accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: 44, 1927

Studieurat Br. Margarete Gans: Das Hudsonmeer. 
77 
zu den Eskimos Grönlands und denen der westlichen arktischen Küste Nordamerikas mit Alaska. In 
nerhalb der Zentral-Eskimos wiederum — zu denen noch die Eskimos der atlantischen Küste Labradors, 
der Nord- und Südküste der Hudsonstraße, der Davisstraße und Nordbaffinlands zu rechnen sind 
machen sie der Kopfzahl nach ein Drittel aus, nämlich unter 3400—3700: 1100—1200. Davon kommt der 
größere Teil, 700—750 (— die zweitgrößte Ansammlung von Zentral-Eskimos überhaupt —) auf die 
Nordwestküste, der kleinere, 400- -450, auf die Ostküste. Die Hudsonmeer-Eskimos zerfallen weiterhin 
in folgende Einzelstämme: 1) Im Nordwesten: in die Padlimiut von Churchill nordwärts bis Rankin-In- 
let, die Kenipitimiut am Chesterfield-Inlet und an seinen Zuflüssen, nach Boas nur 140 Köpfe stark, eng 
verbunden mit dem südwestlich sich anschließenden ebenfalls kleinen Stamme der Shanuktungmiut 
(Sauniktumiut); ferner die Aivillingmiut (Aivillirmiut) von Chesterfield-Inlet bis zur Repulse-Bai, un 
gefähr 138 Leute umfassend, mit wichtigen Niederlassungen auf der Depot-Insel, (eskimoisch: Pikiulaq) 
am Wäger River (eskimoisch: Nuvuk und Ukusiksalik) und an der Repulse-Bai (eskimoisch: Aivillik), 
schließlich weiter nordwärts — nach der Fury- und Hekla-Straße und der Ostküste des Foxkanals zu — 
den von Corner nur auf 60 Köpfe geschätzten Stamm der Iglulingmiut und, als westliche Nachbarn der 
beiden letzteren, die Nechillingmiut, den volkreichsten, nach Boas 450 Personen zählenden Eskimo- 
Stamm auf der Nordwestküste des Hudsonmeers. 
2) Im Osten auf dem Festlande die Itivimiut (= Bewohner der andern Seite) und auf den Inseln 
(die Beicher-Inseln sind am stärksten bevölkert) die Kittoktangmiut (— Inselleute). Besonders inter 
essant ist die Stammesfrage in bezug auf die Eskimos der Southampton-Insel. Die Ureinwohner waren 
der Stamm der Sedlingmiut (den Boas nicht neben die Stämme der nordwestlichen Hudsonmeerküste, 
sondern neben die der Südseite der Hudsonstraße stellt). Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts wur 
den jedoch mit dem schottischen Waler Active Eskimos vom Stamme der Akolingimiut von der Big- 
Insel (Hudsonstraße) nach der Southampton-Insel gebracht, die die Ureinwohner allmählich verdräng 
ten, ja vernichteten. 1903 waren diese fast gänzlich ausgestorben. Corner siedelte die letzten nach der 
Auflösung der Walstation Marioo-Point zur Repulse-Bai über, wo sie in dem Stamme der Aivillingmiut 
aufgingen. Heute leben auf Southampton nur noch ein paar Akolingmiut, 211 ) sonst ist die große Insel 
gänzlich unbewohnt. 
Es gehört nicht in den Rahmen dieser Arbeit, die Hudsonmeer-Eskimos als Eskimos im allge 
meinen zu schildern. Interessieren kann vielmehr hier nur, ob und inwiefern die Hudsonmeer-Eskimos 
einen Sondertypus darstellen: 
Da ist in erster Linie bemerkenswert eine gewisse Altertümlichkeit und Primitivität der Kultur 
bei den Stämmen des Nordens und Nordwestens, vor allem bei den Sedlingmiut, den Netchillingmiut 
und den Aivillirmiut: Bei allen 3 Stämmen ist noch das alte zweiklingige Messer gebräuchlich. Sedling 
miut und Netchilliks haben neben dem Speer noch Bogen und Pfeil, der Bogen der Sedlingmiut ist 
außerdem noch besonders lang (120—130 cm) und mit Sehnenstütze versehen. Die Sedlingmiut haben 
auch wenig Eisen. (Sonst sind ja die Eskimos gut erfahren und geschickt in der Bearbeitung dieses 
Metalls!) Altertümliche Form zeigen auch die Gerätschaften: Nadelbüchse, Pfeilspitze, Harpunenspitze, 
Weibermesser, Schlitten, Wurfbrett, Speckklopfer und Lampe bei den Sedlingmiut, der Steintopf bei 
den Sedlingmiut und den Netchilliks; altertümlich ist bei den Aivilliks die eigentümliche religiöse 
Vorstellung von einem bärenähnlichen Ungeheuer, tupilak genannt. Da einige der genannten Alter 
tümlichkeiten auch den Ostgrönländern und den Alaska-Eskimos eigen sind, (den Ostgrönländern die 
alten Geräteformen, den Alaska-Eskimos der lange Bogen mit Sehnenstütze) 215 ) vermuten Boas und 
Thalbitzer, daß der Norden und Nordwesten des Hudsonmeers das Ausgangsgebiet für die Ausbreitung 
der nördlicheren, zum mindesten der ostgrönländischen und der alaskischen Eskimostämme gewesen 
sein könnte. 216 ) * * * 
* u ) Vgl. Wichmann. Pet. Mitt. 3910, S. 56, 2. 
2 15 ) Murdoeh, liep. oi the U. St. National Museum for the year 1884, S. 3(17 ff. 
3'®) Boas 1901, S. 370. Boas 1907, S. 375 und 569—570. Thalbitzer, S. 41 ff.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.