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Full text: 44, 1927

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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. 
Nr. 1. 1926. 
nern dafür angegeben. Wirkliches Agrikulturland ist aber erst dort, wo auf devonisöh-silurischem Kalk 
stein-Untergründe ergiebiger Geschiebelehm- und -tonboden ruht, und wo die Sommerwärme intensiv ge 
nug ist. Das ist einmal das sich nordöstlich an das Agassizsee-Gebiet anschließende und von gutem Ge- 
schiehelehm des Uabradorgletsehers erfüllte, vielleicht nur noch etwas Entwässerung fordernde soge 
nannte Patricia (Tyrrell 1912) und in noch höherem Maße das flache Land im südlichen Hintergründe 
der Jamesbai, auf dem sich die Manitoba-Lehme fortsetzen, und das die Wärme und Feuchtigkeit reicher 
Südwestwinde und die Wasserfülle des Moose- und des Noddawai-Systems empfängt. Hier ist das 
reichste Getreidegebiet der Hudsonmeerküste, wo Gerste, Hafer und Weizen gedeihen. Eine gewisse 
Ausnahme bildet nur Rupert-House und seine unmittelbare Umgebung: dort reifen wegen der durch die 
Kühle des Jamesbai-Wassers bedingten kälteren Sommer nur G erste und höchstens Hafer. Auf der 
Ostküste kann nur der 20—60 km breite, durch das Zurücktreten des Labrador-Tafellandes geschaffene 
Küstenstreifen für den Ackerbau in Frage kommen, allerdings nur für die härteren Cerealien, da es 
dort durchschnittlich kälter, der Boden ohne Kalkuntergrund, dazu sandiger und steiler geneigt ist. 
Garten- und Gemüsebau (Erbsen, Bohnen, Kohl, Salat, Melonen, Gurken, Möhren, Rüben, Kraut, 
Rettiche) kann nur im Bereiche der südlicheren Faktoreien (York, Albany, Moose, Rupert, East Main 
und Fort George), wo zu den oben erwähnten günstigeren Naturbedingungen noch die Möglichkeit ein 
gehenderer menschlicher Pflege tritt, getrieben werden. 
Wie weit der tatsächliche Anbau an den Hudsonmeerküsten zur Zeit geht, zeigt der Verlauf der 
Kartoffel-, Gerste- und Weizengrenzlinie. Man erkennt zum Teil ähnliche Ausbiegungen wie bei den 
Grenzlinien der Bäume, der Verlauf deckt sich aber nicht immer mit den Literaturangaben. Die Nord 
grenze der Kartoffel, von 53° im Osten Labradors kommend, erreicht an der Ostküste der Jamesbai 
54° 20', auf der Westküste knapp 55°, steigt dann schon an der Küste entlang nordwestlich bis fast 56° 
n. Br. an, York und Churchill — entgegen den Literaturangaiben 197 ) — abdrängend, im Innern dringt sie 
im Mackenzietale bis 67n. Br. vor. Die Nordgrenze der Gerste liegt auf der Ostküste der Jamesbai 
an der Mündung des Old Factory-River, auf der Westküste ein wenig südlicher, nämlich nördlich von 
Aibany, sie verläuft dann, bedeutend weiter als die Kartoffel von der Küste entfernt, in wesentlich 
nordwestlicher Richtung bis 65° n. Br. In bezug auf die Gerstelinie sind die Literaturangaben schwan 
kend. Die Grenzlinie des viel empfindlicheren Weizens zieht, sich um den 50. Breitenkreis schlängelnd, 
durchweg südlich der Jamesbai hin, wird fast bis zum Winnipegsee vom Hudsonmeere abgedrängt und 
erreicht im Innern 62° n. Br. 
Dennoch ist hervorzuheben, daß das, was am Hudsonmeere wächst, rasch wächst, infolge des 
rasch einziehenden und rasch auf die Höhe kommenden Sommers im Gegensatz zu den Verhältnissen 
in Ländern unter gleicher Breite, die Seeklima haben. 
8. Tierwelt. 
In ähnlicher Weise wie die Pflanzenwelt ist auch die Tierwelt des Hudsonmeers wissenschaftlich 
noch sehr unvollkommen erforscht. Nur soweit sie wirtschaftlich wichtig ist, ist ¡sie in großen Zügen 
bekannt. 
Die im Klima begründete, für die Pflanzenwelt so bemerkenswerte Verschiebung der Ver 
breitungslinien nach Süden und nach dem westlichen bez. östlichen Binnenlande zu tritt bei der Fauna 
infolge der freieren Lebensbedingungen und der Wanderfähigkeit nicht so stark hervor. 198 ) Im Herbste 
erfolgt Südwärts- bez. Binnenwärts-, im Frühjahr Rückwanderung. 
Unter der Küstenfauna sind zunächst charakteristisch Remitier, Elch und Rotwild. Renntiere 
sind auf beiden Seiten der Hudsonmeers überall häufig 199 ) und auch zahlreich. (Herden von mehreren 
** 7 ) Bell. Geol. Surv. of Onnnda 1878/79, S. 21. 
i«») Es sind auch die Verbreitungsgrenze» der Tiere im Innern noeli wenig genau festgesiellt, 
i") Deckert, S. 83.
	        
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