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Full text: 44, 1927

Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — Nr. 1. 1926. 
Einige interessante Ergebnisse hat am Hudsonmeere auch die Molluskenforschung schon gewon 
nen: die rezente Molluskenfauna der Ostküste hat im Verhältnis zu der der Westküste; die des Rieh- 
mondgolfs gegenüber der der Westküste, der Ostküste im allgemeinen, der Hudsonstraße und des 
Lorenzgolfs ein geologisch älteres Gepräge: Auf beiden Hudsonmeerküsten gemeinsam sind rezent nur 
Mytilus edulis, Linn., und Litorina palliata, Say. Auf der Westküste kommen dazu noch: Buccinum 
tenue?, Gray, * 207 ) auf der gesamten Ostküste: 
4. Cardimm Xslandicum, Chemn., 
5. Astarte lactea, Brod. und Sby, 
6. Beeten islandicus, Chemn.; 
1. Natica (Acrybia) flava?, Gould, 
2. Malcoma calcarea, Chemn., 
3. Malcoma fragilis, O. Fabr., 
im ganzen Richmondgolfe: 
1. Mya arenaria, Linn., 2. Mya truncata, Linn. 
Davon sind 4. und 5. der 1. Gruppe und die 2 der Richmondgruppe auf der Westküste fossil. (Chur 
chill, York.) 
In der stark abgeschlossenen Südiwesteoke des Richmondgolfs allein leben ferner: 208 ) 
1. Pecten (Camptonectes) Groenlandicus, Towerby, 6. Astarte crenata?, Gray, var. Malcoma ealoarea, 
2. Mediolaria discors, L., 7. Thracia myopsis, Beck, Möller iGmelin, 
3. Portlandia glacialis, Wood, 8. Saxicava arctica, L., 
4. Nucula expansa, Reeve, 9. Tonicella marmorea, L., 
5. Astarte Banksii, var. striata, Leach, 10. Litorina rudis, Maton. 
Diese 10 Molluskenarten finden sich lebe n 4 nirgends sonst im Hudsonmeere, auch nicht in der Hud 
sonstraße. Sie ruhen aber sämtlich fossil in den pleistozänen Sanden und Tonen des Lorenzgolfes. 
Hinsichtlich des Molluskenfauna trägt also die Ostküste im Vergleich zur Westküste und noch 
ausgeprägter der Südwestwinkel des Richmondgolfs gegenüber der West-, der übrigen Ost-, der Hud 
sonstraße und dem Lorenzgolfe Reliktcharakter. Abschließende Untersuchungen stehen noch aus. 209 ) 
Ob die spärlichen Grasgebiete im Bereiche der südlicheren Hudsonmeerküsten, namentlich um 
die Jamesbai herum, Viehzucht in größerem Umfange möglich machen können, muß gegenwärtig noch 
dahingestellt bleiben. 
9. Menschenwelt. 
Die Eingeborenen der Hudsonmeerküste und -insein sind Eskimos und Indianer. Die Grenze 
zwischen beiden Naturvölkern liegt im Westen bei Fort Churchill, 210 ) im Osten bei Kap Jones, auf den 
Inseln noch etwas südlicher. 211 ) Sicher ist, daß sämtliche Hudsonmeer-Eskimos früher südlicher lebten, 
im Osten erwiesenermaßen bis zur Noddawai-Mündung, und zwar allem Anscheine nach noch in der 
Zeit der ersten europäischen Entdeckungsfahrten im Hudsonmeere. 212 ) Der unversöhnliche Rassenhaß 
der Indianer vertrieb sie nordwärts, im Westen sogar soweit, wie es die indianischen Lebensinteressen 
nur irgend zuließen, d. h. bis zur Baumgrenze. (Abhängigkeit der Indianer vom Feuerholz!) 
Nach Boas’ übersichtlicher Gruppierung 213 ) gehören die Hudsonmeer-Eskimos zu den Zentral-Es- 
kimos, d. h. zu den Eskimos der östlichen Hälfte des nordamerikanischen Kontinents im Gegensätze 
2° a ) Geol. Surv. of Can. 1910, Summary Report. 
207 ) Bell. Geol. Surv. of Can. 1879/80, S. 76. 
2fcs ) Low, Geol. Surv. of Can. 1902, S. 40 f. 
2 « 4 ) Lebende Mollusken der Hudson Straße sind nach Bell (Geol. Surv. 1884, S. 58 ff.) Buccinum tenue?, 
Gray; Astarte lactea, Brod. und Sby; Pecten Islandicus, Cheinn; Mya truncata, Linn; bei Port Bur weil: Bucei- 
num tenue?, Gray; Malcoma calcarea, Chemn; Astarte lactea, Brod. und Sby; Mya truncata, Linn. Die Hudson 
straße leimt sieh demnach mehr an die Ost- als an die Westküste des Hudsonmeers an. 
21 °) Low 1904, S. 131 und Alcoek, Geogr. Review 1916, S. 447. 
211 ) Genauere Angaben fehlen. Vgl. Low 1904, S. 141. 
212 ) Vgl. Powell’s Karte: Die ursprüngliche Verbreitung d. nordamerikanisehen Indianer. (Deekert 1913, S. 87.) 
2l2 ) Low schließt sich Boas im wesentlichen an. (1904, S. 134.)
	        
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