Eskimos der Nordwestküste sich einmal Pfeifen überhaupt und dann mit Speoksteinkopf 
und Holzstiel in der typisch-indianischen Form hersteilen. Auch das krumme Vorlegemesser (carving 
knife) ist von den Indianern übernommen. Stark tritt das indianische Element in der Vorliebe der 
nordwestlichen Eskimos für allerlei Schmuck hervor: sie tragen aus Elfenbein oder Speckstein ge 
schnitzte, zierlich geformte Anhängsel; die Frauen tätowieren sich Gesicht und Arme; die Kinipetus 
insbesondere bemalen ihren Kajak mit aus Eisenoxyd gewonnenen Farben, meist mit schwarzen und 
roten Bändern. (Der einzige bemalte Kajak bei den Eskimos überhaupt!) Schließlich trägt auch der 
317 ) Es ist höchst eigenartig, wie trotz des viel spröderen, fast ungeeigneten Materials doch die allgemein üb 
liche, gewünschte Form, wenn auch etwas roher, beibehalten werden konnte. 
31s ) Corner vermutet dahinter 2 Gottheiten, eine Beschützerin der See- und eine andre der Landtiere. 
219) Witwen dürfen sich nicht um schauen und keine Tiere ansehen.
	        
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