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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 21 (1893)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1893. 
Die Stadt macht einen bedeutend grofßsartigeren Eindruck und hat den 
grofsen Vortheil, dafs Europäer, Juden und Mauren getrennt wohnen. Die Bau- 
art an und für sich ist die orientalische, enge Strafsen und geschlossene Häuser 
mit inneren Höfen, die Häuser sind oben flach und durchweg gut gehalten. Es 
ist den Europäern dadurch möglich, ihren Stadttheil rein zu halten, und fällt dies 
nach Casablanca sofort in’s Auge. Der Stadttheil, in welchem die Europäer 
wohnen, ist auf Felsen, die maurischen und Judenviertel sind auf Sand gebaut. 
Ueber Infektionskrankheiten in den marokkanischen Häfen Casablanca und 
Mogador ist Folgendes ermittelt worden: Malaria kommt nur ausnahmsweise, 
unter den Europäern kaum, vor; in Mogador allein in dem auf sumpfigem Boden 
stehenden Mauren- und Judenviertel. Tuberkulose war bis etwa vor 10 Jahren 
unbekannt. Seit dieser Zeit hat sie, wahrscheinlich eingeschleppt durch heilung- 
suchende Europäer bezw. spanische Juden, sich unter den Eingebornen mehr 
verbreitet. 
Die klimatischen Verhältnisse sind ganz hervorragend günstige, Mogador 
verdient dabei den Vorzug vor Casablanca, Die Temperatur ist das ganze Jahr 
hindurch ziemlich gleichmäßig, um 24°C herum, Seebriese stets vorhanden, 
Regen von April bis Oktober fast garnicht, in der übrigen Zeit hin und wieder. 
Ein deutscher Arzt, welcher in Ostafrika schwere Malaria acquirirt hatte, be- 
zeichnete uns das Klima als für Malariarekonvalescenten wie gemacht. Er war 
als Rekonvalescent da. 
Der Gesundheitspals wurde an beiden Orten verlangt und ein neuer durch 
den spanischen Konsul ausgestellt, den die Hafenbehörde gegenzeichnete. 
Die unmittelbare Umgegend von Mogador besteht aus reinem Sand. Die 
Strecke Landes zwischen den Sanddünen und dem Platze, auf welchem Mogador 
liegt, ist eben, und während der Regenzeit tritt das Grundwasser so hoch, dafs 
dieser Theil manchmal unter Wasser steht. Im Sommer ist dieser ganze Platz 
trocken und der Boden fester Sand. Eine Wasserleitung bringt das Wasser um 
den ganzen Hafen. Haupterzeugnifs ist Olivenöl, Handel mit dem Sudan. 
Der Handel ist auch hier im Zunehmen begriffen, wird aber anscheinend 
nur langsam vorwärts gehen. 
Das Ansegeln ist leicht, da sich sowohl die Stadt, als auch die Mogador- 
Insel vorzüglich markiren. 
Man ankert am besten in der Linie, welche entsteht, wenn man die beiden 
viereckigen Thürme des Zollhauses in Deckung bringt, jedenfalls nicht südlicher 
als die Deckpeilung der beiden Süd von dem Zollhause liegenden Forts. Das 
äufsere markirt sich als ein viereckiges Gebäude und steht frei auf dem Riff, 
Jas innere ist ein runder Thurm, welcher mit dem westlichen Zollhausthurm ver- 
bunden ist. Die ungefähre Deckpeilung ist: Aeufseres Fort 0SO. Die schlechteste 
Zeit, um vor Mogador zu ankern, ist Oktober und November, Februar und März. 
Das Einlanufen in den Hafen ist nur angängig für Schiffe bis zur Gröfse 
des „Habicht“ und auch nur dann, wenn sie unter kleinen Feuern liegen. Die 
Tiefe ist genügend, da die Woermann-Dampfer bis zu 18 Fuß Tiefgang einlaufen, 
und ist für das Liegen der Strom noch vortheilhaft, da er in den Hafen hinein- 
steht und somit den Bug des Schiffes nach See dreht, klar zum Auslaufen. Schiffe 
dagegen, welche kein Dampfspill, wohl aber Takelage besitzen, werden leicht, 
besonders beim Drehen, durch Strom und Wind gegen die Mogador-Insel ge- 
drückt, ehe sie den Anker ordentlich aufhaben, 
Der Ankergrund besteht fast überall aus Riffen, über welchen eine dickere 
oder dünnere Sandschicht liegt. Der beste Platz soll in der oben erwähnten 
Peilungslinie sein, ich konnte aber, selbst bei dem Lotsen, nicht erfahren, ob 
dort nur Sand oder auch steiniger Boden vorkäme. Der Anker brachte festen 
schwarzen Sand mit etwas Mudd herauf. Beim KEinlaufen in den Hafen mit 
schlechtem Wetter bleibt der Lotse im Eingang liegen, fährt mit seinem Boot 
voraus und zeigt eine rothe Flagge. Geht die Flagge nieder, so ist zu ankern. 
Das Landen ist bei gewöhnlichen Verhältnissen leicht. Man steuert in 
die Mitte der Hafeneinfahrt ungefähr SO, bis die große Moschee reichlich frei 
von dem östlichen Zollhausthurm (zeitweise liegt dort eine schwarze Boje, die 
aber ursprünglich nur als Marke für die einlaufenden Dampfer diente), dann steuert 
man auf die Moschee zu, bis das äufsere Fort an B. B. dwars ab ist. Man wird 
dann die Brandung des Riffes an B B. sehen. Hier geht man nahe heran und
	        
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