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Volltext: 44, 1927

Studienrat Dr. Margarete Gans: Das Hudsomneer 
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Dort, wo im Osten und Westen die Bäume fehlen, wachsen in der Regel arktische Flechten und 
Blumen. Der schöne arktische Blumenschmuck im Sommer wird von Low für die Nastapoka-Inseln, von 
J. B. Tyrrell für den Nordwesten gepriesen. Botanisch besonders interessant und für die klimatische 
Einwirkung des Hudsonmeers bemerkenswert ist das Vorkommen einer seltenen Pflanzenart, in der Wat- 
son Sisymbrium humifusum, Hook, vermutet, an der Küste entlang bis York und Severn, einer Pflan 
zenart, die bisher auf dem Kontinente noch nicht gefunden wurde, nur von Grönland erwähnt wird. 195 ) 
Im Osten tritt demnach der Wald näher an die Küste heran als im Westen, trotz der größeren 
Kälte im allgemeinen, vielleicht wegen der vorgelagerten Inselreihen, die die Eisschollen zurückhalten. 
Eine geschlossene Baumgrenze rund um das Hudsonmeer kann aber noch nicht gezeichnet werden. 
Wie im Verlaufe der Verbreitungslinien, so macht sich auch in der Entwicklung der Pflanzenwelt 
im einzelnen, insbesondere der Baumindividuen, die ungünstige Einwirkung des Hudsonmeers bemerk 
bar: Erst allmählich von Nord nach Süd bez. nach dem Innern nehmen die Bäume am Hudsonmeere 
nach Zahl und Größe zu. Weite Strecken südlich der Baumgrenze stehen die Bäume noch vereinzelt; 
wo der geschlossene Wald beginnt, ist nicht bekannt. Ferner bleiben sie weit nach Süden und dem 
Innern zu niedrig und verkrüppelt; auch sind die Bäume stark knotig: im Osten fast bis zum Big 
River, am Great Whale-River namentlich das Holz der Weißfichte. 
Die Möglichkeit der Entwicklung zu Nutzholzstämmen ist in beschränktem Maße nur im Süd 
westen und Süden der Jamesbai und auf der Ostküste bis zum East Main-River gegeben. Ausgedehnte 
Wälder von Nutzstämmen begleiten alle zur südlichen Jamesbai fließenden Ströme. Es sind Bestände 
von Schwarz- und Weißfichten von etwa 30 l / 2 cm Durchmesser und bis zu 270 Jahresringen, ferner Bal 
sambannen, Kanubirken, Cypressen bis zu 61 cm Durchmesser am dicken Ende, aber vor allem stattliche 
Lärchen von über 2 m Durchmesser, mit 100—140 Jahresringen. Der letztere Baum ist zwischen Ottawa 
und Jamesbai üppiger als am Oberen See (geringere Erhebung des Bodens, warmes Wasser der Flüsse, 
Niederschlagsreichtum, warme südwestliche Winde.) Was weiter nördlich an stattlicheren Bäumen vor 
kommt: amerikanische Lärche und Cypresse von 51 cm Durchmesser bei Churchill, amerikanische Lärche 
und Balsampappel von gleichem Umfange am unteren Nelson, hohe Schwarz- und Weißfichten und 
Lärchen auf den Abhängen und Inseln des Richmondgolfs, sind nur vereinzelte bzw. lokal bedingte Er 
scheinungen. 
Nur die genannten südlichen Hölzer lassen sich zu Bauzwecken verwerten und haben einen ge 
wissen Handelswert. Zur Herstellung von Papierbrei eignet sich aber auch die Espe und das nördlichere 
geringere Fichtenholz (auf der Ostseite bis zum Big River.) Feuerholz für die Indianer und die offenen 
Feuer der Hudsonbaigesellschaft liefert die Espe, im Süden der Jamesbai auch die Schwarzfichte. 
An dem an sich nicht reichen Holzvorrate des Hudsonmeers zehren noch 2 Schädlinge: 1. der 
für den gesamten Waldbestand Kanadas verderbliche, durch falsche Indianervorstellungen bedingte 
Waldbrand, dessen Spuren sich stark in den Waldbeständen der westlichen Täler zeigen (Churchill, 
Nelson, Weenisk, Albany), und 2. die den Lärchen gefährliche Larve der Sägefliege (Nematus Erich- 
sonii), die etwa um 1889 in das Gebiet südöstlich der Jamesbai eingeschleppt wurde und sich seitdem, 
weil die natürlichen Feinde fehlten, nach Osten, Süden und Westen verhängnisvoll verbreitet hat: 1893 
fand Low die Lärchen Labradors bis zum Eastmain nördlich durch sie zerstört, bis 1895 hatte sie auch 
die meisten Lärchen zwischen Rupert House und Ottawa zu Grunde gerichtet, 1904 sah Mc Innes Folgen 
ihrer Wirksamkeit im Weenisktale. 
Infolge des ungünstigen Klimas und der vielfach geringwertigen Bodenverhältnisse sind auch die 
Möglichkeiten für den Anbau von Kulturpflanzen am Hudsonmeere stark beschränkt. 196 ) Einigermaßen 
lohnender Anbau von Kartoffeln und Gerste ist erst südlich des Churchill möglich. Das Dreieck 
zwischen Churchill und Nelson und das Gebiet zwischen Nelson und Burntwood-River wird von Ken 
195 ) Low. Preliminary Report on an exploration of country from Lake Winnipeg to Hncison Bay. Geol. Surv. 
of Can. 1886. 
18e ) Man lasse sieh nicht blenden durch die optimistischen Angaben von Foxe, Ellis, Bobson und TJjnfreville 
oder jüngeren, die Anlockung von Ansiedlern bezweckenden Berichte.
	        
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