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Full text: 44, 1927

Studienrat T)r. Margarete Gans: Das Hudsonmeer. 
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lebensweise angenommen hat. Die Wanderungen der Hudsonmeer-Seehunde sind im einzelnen noch 
nicht erforscht. 
Infolge reichlicher Nahrungsstoffe birgt das Hudsonmeer im allgemeinen auch viele Fische. 203 ) 
Die meisten finden sich vor der Ostküste und in der Jamesbai: ein dort aufs Geratewohl ausgesetztes 
Netz füllt sich stets rasch. Im südlichsten Ende der Jamesbai nimmt allerdings wegen des schlammigen 
Wassers der Fischreichtum etwas ab. Dem geringen Salzgehalte des Hudsonmeers entsprechend, über 
wiegen hinsichtlich der Arten ursprüngliche Süßwasserfische, d. h. solche Fische, die in den Seen und 
Flüssen des Festlandes heimisch sind, sich aber dem nicht starken Salzwasser des Hudsonmeers ange 
paßt haben (was nicht unwesentlich die Güte ihres Fleisches erhöht hat); die reinen Salzwasserfische 
treten nach der Zahl der Individuen stark zurück. Die 8 wichtigsten Süßwasserarten sind: die See 
forelle, Salvelinus fontinalis, (Mitchell), Gill und Jordan, der sogenannte Hearne-Lachs, Salmo Hearnii, 
Richardson, 204 ) und ein Weißfisch (von Bell Hering-Weißfisch genannt), Coregonus Artedi: Ersterer und 
letzterer sind wiederum am verbreitesten. Die Seeforelle findet sich in den westlichen Flüssen nur bis 
zu den untersten Fällen, im Süden und Osten dagegen in der ganzen Länge der Flüsse. In den James 
baiflüssen ist besonders gut ihr herbstliches Aufsteigen zu beobachten. Sie ist ein ausgezeichneter 
Fisch von durchschnittlich 1kg in der Jamesbai und l A—3 kg weiter nördlich. Die Hearne-Lachse gehen 
nur vom Juli bis mit September ins Hudsonmeer. Besonders interessant ist ihr ungeheuer reiches Vor 
kommen in den Flüssen und Seen der Southampton-Insel, die dadurch eine verhältnismäßig geringe Eis 
bildung zeigen. Die Lachse wiegen durchschnittlich 2 1 /, mitunter erreichen sie ein Gewicht von 7'/2 kg. 
Sie sind demnach nicht so schwer wie ‘die atlantischen Lachse. Aber sie 'haben dasselbe dunkelrosae, 
wohlschmeckende Fleisch. Der Weißfisch hält sich in den Flußmündungen und sonst in Küstennähe 
auf. Er ist bedeutend kleiner als die Binnenart (Coregonus clupeiformis, Mitchell, Milner), nämlich nur 
'A—3, durchschnittlich \/ 2 kg. (In den Mistassini-Seen 7 kg!) Von den Salzwasserfischen des Hudson 
meers sind erwähnenswert: der Hecht (Esox lueius) in den östlichen Flußmündungen, besonders im 
East-Main, auf der Westküste bei Churchill und im Weenisk, 1—l l / 2 kg wiegend, die Äsche (Thymallus 
signifer) im Churchill und vor seiner Mündung; der Stör (Accipenser, sp.) in den Mündungen des East- 
Main und der südlicher gelegenen Flüsse, auch im, unteren Rupert und Noddawai, er wird nicht über 
1 m lang; der Petersfisch oder „Barsch“ der Hudsonbaigesellsohaft besonders im East-Main und Rupert. 
Eine ungelöste Frage ist zur Zeit noch, ob der atlantische Stockfisch, der Stockfisch der Neu 
fundlandbank, im Hudsonmeere vorkommt. Wakeham und andere Kapitäne sind der Ansicht, daß das 
unmöglich sei: der Fisch könne infolge der starken Strömungen und des zu tiefen und kalten Wassers 
der Hudsonstraße nur bis zum Port Burwell der Ungavafoucht Vordringen. Dagegen erwähnen einige 
Forscher, wie Bell, Low, Young einen gewissen „rock cod“, der auf der ganzen Ostküste, namentlich 
zwischen den Point Hills und Kap Smith häufig sei, im Westen nur in einigen Exemplaren in Roes 
Welcome und bei Fullerton gefunden würde, einen Fisch von etwa 50—55 cm Länge und 1—1V 2 kg Ge 
wicht, doch von geringerer Güte als der atlantische Stockfisch. Während die Meinung der genannten 
Forscher selbst nicht klar hervortritt, 205 ) steht für ihre Begleiter fest, daß es sich wirklich um den Neu 
fundlandfisch handelt. Diese Auffassung teilen auch neufundländische Fischer, die 1910 die Ostküste des 
Hudsonmeers bei Kap Smith und den Natsapöka- und Beicher-Inseln besuchten und die von den Eskimos 
gefangenen Fische betrachteten. 206 ) Doch ist demgegenüber wiederum hervorzuheben, daß der Heilbutt, 
der immer dort, wo der neufundländische Stockfisch vorkommt, in den tieferen Wassern lebt, dem Hud 
sonmeere tatsächlich fehlt. 
303 ) In der Literatur wird der Fischreichtum des Hudsonmeers zuweilen übertrieben geschildert. (Encyel. brit. 
1910, Art. Hudson Bay.) Demgegenüber steht ein völlig verneinendes Urteil Wakehams (The New North-West, 
S. 130), das sich allerdings nur auf den Norden des Hudsomneers bezieht und sonst auch lückenhaft gewonnen 
wurde. 
304 ) Also nieht der atlantische Lachs, Salmo salar, Linn. Dieser dringt wegen der ungenügenden Temperatur 
der TTndsonstraße nur bis zur Ungavabueht vor. 
305 ) Aus Lows Aeußerung: „But in Hudson Bay there nre cod“, geht nieht klar hervor, ob Neufundland-Stock 
fische oder eine andre Art gemeint sind.
	        
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